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Behinderung
&
Beruf

ZB 2-2014

Beispiel Angststörung

Den inneren Antreiber bändigen

Bettina Feichtgruber kehrte nach einer schweren psychischen Krise zurück an ihren Arbeitsplatz. Sie hat gelernt, mit ihren Ängsten umzugehen.

Bettina Feichtgruber mit einem Kollegen an ihrem Arbeitsplatz, (c) Werner Bachmeier
Bettina Feichtgruber hat ihr seelisches Gleichgewicht wiedergefunden, (c) Werner Bachmeier
"Schon in den Monaten vor dem Zusammenbruch litt ich unter Panikattacken", erinnert sich Bettina Feichtgruber. "Das Büro, in dem ich mit drei Kollegen die Patientenakten des Klinikums Mühldorf am Inn bearbeitete, fühlte sich immer beengter an. Als eine weitere Kollegin hinzukam und meine Arbeitsroutine verändert wurde, war das zu viel für mich." Die 33-jährige gelernte Industriekauffrau ließ sich auf eigenen Wunsch vier Wochen stationär in einer psychiatrischen Klinik behandeln.

Balance finden
Der Sozialdienst der psychiatrischen Klinik schaltete den Integrationsfachdienst (IFD) in Altötting ein, um die junge Frau bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz zu unterstützen. Seit einer Unterschenkelamputation ist Bettina Feichtgruber schwerbehindert. Die Begleitung wurde deshalb über das Integrationsamt des Zentrums Bayern Familie und Soziales finanziert. IFD-Berater Klaus Schultze, ausgebildeter Pädagoge, sprach mit der Klientin über ihren "wunden Punkt": "Bettina Feichtgruber will viel – zu viel – leisten, fühlte sich dabei aber von den Kollegen ausgebremst. Mal kurz eine Pause machen war für sie undenkbar". Der IFD-Berater ist kein Therapeut, handelt aber in enger Absprache mit dem Arzt und Therapeuten seiner Klientin. Sein Auftrag lautet "Hilfe zur Selbsthilfe".

Missverständnisse klären
Klaus Schultze zeigte der jungen Frau, wie sie ihren Arbeitsalltag besser strukturiert, kleine Pausen einplant – und das Verhältnis zu den Kollegen entspannt. "Vor dem Klinikaufenthalt habe ich alles, was mich störte, für alle sichtbar in meinem Notizbuch festgehalten. Die Kollegen fühlten sich dadurch provoziert, für mich war es nur der Versuch, mit meiner inneren Anspannung umzugehen, sagt Bettina Feichtgruber. Der IFD-Berater war bei der Aussprache mit den Kollegen dabei. Beide Seiten schilderten ihre Sicht der Dinge, die Missverständnisse wurden ausgeräumt.

Klaus Schultze im Gespräch mit Bettina Feichtgruber, (c) Werner Bachmeier
Hilfe zur Selbsthilfe ist die Aufgabe von IFD-Berater Klaus Schultze (l.), (c) Werner Bachmeier
Raum schaffen
Und auch für die gefühlte Enge im Büro, die Bettina Feichtgruber so belastet hatte, fand sich eine Lösung. Heute arbeitet die voll berufstätige Mutter zeitweise in einem Archivraum, wo sie ganz ungestört ist und innerlich „Luft holen“ kann. Ein halbes Jahr nach ihrer Rückkehr ist die Situation so stabil, dass Klaus Schultze seine Klientin verabschieden kann. Im Notfall – das weiß sie – ist seine Hilfe nur einen Anruf entfernt.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.