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Behinderung
&
Beruf

ZB 3/2012

Praxisbeispiel Arbeitsassistenz

Hilfe möglich machen

Mit einer Arbeitsassistenz meistert der stark körperbehinderte
Tim Rieger-Rüdiger seine Ausbildung in einer Druckerei.

Jeder Fall ist anders. Deshalb kann auch eine Förderung nicht nach Schema F erfolgen, weiß Michael Krieter, Mitarbeiter beim LWL-Integrationsamt Westfalen-Lippe in Münster. Sein Job ist es, Förderanträge zu bearbeiten, Ansprüche zu prüfen und die gesamte Abwicklung zu begleiten. Beispielsweise bei einer Arbeitsassistenz. Michael Krieter: „Das ist aber nicht alles. Wir unterstützen die Betroffenen auch bei der Beschaffung der Hilfe.“

Manchmal muss es schnell gehen. So wie bei Tim Rieger-Rüdiger: Als der junge Mann sich 2009 an das Integrationsamt wandte, winkte ihm ein Ausbildungsplatz. Dem vorausgegangen war ein mehrwöchiges Praktikum bei der Firma Druck H. Buschhausen GmbH in Herten. Dort bewies Tim Rieger-Rüdiger, dass er trotz einer schweren Körperbehinderung das Zeug hatte für eine Ausbildung zum Mediengestalter.

Bei allen Tätigkeiten am Arbeitsplatz, die über die Bedienung der PC-Tastatur hinausgehen, war der heute 21-Jährige jedoch abhängig von der Hilfe einer Assistenzkraft. Denn Tim Rieger-Rüdiger leidet an Muskeldystrophie, einem krankhaften Muskelschwund, der seine Beweglichkeit stark einschränkt. Deshalb ist er auch auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen.

Gleich nach einer Anfrage an die Arbeitsagentur, dem zuständigen Kostenträger für eine Arbeitsassistenz während der Berufsausbildung, machte der LWL-Mitarbeiter von der Möglichkeit des Integrationsamtes Gebrauch, in Vorleistung zu treten und bewilligte für den ersten Ausbildungsmonat ein Budget. „Wir konnten nicht auf die Arbeitsagentur warten. Der Ausbildungsbeginn stand doch unmittelbar bevor“, begründet Michael Krieter seine Entscheidung.

Vier Wochen lang dokumentierte Tim Rieger-Rüdiger jede Stunde, die er von seiner Assistenzkraft im Betrieb unterstützt wurde. Auf dieser Grundlage und einer Beurteilung des Integrationsfachdienstes Recklinghausen ermittelte Michael Krieter ein monatliches Budget für die dreijährige Ausbildungsdauer.

Auch nachdem die Arbeitsagentur grünes Licht für eine Finanzierung gegeben hatte, kümmerte sich das Integrationsamt weiter um die Abwicklung der Förderung. Es blieb Ansprechpartner und bezahlte die Rechnungen der Arbeiterwohlfahrt für die Bereitstellung einer Assistenzkraft. Von all diesen Aufgaben entlastet kann sich Tim Rieger-Rüdiger ganz auf seine Ausbildung konzentrieren, die er Ende des Jahres abschließen wird.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.