Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2013

„Haben Sie den Mut, sich zu outen!“

Dr. Brigitte Ginda, © Frank Thomas Koch
Dr. Brigitte Ginda, © Frank Thomas Koch
Dr. med. Brigitte Ginda, leitende Ärztin beim Amt für Versorgung und Integration in Bremen sowie Mitglied des Ärztlichen Sachverständigenbeirates Versorgungsmedizin beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Wann wird aus einer chronischen Erkrankung eine Behinderung?

Dr. Brigitte Ginda
Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine Krankheit, die in der Regel nicht ausheilt. Man kann lediglich versuchen, die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten aufzuhalten. Wenn die Erkrankung länger als sechs Monate besteht und „die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt“, liegt nach dem Sozialgesetzbuch IX eine Behinderung vor.

Wie beurteilen Sie den Grad der Behinderung (GdB)?

Dr. Ginda
Die ärztlichen Gutachten basieren auf den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen*. Neben Art und Ausprägung der Gesundheitsstörung werden auch der Therapieaufwand und die krankheitsbedingten Einschnitte in der Lebensführung berücksichtigt. Wichtig für Arbeitgeber: Der GdB wird grundsätzlich unabhängig vom ausgeübten Beruf beurteilt. Er sagt also noch nichts über die Leistungsfähigkeit eines behinderten Menschen am Arbeitsplatz aus!

Ist die Anerkennung immer befristet?

Dr. Ginda Die meisten chronischen inneren Erkrankungen werden als dauerhafte Gesundheitsstörungen anerkannt. Eine Nachprüfung, weil sich der Gesundheitszustand möglicherweise gebessert hat, ist eher selten. Eine Befristung, die so genannte "Heilungsbewährung“, erfolgt überwiegend bei Krebsleiden oder bei einzelnen Krankheitsbildern, bei denen der Erfolg einer therapeutischen Behandlung noch nicht abgeschätzt werden kann und wo die ungewisse Prognose zusätzlich bewertet wird.

Viele chronisch Kranke scheuen sich, ihre Behinderung zu offenbaren. Was empfehlen sie?

Dr. Ginda Es besteht zwar keine Pflicht, den Arbeitgeber zu informieren. Wer aber die Rechte und Hilfen für schwerbehinderte Menschen in Anspruch nehmen will, wird die vorhandenen Einschränkungen bei der Arbeit – nicht die Diagnose! – offenlegen müssen. Betroffene sollten die Vorteile eines Schwerbehindertenausweises bedenken, den oft dringend benötigten Zusatzurlaub, den besonderen Kündigungsschutz und die Leistungen des Integrationsamts!

*Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV)

 

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.