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ZB 2-2014

Ausbildung Betrieblicher Ansprechpartner

Erste Anlaufstelle in der Krise

Bei psychischen Erkrankungen schnell und richtig handeln: In Westfalen gibt es eine spezielle Ausbildung für betriebliche Ansprechpartner.

Reinhold Heeringa und seine Kollegin Katja Plettenberg-Schrapper überreichen das Abschluss-Zertifikat an Anja Nehring, (c) LWL
Reinhold Heeringa, seine Kollegin Katja Plettenberg-Schrapper und die Absolventin Anja Nehring, (c) LWL
Seit 1997 bildet Reinhold Heeringa im Auftrag des LWL-Integrationsamtes Westfalen "betriebliche Ansprechpersonen für psychisch behinderte Menschen" aus. Der Mitarbeiter des LWL-Präventionsfachdienstes Sucht und Psyche der Bernhard-Salzmann-Klinik in Gütersloh erklärt die Idee hinter diesem bundesweit einmaligen Angebot: "Externe Hilfe kann viel besser greifen, wenn die Beschäftigten einen festen Ansprechpartner im Betrieb haben, der sich mit psychischen Erkrankungen auskennt. Diese Kompetenz müssen Sie aber erst einmal aufbauen". Bisher haben fast 180 Frauen und Männer die Ausbildung abgeschlossen. In der Mehrzahl sind es Mitarbeiter betrieblicher Sozialdienste, Schwerbehindertenvertretungen sowie Betriebs- und Personalräte. An fünf zweitägigen Seminarterminen und fünf eintägigen Praxisgruppen bekommen die Teilnehmer einen Einblick in die Grundlagen psychischer Erkrankungen. Sie lernen die häufigsten Krankmacher am Arbeitsplatz kennen und erfahren, wie sie in konkreten Fällen geeignete Lösungswege aufzeigen können. Ein möglicher Ausweg kann vom einfachen Gespräch mit dem Vorgesetzen bis zur Kontaktaufnahme mit psychosozialen Einrichtungen in der Region eigentlich alles sein – eine Pauschallösung gibt es nicht. "Die betriebliche Ansprechperson ersetzt nicht den Therapeuten", stellt Reinhold Heeringa klar, "damit würde sie ihre Kompetenzen und ihren Verantwortungsbereich eindeutig überschreiten. Sie ist vielmehr Bindeglied zwischen Betrieb und den Institutionen, die ihre Hilfe anbieten". Psychische Konflikte haben die Angewohnheit sich zuzuspitzen, wenn nicht frühzeitig eingegriffen wird – irgendwann ist es dann für Hilfe von außen zu spät, im schlimmsten Fall droht die Kündigung. Die betriebliche Ansprechperson für psychisch behinderte Menschen trägt entscheidend dazu bei, dass es gar nicht erst soweit kommt.

WEITERE INFORMATIONEN

Kurs vor Ort

Vorgesetzte und Kollegen sind vielfach die Ersten, die Veränderungen wahrnehmen. Doch sind sie im Umgang mit psychisch auffälligen Mitarbeitern häufig unsicher und überfordert. Betriebs- oder Personalräte sowie Schwerbehindertenvertretungen werden oftmals frühzeitig ins Vertrauen gezogen.

Gemeinsam steht man vor der Frage: Was ist jetzt zu  tun? Die Integrationsämter vermitteln das notwendige Wissen. In den meist eintägigen Veranstaltungen lernen die Teilnehmer, beobachtbares Verhalten besser zu verstehen, im Umgang mit (vermuteten) psychischen Erkrankungen sicherer zu werden, Probleme anzusprechen und externe Unterstützung hinzuziehen. Kursprogramme unter: www.integrationsaemter.de/kurs-vor-ort

 

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.