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Behinderung
&
Beruf

ZB 1-2015

Praxisbeispiel
Expertinnen in Sachen Förderung

Sie sind Mitglied im betrieblichen Integrationsteam, achten auf die Beschäftigungsquote und stellen Förderanträge. Dabei haben sie immer die Position ihres Arbeitgebers im Blick. Silvia Traute und Stefanie Hirschberg sind Beauftragte des Arbeitgebers. Beide haben das Ziel, die Leistungsfähigkeit von schwerbehinderten Mitarbeitern zu erhalten.

Silvia Traute im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Andreas Bartsch, (c) Karsten Socher
Arbeitgeberbeauftragte Stefanie Hirschberg (l.) und SBV Norbert Niehus informieren sich vor Ort, (c) Karsten Socher
Silvia Traute hält ihrem Chef den Rücken frei, wenn es um schwerbehinderte Beschäftigte im Unternehmen geht. Seit drei Jahren leitet sie die Personalabteilung der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, vor einem Jahr wurde sie außerdem zur Beauftragten des Arbeitgebers ernannt. "Das bot sich einfach an, ich bin im Thema drin", erzählt sie. Die Gesundheit, die Motivation und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten – das waren schon immer ihre Themen. "Und was auch wichtig ist: Ein guter Kontakt zum Vorstand", sagt die 44-Jährige. Der muss sich bei der Einhaltung seiner gesetzlichen Pflichten gegenüber schwerbehinderten Menschen – etwa bei Einstellungen – ganz auf sie verlassen können.

Expertin in Rechtsfragen Als Beauftragte des Arbeitgebers ist sie nicht nur die Expertin des Arbeitgebers in Fragen des Schwerbehindertenrechts, sie ist auch Teil des Integrationsteams und hat Kontakt zum LWV Hessen Integrationsamt. Silvia Traute sitzt immer mit am Tisch, wenn es um Entscheidungen über die Angelegenheiten schwerbehinderter Angestellter geht. "Ich vertrete bei Gesprächen vorrangig die Position des Arbeitgebers, die Schwerbehindertenvertretung vertritt vorrangig die der Arbeitnehmer", erklärt sie. So behält die Betriebswirtin beispielsweise die Kosten im Blick, wenn es um die Umrüstung von Arbeitsplätzen geht, und erarbeitet mit der Schwerbehindertenvertretung optimale Lösungen.

Stefanie Hirschberg an ihrem Arbeitsplatz, (c) Paul Esser
Stefanie Hirschberg stellt Anträge beim Integrationsamt, (c) Paul Esser
Teilhabe verbessern
Auch Stefanie Hirschberg ist Personalleiterin, auch sie wurde zur Beauftragten des Arbeitgebers ernannt – allerdings schon vor fünf Jahren. Die 34-Jährige arbeitet für das Rohrbau-Unternehmen Bilfinger Scheven GmbH in Erkrath nahe Düsseldorf. 213 Mitarbeiter hat das Unternehmen, die Beschäftigungsquote liegt bei acht Prozent. "Das ist extrem viel für ein Unternehmen im Baubereich und spiegelt wider, wie wichtig uns Integration ist", sagt Stefanie Hirschberg.

Ihren ersten großen Einsatz als Beauftragte des Arbeitgebers hatte sie, als das Betriebliche Eingliederungsmanagement im Unternehmen eingeführt wurde. "Ich hatte da die Doppelfunktion als Personalleiterin und Beauftragte des Arbeitgebers", erklärt sie. In der Praxis sei ihre Arbeit als Arbeitgeberbeauftragte oft nur schwer von der der Schwerbehindertenvertretung abzugrenzen. "Wir haben alle das gemeinsame Ziel, die Teilhabe von schwerbehinderten Menschen zu verbessern", sagt sie.

