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ZB 2-2018

Kompensierende Hilfen

Hören und Verstehen – aber anders

Neue Technologien eröffnen hörbehinderten Menschen immer bessere Hilfen, die das Verständigen erleichtern. Doch auch die ausgereifteste Technik kann die "klassischen" Kommunikationshelfer nicht ersetzen. Ein Überblick.

Gebärdensprachdolmetscherin in Aktion, (c) Tess-Relay-Dienste
Gebärdensprachdolmetscherin eines Bildtelefondienstes, (c) Tess-Relay-Dienste
Hörgeräteversorgung
Hörgeräte und ihr Zubehör zählen zu den klassischen medizinischen beziehungsweise technischen Hilfsmitteln. Wichtig ist dabei die Anpassung an den Nutzer. So kann es bis zu einem Jahr dauern, bis ein Hörgerät optimal eingestellt ist – hier sind eine gute Beratung und gegebenenfalls der Test mehrerer Fabrikate erforderlich.

FM-Technik Die sogenannte frequenzmodulierte Funksignaltechnik (FM-Technik) nützt besonders in Gruppengesprächen. Die Besprechungsteilnehmer sprechen dabei in Mikrofone der FM-Anlage, das jeweilige Audiosignal wird direkt an das Hörgerät übertragen.

Elektronische Hörhilfe Cochlea-Implantate (CI) wandeln Schall in elektronische Impulse um, die den Hörnerv im Innenohr ansprechen. Wird die aus einem Implantat im Kopf und einem oberhalb des Ohrs getragenen Abnehmer bestehende Hörhilfe bereits ab dem frühen Kindesalter eingesetzt, so erlangt das Kind einen Höreindruck, der sich zu einer sehr differenzierten Hörfähigkeit weiterentwickeln kann – dann ist sogar der natürliche Lautspracherwerb zum Teil möglich. Entscheidend ist hier also, wann das Implantat eingesetzt wird. Aber auch spätertaubte oder hochgradig schwerhörige Menschen können davon profitieren.

Gebärdensprachdolmetscher in Aktion, (c) Tess-Relay-Dienste
Gebärdensprachdolmetscher ermöglichen es hörbehinderten Menschen, mit Hörenden zu telefonieren, (c) Tess-Relay-Dienste
Spracherkennungssoftware
Software, die Sprache erkennt und in Schriftform ausgibt, entwickelt sich zwar immer weiter, steht aber für die Arbeitswelt noch nicht in erforderlicher Qualität zur Verfügung. Die Gefahr von Fehlerkennungen und -information wird gegenwärtig noch als zu hoch eingestuft. Ein Forschungsprojekt an der Universität Siegen entwickelt zurzeit einen Avatar (virtuelle Person), der Gebärdensprache in Schrift und umgekehrt übersetzen soll.

Gebärdensprach-/Schriftdolmetscher Die Gebärdensprachdolmetscher sind heute aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Ihr Einsatz richtet sich nach dem konkreten Bedarf eines hörbehinderten Beschäftigten. Er reicht von der regelmäßigen Präsenz eines Dolmetschers im Rahmen einer Arbeitsassistenz bis hin zum punktuellen Einsatz, etwa bei Einweisungen an Maschinen oder wichtigen Arbeitsbesprechungen. Für  lautsprachlich orientierte Menschen können überdies Schriftdolmetscher gesprochene Sprache verschriftlichen.

Bildtelefon- und Onlinedienste Über eine Chatverbindung rufen hörbehinderte Menschen einen Schrift- oder Gebärdensprachdolmetscher an. Er stellt eine Telefonverbindung zum gewünschten hörenden Gesprächspartner her und überträgt die Gesprächsinhalte von Schriftsprache in Lautsprache und umgekehrt oder in Gebärden und umgekehrt.

Porträt von Claudia Möller, (c) Paul Esser
(c) Paul Esser
"In Sitzungen und Besprechungen nutze ich eine FM-Anlage. Diese überträgt die Wortbeiträge der Teilnehmer von einem Mikrofon direkt auf meine beiden Hörgeräte. Ich telefoniere mit Bluetooth, dabei werden Anrufe direkt in die Hörgeräte übertragen. Wenn eine Vertrauensperson oder ein Kollege ein Anliegen hat, schreibt er das vorab per E-Mail, dann kann ich telefonieren. Im persönlichen Gespräch lese ich von den Lippen ab. Dabei nehme ich Gestik und Mimik als Verstärker."

Claudia Möller ist hochgradig schwerhörig und arbeitet bei der AXA Konzern AG in Düsseldorf. Dort engagiert sie sich auch als Gesamt- und Konzernschwerbehindertenvertretung.

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