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Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher

Schule trifft Arbeitswelt (3)

Das Praktikum ist geschafft!

Vor den Osterferien haben Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher von der Anna-Freud-Schule in Köln ein Praktikum bei Kaufhof absolviert. Dabei konnten sie erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln.

Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher ZB 2/2007

Schule trifft Arbeitswelt (3)

Das Praktikum ist geschafft!

Vor den Osterferien haben Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher von der Anna-Freud-Schule in Köln ein Praktikum bei Kaufhof absolviert. Dabei konnten sie erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln.

Was bisher geschah ...

Im Rahmen ihrer Lernpartnerschaft haben die Anna-Freud-Schule in Köln und die Kaufhof Warenhaus AG in den vergangenen Monaten vier Schülerinnen und Schüler auf ein Betriebspraktikum vorbereitet. Unter ihnen sind Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher. Die beiden Neuntklässler werden die „Rheinische Förderschule für Körperbehinderte mit Realschule und gymnasialer Oberstufe“ im nächsten Jahr mit der Fachoberschulreife, einem mittleren Bildungsabschluss, verlassen.Wie im Projektplan vorgesehen, verbrachten die Jugendlichen einzelne Schnuppertage in den Kaufhof-Filialen, um sich mit ihrem späteren Praktikumsplatz vertraut zu machen .

Vorbereitung des Praktikums
... mögliche Stolpersteine beseitigen


„Nach den Schnuppertagen konnte ich es kaum erwarten, ins Praktikum zu gehen“, so Alexander Szabados. Der 17- jährige Schüler erinnert sich gerne an die Schnuppertage in der Sportabteilung der Kölner Galeria Kaufhof- Filiale Hohe Straße. „Ich konnte mich überall umsehen und den Mitarbeitern über die Schulter schauen“. Seine Schulkameradin Katharina Aßenmacher besuchte an insgesamt drei Schnuppertagen die Spielwarenabteilung der Galeria Kaufhof- Filiale in Leverkusen. „Am Anfang war es schon ein bisschen verwirrend: die vielen unterschiedlichen Verkaufsbereiche, die Geräuschkulisse und das Gewusel der Kunden ...“ Die Schülerin war froh, sich daran allmählich gewöhnen zu können.

„Wir haben natürlich mit den Schülern und den Ansprechpartnern im Betrieb über ihre ersten Eindrücke gesprochen. Schließlich ging es auch darum, mögliche Probleme im Vorfeld auszuschalten“, erklärt Gabriele Elias-Prohl, Lehrerin und Berufswahlkoordinatorin an der Anna-Freud-Schule. Bei Katharina Aßenmacher stellte sich zum Beispiel die Frage, wie sie mit ihrer Hörbehinderung im Betrieb zurechtkommen würde.

Umgang mit der Behinderung
... lernen, auf was zu achten ist


Wie sollte sich die Schülerin zum Beispiel verhalten, wenn ein Kunde sie von hinten anspricht und dann ärgerlich wird, weil sie nicht reagiert? Mit Unterstützung ihrer Ansprechpartner bei Kaufhof fand Katharina einen Weg: „Ich würde mich dann freundlich entschuldigen und erklären, warum ich ihn nicht hören konnte, aber dass ich ihm jetzt gerne weiterhelfe.“

Bei Alexander Szabados können unter Stress Störungen der Feinmotorik und Schwierigkeiten mit der räumlichen Orientierung auftreten. Auch schwere körperliche Arbeit sollte der Schüler vermeiden. Gemeinsam überlegten Alexander, seine Lehrerin und die Abteilungsleiterassistentin Ina Corte, die während des Praktikums seine Ansprechpartnerin war: In welchen Situationen wird es für Alexander schwierig und wie können er und der Betrieb damit umgehen? Eine Lösung zur Vermeidung von Stress war zum Beispiel: Nicht zu viele Anweisungen auf einmal geben! „Es war auch klar, dass schwierige Bewegungsabläufe, wie das professionelle Zusammenlegen eines Kleidungsstückes, etwas mehr Übung erfordern“, so Ina Corte.

Praktikumszeit
... in die Arbeitswelt eintauchen


Im März 2007, drei Wochen vor den Osterferien, begann das Schülerpraktikum. „ Als ich mir morgens das Kaufhof- Namensschild ansteckte, war ich total gespannt, was ich in den kommenden drei Wochen erleben werde!“ Katharina Aßenmacher hatte zwar vom Betrieb schon einen allgemeinen Praktikumsleitfaden bekommen, in dem die Aufgaben und Lerninhalte für Praktikanten beschrieben waren. Aber unter manchen Bezeichnungen konnte sich die 15-Jährige wenig vorstellen: Warenauszeichnung, Vorbereitung von Sonderaktionen, Aufbau von Kundenkontakten … Am Ende hatte sie noch ganz andere Dinge gelernt: zum Beispiel einen langen Arbeitstag durchzuhalten, Teil eines Mitarbeiterteams zu sein und auch solche Aufgaben zuverlässig zu erledigen, die nicht so interessant sind.

