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Behinderung
&
Beruf

Siegfried Hergert an seinem Arbeitsplatz ZB 3/2008

Beispiele aus der Praxis

Wenn der Job am seidenen Faden hängt

Siegfried Hergert war über viele Jahre als Pförtner bei einem Hersteller für Viskosefäden beschäftigt. Nach Ausgliederung der Betriebswache fand der beinamputierte Mitarbeiter in der betriebseigenen Pumpenwerkstatt eine neue Aufgabe.

Die ENKA GmbH im vogtländischen Elsterberg in Sachsen ist ein „Viskosefilamenthersteller“ – das heißt, sie produziert Einzelfäden aus Viskose für die Textilindustrie. Fast 30 Jahre war Siegfried Hergert in dem Unternehmen mit 370 Beschäftigten als Pförtner angestellt. Anfang 2006 wurden die Aufgaben der Betriebswache aus Kostengründen an eine externe Firma übergeben und der 51-jährige Mitarbeiter, dessen rechtes Bein amputiert ist, verlor seinen bisherigen Arbeitsplatz. Zur gleichen Zeit wurde in der Pumpenwerkstatt eine Stelle frei. „Wir waren uns allerdings nicht sicher, ob wir Herrn Hergert aufgrund seiner Behinderung dort einsetzen konnten und baten das Integrationsamt in Chemnitz um Beratung“, erinnert sich Axel Nitschke, Personalleiter bei ENKA.

Langes Stehen mit Beinprothese

Mehr als 10.000 Pumpen in 36 Spinnmaschinen sorgen dafür, dass aus der zähflüssigen Viskosemasse einzelne Fäden entstehen. Um eine gleich bleibend hohe Qualität zu gewährleisten, müssen die Pumpen regelmäßig gereinigt, gewartet und Verschleißteile ausgetauscht werden. „Nach einer Arbeitserprobung war klar, dass Siegfried Hergert für diese Anlerntätigkeit geeignet ist“, so Simone Stöckmann vom Technischen Beratungsdienst des Integrationsamtes beim Kommunalen Sozialverband Sachsen. Doch wie sollte der beinamputierte Mitarbeiter an einem Steh-Arbeitsplatz wie diesem zurechtkommen? „Nach langem Stehen kann der Beinstumpf anschwellen und sich durch Reiben an der Oberschenkelprothese entzünden“, erklärt Siegfried Hergert.

Entlastung durch Hilfsmittel

Eine behinderungsgerechte Umgestaltung des Arbeitsplatzes in der Pumpenwerkstatt ermöglicht es dem behinderten Mitarbeiter heute, im Sitzen zu arbeiten. „Die alte Werkbank wurde gegen ein elektromotorisch höhenverstellbares Arbeitsplatzsystem ausgetauscht. Durch bewegliche Halterungen und Stecksysteme sind alle erforderlichen Werkzeuge und Teile in greifbarer Nähe“, so die Ingenieurin des Integrationsamtes. Ein spezieller Arbeitsstuhl mit geteilter, neigbarer Sitzfläche und dicker Polsterung vermeidet Druckstellen an der Prothesenbefestigung. Damit Siegfried Hergert bei der Arbeit nach Belieben zwischen Sitzen und Stehen wechseln kann, wurde außerdem eine Stehhilfe angeschafft. Ein Transport- und Beistellwagen erspart ihm mühsames Heben und Tragen. Das Integrationsamt hat die Anschaffung der technischen Hilfen finanziell unterstützt und so die Weiterbeschäftigung des ehemaligen Pförtners gesichert.

 

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.