Stefanie Hirschberg zusammen mit einer SBV vor Ort in einer Werkstatt, (c) Paul Esser
Arbeitgeberbeauftragte Stefanie Hirschberg (l.) und SBV Norbert Niehus informieren sich vor Ort, (c) Paul Esser
Fördergelder abrufen
Beispielhaft für ihre Arbeit erzählt Stefanie Hirschberg vom Fall eines Werkpoliers mit körperlichen Einschränkungen: "Ein hochspezialisierter Fachmann mit großem Know-how, auf den wir angewiesen sind. Erst recht vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels." Als Beauftragte des Arbeitgebers habe sie sich an das Integrationsamt beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) gewandt. Dort klärte sie, welche Hilfen möglich sind, und stellte die erforderlichen Anträge. Dazu ist sie als Beauftragte des Arbeitgebers bevollmächtigt. Wir haben dann umfangreiche Förderung durch das LVR-Integrationsamt erhalten", so Stefanie Hirschberg. Heute steht der Polier an einer höhenverstellbaren Werkbank und erhält bei der Arbeit personelle Unterstützung. "In unserer Branche ist es nicht selbstverständlich, dass jemand mit körperlicher Einschränkung weiterarbeiten kann", betont sie und hofft, dass der Polier bis zur Rente bleiben kann. Insgesamt seien im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements 58 Fälle erfolgreich abgeschlossen und Fördergelder in sechsstelliger Höhe genutzt worden.

Beratung durch das Integrationsamt Auch Silvia Traute von der Sparkasse ist Expertin für die verschiedenen Fördermöglichkeiten und unter welchen Voraussetzungen sie bei wem beantragt werden können. Das hilft nicht nur ihrem Vorstand, auch die Belegschaft greift gerne auf dieses Wissen zurück: "Ich nehme als Beauftragte des Arbeitgebers an den Schwerbehindertenversammlungen teil. Da berichte ich über die Erfahrungen aus Arbeitgebersicht." Oder sie berichtet dort von den Erfahrungen beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Bei Unklarheiten zieht sie das Sozialgesetzbuch zu Rate, greift gerne auf die langjährige Erfahrung der Schwerbehindertenvertretung zurück oder bespricht sich mit dem Betriebsarzt. Gute Erfahrung hat sie auch mit der Beratung durch das LWV Hessen Integrationsamt gemacht. „Ziel aller Parteien in unserem Betrieb ist immer, die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter wieder herzustellen“, erzählt sie. Manchmal reiche dafür ein höhenverstellbarer Schreibtisch, manchmal sei die Lösung ein Minderleistungszuschuss oder – als letzter Weg – die Umsetzung auf einen anderen Arbeitsplatz. "Der Vorstand ist sehr sozial eingestellt, das erleichtert mir die Arbeit ungemein", sagt Silvia Traute.

Unternehmen profitiert Der reibungslose Ablauf hängt nach ihrer Einschätzung auch mit der Größe des Unternehmens zusammen: 916 Mitarbeiter hat die Sparkasse im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. "Da ist es leichter, Lösungen für schwerbehinderte Mitarbeiter zu finden", sagt sie. Machtkämpfe zwischen Arbeitgeber und Schwerbehindertenvertretung kennt sie aber aus anderen Unternehmen. "Da kann der Beauftragte des Arbeitgebers schnell mal zwischen die Stühle geraten“, glaubt Silvia Traute. Dabei teilt sie mit Stefanie Hirschberg die Überzeugung, dass es nur Vorteile hat, sich mit dem Thema schwerbehinderte Beschäftigte zu befassen und in Person des Arbeitgeberbeauftragten einen Experten zu bestimmen. "Das Unternehmen profitiert durch zufriedene, leistungsbereite Arbeitnehmer", sagt Stefanie Hirschberg.


STATEMENT

Porträt von Thomas Ernst, (c) Implico
Thomas Ernst, (c) Implico
"Für uns ist es extrem wichtig, die Arbeitskraft unserer Mitarbeiter zu erhalten – außerdem fühlen wir uns für sie sozial verantwortlich. Um unseren eigenen Anspruch zu erfüllen, haben wir eine Arbeitgeberbeauftragte berufen. Diese sichert den schnellen Dialog zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern. Damit hat die Arbeitgeberbeauftragte eine sehr wichtige Aufgabe."

Thomas Ernst, Geschäftsführer des Softwareunternehmens Implico GmbH mit Sitz in Hamburg

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.