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Behinderung
&
Beruf

ZB 2-2017

Fallbeispiele

Kündigungsgründe und Lösungen für die Praxis

 

BEISPIEL: Häufige Krankschreibungen

  • Das Problem: Mitarbeiterin hält den körperlichen Anforderungen nicht stand
  • Die Lösung: Umsetzung auf einen ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz und Lohnkostenzuschuss

Beschäftigte steht vor einem Lagertank und dreht an der Stellschraube, (c) WavebreakMediaMicro/Foto
Langes Stehen verschlimmerte das Rückenleiden, (c) WavebreakMediaMicro/Fotolia.com
Bei einem Hersteller von Reinigungsprodukten mit nur 27 Mitarbeitern häufen sich seit drei Jahren die Fehlzeiten einer schwerbehinderten Mitarbeiterin. Die 50-Jährige ist bis zu 50 Tage pro Jahr krankgeschrieben, gleichzeitig wird sie den Anforderungen am Arbeitsplatz immer weniger gerecht. Als Maschinen-Bedienerin muss sie den ganzen Tag stehen, das bereitet ihr wegen eines Wirbelsäulenleidens aber große Probleme. Im Kündigungsschutzverfahren gelingt es den Fachleuten des Integrationsamtes, gemeinsam mit allen Beteiligten im Betrieb eine Lösung zu finden: Die Mitarbeiterin wird an einen Arbeitsplatz versetzt, an dem sie zwischen Sitzen und Stehen wechseln kann. Außerdem fördert das Integrationsamt die Anschaffung eines höhenverstellbaren Scherenhubwagens für den Arbeitsplatz und erstattet finanzielle Leistungen zum Ausgleich für behinderungsbedingte Einschränkungen der Arbeitsleistung. Seitdem hat die Mitarbeiterin keine nennenswerten Fehlzeiten mehr und ist deutlich leistungsfähiger.

 

BEISPIEL: Konflikte am Arbeitsplatz

  • Das Problem: Mitarbeiter mit Zwangsstörung leidet unter der räumlichen Situation
  • Die Lösung: Umleitung der Lauf- und Arbeitswege mit finanzieller Förderung

Spülhilfe stapelt Geschirr, (c) Esther Hildebrandt/Fotolia.com
Hier wurden buchstäblich Grenzen überschritten, (c) Esther Hildebrandt/Fotolia.com
Zwischen einem schwerbehinderten Mitarbeiter und seinen Kollegen in der Spülküche eines Gastronomie-Betriebes kommt es regelmäßig zu massiven Auseinandersetzungen. Der 22- jährige Mitarbeiter leidet unter einer Zwangsstörung. So ist es für ihn unerträglich, wenn Kollegen oder Außenstehende seinen Arbeitsbereich betreten. Diese "Grenzüberschreitung" bedeutet für ihn, die Kontrolle zu verlieren, was starke Ängste hervorruft. Dabei gerät er jedes Mal in große Aufregung und weigert sich weiterzuarbeiten. Nach erfolglosen Einigungsversuchen sieht sich der Arbeitgeber gezwungen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Während des vom Integrationsamt moderierten Kündigungsschutzverfahrens zeichnet sich eine Lösung ab: Durch eine geschickte Planung und den Umbau der Spülküche werden die Lauf- und Arbeitswege der Kollegen umgeleitet. Die Kosten trägt zur Hälfte das Integrationsamt. Der behinderte Mitarbeiter wird nun nicht mehr durch andere Personen gestört. Dadurch hat sich seine psychische Verfassung stabilisiert und er kann weiterhin in der Spülküche tätig sein.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.