Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 2/2011

Wissen, was zu tun ist

Kerstin Arlt* erinnert sich noch genau an ihre Reaktion, als der Arzt ihr 1989 mitteilt, dass sie soeben einen epileptischen Anfall erlitten hatte. Sie erschrickt und denkt: „Das sind doch die Leute, die ständig umfallen.“ Aber der Mediziner beruhigt, es könne sich um ein einmaliges Ereignis handeln, ausgelöst durch Stress.

Einige Jahre später kommt der nächste Anfall. Kerstin Arlt wird bewusstlos, krampft und stürzt zu Boden. Danach bekommt sie ein Medikament und hat lange Zeit Ruhe. Inzwischen ist Kerstin Arlt am Landgericht Zwickau in der Geschäftsleitung tätig. Als 1999 ihr zweites Kind auf die Welt kommt und sie stillen möchte, darf sie die Tabletten absetzen. Fünf Jahre hält der anfallsfreie Zustand an und fast scheint es, als sei die Krankheit überwunden. Da erleidet sie 2004 erneut einen Anfall. Es sollte nicht der letzte bleiben, trotz neuer Tabletteneinstellung. Manchmal – denkt sie heute – wären die Anfälle vermeidbar gewesen, hätte sie auf ihr Körpergefühl gehört und sich rechtzeitig an einen ruhigen Ort zurückgezogen.

Ihre Kollegen sind stark verunsichert, geraten bei einem Anfall in große Aufregung und rufen zur Sicherheit stets den Notarzt. Während eines stationären Aufenthalts im Sächsischen Epilepsie-Zentrum Kleinwachau in Radeberg, lernt die Beamtin eine Epilepsie-Beraterin kennen, die Seminare gibt und auf Wunsch auch in Betriebe kommt. Im Fall von Kerstin Arlt übernimmt das Integrationsamt beim Kommunalen Sozialverband Sachsen die Fahrtkosten für den Besuch der Fachfrau am Landgericht Zwickau.

Nach dem Kollegenseminar wissen nun alle in Kerstin Arlts Abteilung Bescheid. Sie haben gelernt, die Gefahren eines Anfalls richtig einzuschätzen und wissen, wie sie sich verhalten müssen: Während des wenige Minuten dauernden Anfalls bleiben sie bei Kerstin Arlt und passen auf, dass sie sich nicht weh tut oder gar verletzt. Danach verständigen die Kollegen ihren Mann, der die Erschöpfte abholt, damit sie sich zu Hause ausruhen kann, bevor sie am nächsten Tag wieder ganz normal zur Arbeit geht.

(* Name von der Redaktion geändert)

 

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.