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Behinderung
&
Beruf

Florian Geiß an seinem Arbeitsplatz ZB 3/2008

Beispiele aus der Praxis

Ohne Zeitdruck für Kunden da sein

Florian Geiß ist in einer ARGE als Arbeitsvermittler für schwerbehinderte Menschen und Kunden der beruflichen Rehabilitation tätig. Er ist spastisch gelähmt und kennt daher die besonderen Probleme der Betroffenen.

„Bei einer Spastik ist die Muskelspannung stark erhöht – die Folge einer neurologischen Schädigung“, erklärt Florian Geiß. Bei ihm war ein erlittener Sauerstoffmangel bei der Geburt Ursache einer „spastischen Diplegie“, so der medizinische Ausdruck seiner Behinderung. Seine Arme sind von der spastischen Lähmung weniger stark betroffen als die Beine. Dem 34-Jährigen fällt es aufgrund seiner Behinderung vor allem schwer, Bewegungsabläufe präzise zu steuern und schnell zu reagieren.

Flexible Terminplanung

Nach längerer Arbeitslosigkeit fand der Diplom-Sozialpädagoge im März 2005 eine Anstellung bei der Bundesagentur für Arbeit als Mitarbeiter einer ARGE – wie die für Arbeitslosengeld-II-Empfänger zuständigen Arbeitsgemeinschaften von örtlichen Arbeitsagenturen und kommunalen Trägern genannt werden. Florian Geiß ist heute Arbeitsvermittler für schwerbehinderte Menschen bei der ARGE Landkreis Fürth. Weil sich unter Zeitdruck seine Bewegungsstörungen verschlimmern, berücksichtigt er dies in der ohnehin flexiblen Terminplanung. So kann sich der behinderte Berater für ein Gespräch 30 bis 40 Minuten Zeit nehmen. Für die notwendigen Schreibarbeiten am Computer und weitere administrative Tätigkeiten nutzt er verschiedene technische Hilfsmittel: zum Beispiel einen elektrischen Locher, eine spezielle PC-Tastatur und ein Headset für das Telefon. Außerdem ist der Schreibtisch höhenverstellbar und damit für den Rollstuhl geeignet. Die behinderungsgerechte Gestaltung seines Arbeitsplatzes wurde von der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt und finanziert.


Mit Offenheit überzeugen

Florian Geiß spricht von dem Vertrauensvorschuss, den ihm viele seiner Kunden entgegen bringen, weil er selbst behindert ist. Der Arbeitsvermittler rät ihnen aus eigener Erfahrung, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und gegenüber Arbeitgebern nicht auf ihre Schwerbehinderung zu pochen. Bei Bewegungsstörungen wüssten viele Arbeitgeber nicht, welche Ressourcen in dem behinderten Menschen stecken. Auch die möglichen Hilfen seien vielen nicht bekannt. Seine persönliche Strategie heißt in diesem Fall: offen über Stärken und Schwächen sprechen. So könnten alle Beteiligten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – voneinander profitieren.

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Wichtiger Hinweis:
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