Mit seinen Kollegen verstand sich Alexander Szabados auf Anhieb gut. Sie erklärten ihm ihre Arbeit in den verschiedenen Bereichen der Sportabteilung und freuten sich über tatkräftige Unterstützung,zum Beispiel beim Sortieren von Kleidungsstücken, bei einfachen Reparaturen von Sportgeräten oder beim Einpacken der Ware an der Kasse. Mittags in der Kantine hatten sie endlich Zeit, sich ausgiebig zu unterhalten. Dabei war die Neugier auf beiden Seiten groß ...

Feedbackgespräch
... oder: Wie ist es gelaufen?


Schon wenige Tage nach dem Praktikum fanden die „Feedbackgespräche“ in der Personalabteilung statt. Dazu eingeladen war neben den Schülern auch die zuständige Lehrerin. „Alexander hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Er war aufgeschlossen,konnte gut mit den Kunden umgehen und packte auch von sich aus mit an“, lobte Ulrike Gödde, Mitarbeiterin im Bereich „Training und Beratung“ bei Kaufhof. „Wir haben selten einen Praktikanten erlebt, der so motiviert war.“ Alexander wurde daher empfohlen, sich im Herbst um einen Ausbildungsplatz bei Kaufhof zu bewerben und am Einstellungstest teilzunehmen. „Der Job liegt mir einfach. Jetzt muss ich nur noch meine Mathe-Note verbessern!“ Der 17-Jährige weiß, dass Kaufhof von seinen zukünftigen Auszubildenden gute schulische Leistungen erwartet. „Noch bleiben uns einige Monate Zeit, um Alexanders Schwächen in Mathematik intensiv anzugehen,“ so Gabriele Elias-Prohl.

Obwohl auch Katharina Aßenmacher ihre Sache gut gemacht hat, zeigte das Praktikum, dass der Beruf der Einzelhandelskauffrau nicht optimal zu ihr passt. Die Schülerin erinnert sich: „Es war mir nicht immer klar, was von mir erwartet wird. In der Schule sagt dir immer jemand, was zu tun ist.“ Auch das viele Gehen und lange Stehen – typisch für den Beruf der Verkäuferin – war für die Schülerin anstrengender als gedacht. „Natürlich war Katharina anfangs etwas enttäuscht,“ so Gabriele Elias-Prohl. „Ich versuchte ihr aber zu erklären, dass auch solche Erfahrungen wichtige Wegweiser sein können, um den geeigneten Beruf für sich zu finden.“

ZB 2/2007

„Das Praktikum hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich abends ganz schön müde war. Mit den Mitarbeitern verstand ich mich auf Anhieb gut. Es freut mich, dass ich eine Hilfe für sie war.“
> Alexander Szabados (17), 9. Klasse der Anna-Freud- Schule

„In der Arbeitswelt können unsere Schüler ihre Fähigkeiten und ihre berufliche Eignung selbst erproben. Dabei entdecken sie oft unerwartete Stärken. Sie werden motiviert, an ihren Schwächen zu arbeiten und mit Enttäuschungen umzugehen.“
> Gabriele Elias-Prohl, Lehrerin und Berufswahlkoordinatorin an der Anna-Freud-Schule

„Schade, dass es mit einer Ausbildung bei Kaufhof erst einmal nicht klappt. Aber ich weiß jetzt eher, in welche Richtung ich beruflich gehen möchte. Vielleicht mache ich später eine kaufmännische Ausbildung an einer Handelsschule.“
> Katharina Aßenmacher (15), 9. Klasse der Anna-Freud- Schule

„Es war gut, dass wir das Praktikum zusammen mit der Schule vorbereitet haben. Am Anfang waren wir noch etwas unsicher wegen der Behinderung. Aber das war schnell kein Thema mehr. Ich wünsche Alexander viel Glück für die Bewerbung!“
> Ulrike Gödde, Abteilung „Training und Beratung“ bei der Kaufhof Warenhaus AG in Köln




Teil 1 und 2 der Serie
... sind erschienen in der ZB 4/2006 und 1/2007. Nachzulesen auch im Internet unter: www.integrationsaemter.de

WIE ES WEITER GEHT … In der 4. Folge: Das erste Jahr der Lernpartnerschaft im Rückblick. Die Beteiligten ziehen ein Fazit.

 

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