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Behinderung
&
Beruf

Karla Schopmans und ihre Arbeitsassistenz

ZB 2/2008

Sensibilität ist ihre Stärke

Karla Schopmans betreut als Sozialarbeiterin psychisch kranke Menschen – und das bereits seit 15 Jahren. Dabei wird die blinde Frau von einer Arbeitsassistenz unterstützt.

Kann eine blinde junge Frau den anspruchsvollenJob einer Sozialarbeiterin
bewältigen? Noch dazu, wenn sie viel unterwegs ist und mit einer so
„schwierigen“ Klientel wie psychisch kranken Menschen arbeitet? Seit 15
Jahren ist Karla Schopmans jetzt dabei. Aber schon während ihres achtwöchigen Praktikums, das sie beim Ludwig-Noll-Verein für psychosoziale Hilfe in Kassel geleistet hat, konnte sie ihren späteren Arbeitgeber überzeugen.

Studium der Sozialarbeit

Karla Schopmansist mit einem Glaukom (Grüner Star) auf die Welt gekommen. Kennzeichnend für diese Erkrankung ist ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv dauerhaft schädigt. Nach dem Abitur an der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg studierte die heute 45-Jährige an der Fachhochschule in Esslingen bei Stuttgart Sozialarbeit. Ihre erste feste Arbeitsstelle bekam sie 1993 im PsychosozialenZentrum des Ludwig-Noll-Vereins in Kassel, wo sie heute noch tätig ist. Im Rahmen des Betreuten Wohnens kummert sie sich derzeit um zehn psychisch kranke Klienten. Auserdem leitet sie mit einer Kollegineine 14-tagige Gesprachsgruppe fur Angehorige. Zweimal in der Wochesind Betroffene zu einem offenen Kontaktangebot eingeladen: .Wir kochenund essen gemeinsam�g, erzahlt Karla Schopmans. Die Teilnehmer amBetreuten Wohnen werden zu Hause besucht. Durch "Beziehungsarbeit�"also im Wesentlichen Gespräche, versucht die Sozialarbeiterin sie bei derBewaltigung ihres Alltags zu unterstutzen, um Krisen und Klinikaufenthaltezu vermeiden.

Hausbesuche bei psychisch Kranken

Ihre Assistenzkraft Thomas Ott ist immer dabei. Finanziert wird die Arbeitsassistenz vom Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen in Kassel. "Thomas ist eine wichtige Hilfe fur mich. Er kann mir zum Beispiel den Zustand einer Wohnung beschreiben. Und beim Kochen mit der
Gruppe hilft er mir, den Uberblick zu behalten.�" Die Klienten kommen mit
seiner Anwesenheit gut zurecht. Auch die Reaktionen auf ihre Behinderung
sind uberwiegend positiv. Als blinde Frau hat Karla Schopmans wie ihre
psychisch kranken Klienten selbst Diskriminierung erlebt. Das schafft Verbundenheit. Nicht zuletzt hat sie durch ihr fehlendes Augenlicht eine
besondere Sensibilitat entwickelt. So nimmt sie Befindlichkeiten wahr, die
ein sehender Berufskollege, abgelenkt durch Auserlichkeiten, vielleicht ubersieht. "Die Einschrankungen und die Fahigkeiten, die ich durch meine Behinderung entwickelt habe, gleichen sich aus�", urteilt Karla Shopmans."Ich
denke, ich mache einen ganz guten Job.�"

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.