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Beruf

Mitarbeiter beim Hamburg Airport ZB 3/2006

Beispiele aus der Praxis

Ein gutes Fundament legen

Kein fertiges System kopieren: Nach dieser Devise wurde beim Hamburg Airport ein Betriebliches Eingliederungsmanagement eingeführt. Im Mittelpunkt standen dabei die Aufklärung der Belegschaft und der Aufbau eines Partner-Netzwerkes.

„Natürlich haben wir uns auch früher schon gekümmert, wenn es wegen Arbeitsunfähigkeit Probleme gegeben hat. Aber wir haben eher zufällig davon erfahren ...“, so Rüdiger Schlott, Referent für Grundsatzfragen beim Hamburg Airport, über die Zeit vor dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement. „Als wir nun anfingen, uns systematisch um alle Betroffenen zu kümmern, waren wir überrascht, wie viele Mitarbeiter betroffen sind.“

Vertrauen schaffen

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement hat beim Hamburg Airport mit seinen rund 1.660 Beschäftigten einen hohen Stellenwert. „Uns war klar, dass es vor allem darauf ankommt, das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen. Denn ohne ihre Mitwirkung ist jedes Eingliederungsmanagement wirkungslos“, weiß Rüdiger Schlott, der das siebenköpfige Präventionsteam leitet. Was genau bedeutet Betriebliches Eingliederungsmanagement? Welche Absicht steht dahinter? Wer ist Ansprechpartner im Betrieb? Mit einer großen Aufklärungsaktion im vergangenen Jahr versuchte das Präventionsteam diese Fragen zu beantworten. Dazu gehörten Vorträge auf Führungskräftekonferenzen, Artikel in der Mitarbeiterzeitung und ein eigens dafür entworfener Flyer, der an die Belegschaft verteilt wurde. Darin wird das Betriebliche Eingliederungsmanagement als Angebot an die Beschäftigten vorgestellt: „In einem persönlichen und vertraulichen Gespräch möchte das Präventionsteam auf Ihre individuellen Belange eingehen und gemeinsam mit Ihnen Möglichkeiten für unterstützende Maßnahmen entwickeln. Sie können dabei selbst entscheiden, ob Sie das BEM und das konkrete Leistungsangebot in Anspruch nehmen oder ablehnen wollen.“ Die Mitglieder des Präventionsteams sind auf dem Flyer mit Foto und Kontaktadresse als Ansprechpartner für die Beschäftigten aufgelistet.

Viel Sorgfalt wurde auch auf die Einladung zum „Erstgespräch“ verwendet, die an Mitarbeiter verschickt wird, die längere Zeit arbeitsunfähig sind. „Einige Mitarbeiter haben nicht auf unser Angebot reagiert, weil sie dachten, es handle sich um ein Krankenrückkehrgespräch und damit hatten sie teilweise schlechte Erfahrungen gemacht“, so Rüdiger Schlott. „Um solche Missverständnisse zukünftig zu verhindern, haben wir unser Anschreiben mehrfach überarbeitet.“

Partner mit Know-how

Bei seiner Arbeit ist das Präventionsteam auch auf die Unterstützung von „Spezialisten“ angewiesen. Mit dem Ziel, ein Netzwerk an externen Partnern aufzubauen, wurde auf Initiative des Unternehmens ein Runder Tisch ins Leben gerufen, an dem beispielsweise Vertreter des Integrationsamtes bei der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, der gesetzlichen Rentenversicherung und von Selbsthilfegruppen teilnehmen. „Das Fundament ist gelegt und wir sind auf einem guten Weg“, ist sich Rüdiger Schlott sicher. „Je mehr sich das Betriebliche Eingliederungsmanagement etabliert und erste Erfolge sichtbar werden, desto mehr Akzeptanz erwarten wir bei Beschäftigten und Vorgesetzten.“

| Bild:
Rüdiger Schlott
Personalreferent | "Die Inanspruchnahme des BEM ist freiwillig."

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.