Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 2-2014

Beispiel Bipolare Störung

Eine gesunde Mitte finden

Seit 17 Jahren kann sich Anne Schmidt auf die Unterstützung des Integrationsfachdienstes verlassen: Ein Sicherheitsnetz im Beruf, das sie immer seltener braucht.

Eine Frau im Gespräch mit anderen Betroffenen Menschen, (c) iStock/vm
Kraft sammeln: im Gespräch mit anderen Betroffenen, (c) iStock/vm

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: In diesen Extremen bewegen sich Menschen mit einer bipolaren Störung – früher auch manisch-depressive Erkrankung genannt. Eine Manie hat Anne Schmidt erst einmal durchlebt. Sie kennt vor allem die andere Seite, Depression und Angst. Mit Hilfe von Medikamenten kann sie seit Langem ein fast "normales" Leben führen. Als sie einmal die Tabletten absetzte, folgte ein Absturz, den sie so nicht erwartet hatte. Anne Schmidt verlor nicht nur ihr seelisches Gleichgewicht, sondern auch ihren Arbeitsplatz. In dieser schwierigen Situation wandte sie sich 1997 erstmals hilfesuchend an den Berufsbegleitenden Dienst, den Vorgänger des Integrationsfachdienstes (IFD).

Hilfe annehmen
Auf Anraten des Berufsbegleitenden Dienstes beantragte Anne Schmidt schon früh einen Schwerbehindertenausweis. Sie erfuhr, dass sie und ihr zukünftiger Arbeitgeber nur so eine besondere Förderung erhalten können. Mit einer Investitionshilfe für die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes und einem Lohnkostenzuschuss für die ersten drei Jahre ebnete das Integrationsamt beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg ihren Weg zurück in den Beruf: Seit 2001 arbeitet sie als Bürokraft in einem Telekommunikationsunternehmen.

Bewältigungsstrategien finden
"Angst ist das, womit Anne Schmidt heute noch am meisten zu kämpfen hat", sagt Carola Bach, Sozialpädagogin beim IFD in Karlsruhe. Veränderungen und Druck jeglicher Art verstärken die Angst, die sensible Mitarbeiterin hat dann auch Schwierigkeiten, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. "Ich habe mit ihr Strategien erarbeitet, wie sie besser mit Stress umgeht, ebenso mit Konflikten, die sie schnell persönlich nahm", beschreibt Carola Bach die Fortschritte ihre Klientin. In ihrem Team ist Anne Schmidt gut integriert. Die direkten Kollegen wissen über ihre Erkrankung Bescheid.

Kraft sammeln
Drei Tage pro Woche bearbeitet Anne Schmidt Personaldaten und Abrechnungen: "An den beiden freien Tagen kann ich mich erholen". Kraft sammelt sie auch in einer Gesprächsgruppe für psychisch behinderte Menschen beim IFD. Die Themen kommen direkt aus dem Arbeitsalltag: Mal geht es um Erfahrungen mit Medikamenten, mal um Smalltalk oder Arbeitsorganisation. Anne Schmidt ist selbstbewusster geworden: "Der IFD hat mir immer wieder Mut gemacht, und so habe ich nicht aufgegeben".

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012
2011 2010 2009 2008
2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.