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Beruf

ZB 2-2018

Praxisbeispiel

Ein Stück Normalität

Der gehörlose Dietmar Heßler arbeitet seit 25 Jahren in einem Metallbetrieb in Sachsen. Ein Telefondolmetschdienst machte ihn unabhängig von der Hilfe durch Kollegen.

Dietmar Heßler und Andreas Keil am Arbeitsplatz, (c) Wolfgang Schmidt
Dietmar Heßler ist CNC-Fachmann, (c) Wolfgang Schmidt
Ich würde mich selbst nicht als behindert bezeichnen", betont Dietmar Heßler, der mit drei Jahren ertaubt ist. "Denn ich kann meiner Arbeit nachgehen und meinen Alltag leben, so wie ich es möchte", ergänzt der heute 47-Jährige.

Weiterbildung ist Pflicht Seit 25 Jahren arbeitet er als CNC-Fachmann bei der K-Metall GmbH in Oelsnitz im Vogtland. Vom Computer aus steuert er Laserschneider, Schweißroboter und andere hochmoderne Werkzeugmaschinen. Am Ende der automatisierten Fertigungskette entstehen Roste, Entwässerungssysteme oder Zulieferteile. In seiner Branche ist es überlebenswichtig, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Regelmäßige Schulungen sind daher Pflicht – auch für Dietmar Heßler. Da er Gebärdensprachdolmetscher benötigt, um dem Unterricht folgen  zu können, werden die Kosten vom Integrationsamt beim Kommunalen Sozialverband Sachsen übernommen. Inzwischen ist Dietmar Heßler zum CNC-Programmierer aufgestiegen, was auch Firmenchef Sven Kölbel freut: "Wir schätzen seine Aufgeschlossenheit für neue Dinge und seine Bereitschaft sich weiterzubilden."

Dietmar Heßler und Andreas Keil in der Werkstatt, (c) Wolfgang Schmidt
(c) Wolfgang Schmidt
Hilfe beim Telefonieren
Mit seinen Kollegen im Betrieb kann sich Dietmar Heßler ohne Dolmetscher verständigen. Dabei kommt ihm zugute, dass er sich ein wenig  lautsprachlich äußern kann. Außerdem ist er darin geübt, die Worte seines Gegenübers vom Mund abzusehen. Gibt es dennoch Verständnisschwierigkeiten, werden die Worte aufgeschrieben. Einfache Sätze sind für den gehörlosen Mitarbeiter kein Problem. Mehr Mühe bereitet ihm die Schriftsprache, die er wie viele Gehörlose nicht sicher beherrscht. Für die Kommunikation nach außen war der gehörlose Mitarbeiter lange Zeit auf die Unterstützung seiner Kollegen angewiesen, vor allem beim Telefonieren. Zwar erhielt der Arbeitgeber als Ausgleich einen Lohnkostenzuschuss vom Integrationsamt, doch: "Mir war es unangenehm, immer um Hilfe bitten zu müssen, und für meine Kollegen war es eine Zusatzbelastung", erinnert sich Dietmar Heßler.

Dietmar Heßler zeigt auf seinen Bildschirm, (c) Wolfgang Schmidt Die Lösung: Ferndolmetschen "Dietmar Heßler strebt nach Selbstständigkeit und entwickelt viel Eigeninitiative, wenn es darum geht, Lösungen zu finden", sagt Bernadette Tirschmann, Fachberaterin für hörbehinderte Menschen beim Integrationsfachdienst (IFD) Zwickau. Seine Idee: der Einsatz eines Telefondolmetschdienstes, der es ihm erlaubt, selbstständig mit hörenden  Gesprächspartnern zu telefonieren. Bei der Organisation und dem Antrag auf Förderung beim Integrationsamt half ihm die IFD-Beraterin. Das ist nun drei Jahre her. Inzwischen nutzt Dietmar Heßler den Dienst auch für kurze Besprechungen am Arbeitsplatz: "Auf meinem Computer kann ich jederzeit einen Gebärdensprachdolmetscher zuschalten, der dann das Gespräch simultan übersetzt", erklärt er. Eine solche Erfolgsgeschichte erlebt Bernadette Tirschmann vom IFD nicht jeden Tag: "Die Lohnkostenzuschüsse des Integrationsamtes konnten völlig eingestellt werden", sagt sie. Für Dietmar Heßler ein Stück mehr Normalität und Eigenständigkeit.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.