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Mitarbeiterin des Hygiene-Centers der Backhaus Lüning GmbH ZB 3/2008

Backhaus Lüning:

Eine saubere Sache ...

Im „Hygiene-Center“, einer Integrationsabteilung der Backhaus Lüning GmbH in Bingen, sorgt täglich ein Team schwerbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für saubere Körbe und Bleche.

Große gelbe Kunststoffkörbe stapeln sich bis unter die Decke: die nächste Füllung für die Korbwaschanlage, deren leises Brummen anzeigt, dass sie noch beschäftigt ist. Im „Hygiene-Center“, einer Integrationsabteilung der Backhaus Lüning GmbH in Bingen am Rhein, herrscht Hochbetrieb. Denn morgen Früh sollen in den sauberen Körben wieder frisch gebackene Brötchen zum Verkauf liegen. Sechs schwerbehinderte Mitarbeiter reinigen täglich 8.000 Körbe und Bleche, dazu Kessel und Stikkenwagen, wie die Transportfahrzeuge für Bleche genannt werden.

Hygiene-Center eingerichtet

Das Backhaus Lüning ist ein Familienunternehmen in dritter Generation, das heute 450 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 150 Aushilfskräfte beschäftigt. Hinzu kommen 43 Auszubildende. Im Umkreis von 50 km betreibt das Unternehmen 45 Filialen, die vom Produktionsstandort in Bingen-Büdesheim beliefert werden.

„Wir planten 2003 eine Geschäftserweiterung und dabei entstand die Idee, eine Integrationsabteilung einzurichten“, so der Firmenchef Ludger Lüning. Ein Jahr später wurde das Hygiene-Center eröffnet und bisher fremd vergebene Reinigungsarbeiten in den Betrieb zurückgeholt. Eine Entscheidung, die sowohl kostengünstiger ist als auch logistische Vorteile für das Unternehmen hat. „Wir sparen Zeit und lange Wege“, erklärt Ludger Lüning. Das Hygiene-Center ist fest in die Produktions- und Logistikprozesse des Unternehmens eingebunden. Dies bedeutet auch: Die behinderten Kollegen müssen ihren Part zuverlässig erledigen, um einen reibungslosen Ablauf im Betrieb zu gewährleisten.

IFD: Mitarbeiter vermittelt

„Die Mitarbeiter des Hygiene-Centers zählen zu dem Personenkreis schwerbehinderter Menschen, die besondere Schwierigkeiten haben, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterzukommen“, so Ingrid König, Leiterin des Integrationsfachdienstes in Mainz, der geeignete schwerbehinderte Mitarbeiter für das Hygiene-Center vermittelt und für die übliche Dauer von einem halben Jahr betreut hat. Danach übernahm der Berufsbegleitende Dienst eines Integrationsfachdienstes in Alzey die weitere Betreuung. „Am Anfang“, erinnert sich Ingrid König, „ging es mehr darum, Vorgesetzte und Kollegen für die Behinderungen zu sensibilisieren, zum Beispiel dass ein Mitarbeiter mit Diabetes zusätzliche Pausen braucht, um seinen Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.“ Der Integrationsfachdienst ist auch zur Stelle, wenn es Schwierigkeiten gibt: „Einmal bat mich der Arbeitgeber, mit einer behinderten Mitarbeiterin zu sprechen, die sich beharrlich weigerte, eine Sicherheitskappe aufzusetzen, weil sie es behinderungsbedingt nicht nachvollziehen konnte. Ich konnte sie schließlich davon überzeugen, dass dies notwendig ist.“ Im Laufe der Jahre kam es auch vor, dass Mitarbeiter ausschieden, weil trotz aller Bemühungen eine Beschäftigung nicht funktionierte. Auf der anderen Seite gelang es bereits zwei Mitarbeitern aus dem Hygiene-Center, innerhalb des Betriebes eine qualifiziertere Tätigkeit in anderen Bereichen zu übernehmen.

Lohnendes Engagement

„Die Integrationsabteilung des Backhauses Lüning ist bislang einmalig in Rheinland-Pfalz“, so Werner Reiter vom Integrationsamt beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland Pfalz in Mainz, das die Einrichtung des Hygiene-Centers mit einer Investitionshilfe gefördert hat.

Zuschüsse gab es auch für die Beratung durch eine externe Unternehmensberatungsfirma. „Die Integrationsabteilung basiert auf einem betriebswirtschaftlich tragfähigen Konzept“, bestätigt Werner Reiter. Wo ein Mitarbeiter behinderungsbedingt nicht die volle Leistung erbringen kann, zahlt das Integrationsamt als Ausgleich einen Lohnkostenzuschuss. Nicht zuletzt wird auch die Betreuung durch den Integrationsfachdienst vom Integrationsamt finanziert. „Förderung alleine kann jedoch nicht die Triebfeder sein, eine Integrationsabteilung zu gründen. Es gehört viel persönliches Engagement dazu“, weiß Ingrid König. Der Aufbau eines weiteren Integrationsbetriebes im vergangenen Jahr – ein Bistro mit dem Namen „Bäcker-Rant“ in Bad Kreuznach – ist der beste Beweis, dass sich dieses Engagement für das Backhaus Lüning lohnt.

 

„Wir möchten der Region, von der wir leben, etwas zurückgeben. Wir tun dies, indem wir Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen schaffen.“
> Ludger Lüning, Backhaus Lüning GmbH in Bingen

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.