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Behinderung
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Beruf

Beate Zebski an ihrem Büroarbeitsplatz ZB 2/2010

"Ein völlig normales Arbeitsverhältnis"

Beate Zebski arbeitet beim KVJS-Integrationsamt in Stuttgart. Dort fällt sie nicht mehr mit ihrer Körpergröße von 124 Zentimetern auf, sondern mit der souveränen Art, wie sie ihren Berufsalltag meistert.


Jeden Morgen fährt Beate Zebski mit der Straßenbahn in Stuttgart zur Arbeit. Manchmal kommt es vor, dass ihr ein Fahrgast gegenüber sitzt, der sie unentwegt und unverhohlen anstarrt. „Das nervt“, entfährt es der kleinwüchsigen Frau, die ansonsten eher gelassen auf Provokationen reagiert. Beate Zebski ist betroffen von einer Wachstumsstörung, bei der „nur“ Arme und Beine verkürzt sind und die als Achondroplasie bezeichnet wird.

Alltag mit Hindernissen

Für kleinwüchsige Menschen ist der Alltag mit vielen Hindernissen gespickt, etwa am Fahrkartenautomaten. „Wenn ich mit der EC-Karte zahle, muss ich zum Eingeben der Geheimnummer meinen Arm über den Kopf strecken. Für den, der hinter mir steht, ist es ein Leichtes, die Nummer zu erspähen.“ Also wartet sie lieber bis sich die Warteschlange aufgelöst hat. Beate Zebski hat gelernt, sich zu helfen. Die 33-Jährige ist zwar klein, kann ansonsten aber „fast alles machen“. Die Suche nach einer Arbeitsstelle hat sie vor zwei Jahren in die schwäbische Metropole geführt, wo sie zunächst als Krankheitsvertretung beim Südwest-Rundfunk beschäftigt war. Dann bewarb sie sich im Integrationsamt beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) in Stuttgart, wo eine Assistenzstelle im Referat „Beschäftigung“ frei geworden war. Beate Zebski hat eine Ausbildung als Justizangestellte an einem Amtsgericht abgeschlossen. „Für die Einstellung war die fachliche Eignung von Frau Zebski ausschlaggebend“, sagt ihr Chef, Referatsleiter Bernhard Pflaum.

Dank Hilfsmitteln selbstständig

In Beate Zebskis Büro steht ein Schreibtisch, dessen Höhe und Neigungswinkel sich auf Knopfdruck einstellen lassen. Der Stuhl hat im Gegensatz zu handelsüblichen Büro stühlen eine kürzere Sitzfläche und Fußstützen: „Sonst tut mir das Kreuz weh und die Füße schlafen ein.“ Will die Verwaltungsassistentin Unterlagen in den hohen Aktenschränken ablegen oder von dort herausgreifen, schiebt sie eine fahrbare Stehleiter an den Schrank, auf der sie sicher und bequem stehen kann. Bei der behinderungsgerechten Ausstattung ihres Arbeitsplatzes hat Beate Zebski mitgewirkt. Dank dieser Hilfsmittel kann sie ihre Arbeit selbstständig erledigen. Die Hilfe ihrer Kollegen braucht sie höchstens, um ein gekipptes Fenster zu schließen.

Eine Frage der Einstellung

Bernhard Pflaum gibt zu, dass er anfangs unsicher gewesen sei, wie er sich gegenüber der kleinwüchsigen Mitarbeiterin verhalten soll: „Durch den Größenunterschied muss ich beim Gespräch zwangsläufig auf sie herabsehen. Dabei fühlte ich mich etwas unbehaglich.“ Doch weil Beate Zebski selbst unbefangen und souverän mit ihrer Behinderung umgeht, haben sich alle schnell an die neue Situation gewöhnt.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.