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Behinderung
&
Beruf

Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung im Einsatz

ZB 3/2006

Beispiele aus der Praxis

Ein „Job“ für Vertrauensleute

Bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben hat die Schwerbehindertenvertretung die Federführung für das Betriebliche Eingliederungsmanagement übernommen. Denn sie besitzt das fachliche Know-how und genießt das Vertrauen der Mitarbeiter.

Helmfried Hauch und seine Kollegen der Schwerbehindertenvertretung sind Ansprechpartner für über 600 schwerbehinderte Beschäftigte, das ist jeder zehnte Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigungsbetriebe. „80 Prozent unserer Leute arbeiten bei Wind und Wetter auf der Straße und haben oft Probleme mit der Wirbelsäule – eine Folge der schweren körperlichen Arbeit, aber auch altersbedingt“, so Helmfried Hauch. Das durchschnittliche Alter der Beschäftigten liegt bei 48 Jahren. Der Bedarf für ein Eingliederungsmanagement ist dementsprechend groß.

Ein Fall für’s Integrationsteam?

Im vergangenen Jahr wurde eine Vereinbarung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement abgeschlossen, in der auch der Verfahrensablauf beschrieben wird. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Integrationsteam, dem je ein Vertreter der Schwerbehindertenvertretung, des Personalrates und der Personalabteilung angehören. Das Team trifft sich alle 14 Tage, um die Meldung aus der Personalabteilung – also eine Liste der Mitarbeiter, die länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind – zu besprechen. Zunächst geht es um die Frage: Müssen wir hier aktiv werden? „Ein Beinbruch zum Beispiel kann im Einzelfall langwierig sein, aber in der Regel kehrt der betroffene Mitarbeiter nach einigen Wochen ohne Probleme an seinen Arbeitsplatz zurück. Anders sieht es aus, wenn der Bruch kompliziert und der Job mit viel Laufen verbunden ist“, erklärt Helmfried Hauch. Ein Gespräch des Betroffenen mit dem Vorgesetzten oder dem Betriebsarzt kann dem Integrationsteam helfen, die Lage richtig einzuschätzen.

Gibt es Unterstützungsbedarf, nimmt das Team mit dem Betroffenen telefonisch Kontakt auf und bietet seine Hilfe an. Zu den Aufgaben des Integrationsteams gehört aber nicht nur, mit dem betroffenen Mitarbeiter nach einer individuellen Lösung zu suchen, zum Beispiel eine medizinische Rehabilitation anzuschieben. Es klärt auch, ob betriebliche Ursachen für eine Arbeitsunfähigkeit in Frage kommen.

Schwachstellen aufdecken

Wenn Schwachstellen im Betrieb aufgespürt werden, die gesundheitliche Risiken auch für andere Beschäftigte in sich bergen, sorgt das Team für Abhilfe. „Einmal sind in einer Betriebsstelle mehrfach Arbeitsausfälle vorgekommen und es bestand der Verdacht, dass Alkohol mit im Spiel war. Wir haben daraufhin den betrieblichen Suchtberater eingeschaltet, der die Kollegen vor Ort über die Gefahren von Alkohol am Arbeitsplatz aufklärte.“ Mitarbeiter, die nach ihrer Erkrankung den Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr gewachsen sind, haben gute Chancen, dennoch weiter beschäftigt zu werden. Zum Beispiel in der Papierkorbwerkstatt, die 2004 mit Unterstützung des Integrationsamtes beim Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin als Pilotprojekt für ähnliche Beschäftigungsinitiativen gestartet wurde. Die 16 schwerbehinderten und „leistungsgeminderten“ Mitarbeiter der Papierkorbwerkstatt warten etwa 22.000 Papierkörbe im Stadtgebiet von Berlin. „Wir konnten diese Arbeit, mit der zuvor eine externe Firma beauftragt war, in den Betrieb zurückholen“, so Helmfried Hauch.

| Bild:
Helmfried Hauch
Gesamtschwerbehindertenvertreter | "Das Integrationsteam ist der Motor des BEM."

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.