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Beruf

ZB 2-2016

Praxisbeispiel BEM

Gut aufgeklärt

In Westfalen verzeichnet die Eternit AG seit Einführung einer BEM-Vereinbarung messbare Erfolge: Die Mitarbeiter stehen dem Verfahren heute positiv gegenüber, Langzeiterkrankte werden besser wieder integriert.

Das BEM-Team der Eternit AG: Christina Wille, Ralf Högemann und Martin Holtz, (c) Oliver Krato
Das erfolgreiche BEM-Team: Christina Wille, Ralf Högemann und Martin Holtz (v. li.), (c) Oliver Krato
Wenn Ralf Högemann vom Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) spricht, ist der Stolz nicht zu überhören: "Wir haben ein Verständnis für Einschränkungen von Mitarbeitern geschaffen und das Betriebsklima verbessert. Vor allem für Langzeiterkrankte konnten wir gute Lösungen erarbeiten und die Quote deutlich senken", sagt er. Ralf Högemann ist Betriebsratsvorsitzender und Mitglied des BEM-Teams der Eternit AG in Beckum. Das Unternehmen ist in Deutschland an drei Standorten vertreten, in Beckum werden hauptsächlich Faserzementplatten für energieeffiziente Gebäudehüllen produziert. 463 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, viele in der Produktion. Die Schwerbehindertenquote liegt bei 11,9 Prozent.

Ängste bei den Mitarbeitern Prävention hat im Unternehmen einen zentralen Stellenwert und das spiegelt sich im Umgang mit dem Eingliederungsmanagement deutlich wider: Vor zwei Jahren wurde am Standort Beckum eine Vereinbarung zur Einführung des BEM abgeschlossen. Federführend war dabei das BEM-Team, dem neben Ralf Högemann noch der Schwerbehindertenvertreter Martin Holtz und als BEM-Koordinatorin Christina Wille, Referentin der Personalabteilung, angehören. Bei Bedarf wird der Betriebsarzt hinzugezogen. "BEM gab es bei uns natürlich schon vorher", erzählt Martin Holtz. "Damals wurde es aber von wechselnden Personen umgesetzt und hat häufig nichts an der Situation für die Beschäftigten geändert." Von vielen Mitarbeitern wurde das Verfahren kritisch beäugt, sie hatten Angst, dass Informationen über Einschränkungen sich negativ auf das Arbeitsverhältnis auswirken könnten.

Das BEM-Team der Eternit AG im Gespräch: Christina Wille, Ralf Högemann und Martin Holtz, (c) Oliver Krato
Durch Aufklärung schafft das BEM-Team Vertrauen, (c) Oliver Krato
Mitarbeiter und Arbeitgeber profitieren
Gerade in der Anfangszeit hat das BEM-Team deshalb viel Aufklärungsarbeit betrieben, um Vertrauen zu schaffen. So hat das Team bei einer Betriebsversammlung über die Einführung eines BEM informiert. Zudem wurde ein Flyer entwickelt. Diesen erhalten die Mitarbeiter, wenn ihnen ein BEM-Verfahren angeboten wird. Das Team hat einen eigenen Raum, in dem die Gespräche geführt werden und in dem unter Verschluss die BEM-Akten aufbewahrt werden. Im Erstgespräch wird vorrangig über den Ablauf und die Ziele des Verfahrens gesprochen. "Zentral ist die Botschaft, dass Mitarbeiter und Arbeitgeber gleichermaßen vom BEM profitieren", sagt Martin Holtz.

Das besondere Engagement des BEM-Teams trägt inzwischen Früchte: "Die Haltung der Mitarbeiter zum BEM hat sich zum Positiven gewandelt. Viele Skeptiker konnten durch die Erfolge des BEM abgeholt werden", berichtet Christina Wille. Für ihr vorbildliches BEM hat der Beratende Ausschuss beim LWLIntegrationsamt Westfalen die Eternit AG mit einer Prämie von 15.000 Euro ausgezeichnet.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Forschungsprojekt

Seit Oktober 2015 läuft das dreijährige Forschungsprojekt "Unterstützende Ressourcen für das Betriebliche Eingliederungsmanagement (RE-BEM)". Das DGB-Bildungswerk in Hamburg will damit Betrieben unterschiedlicher Größe Handlungsempfehlungen für die Einführung eines BEM geben. Erster Baustein ist eine Online-Befragung, die noch bis Ende Juli 2016 dauert.

Mehr unter: www.re-bem.de

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.