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Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2013

Chronisch kranke Beschäftigte

Praxisbeispiel 1:

Kirsten Drees, 48 Jahre, Herrenschneidermeisterin und Herrengewandmeisterin:

"Seit 18 Jahren entwerfe und schneidere ich Gewänder und Kostüme am Stadttheater in Münster. Außerdem leite ich die Schneiderwerkstatt. Voluminöse Kostüme zuschneiden und am Nähmaschinentisch bearbeiten, mal sitzend, mal stehend an der Schneiderpuppe hantieren – das ist eine kreative und auch körperlich anspruchsvolle Arbeit!"

Kirsten Drees erhielt 2010 die Diagnose Brustkrebs: Meine linke Brust wurde entfernt und wieder aufgebaut, eine Chemotherapie blieb mir erspart. Allerdings konnte ich nach der OP meinen linken Arm nicht mehr voll belasten und manche Bewegungen bereiteten mir Schwierigkeiten. Weil ich mehrere Monate arbeitsunfähig war, nahm die Schwerbehindertenvertretung der Stadt Münster mit mir Kontakt auf, um zu erfahren, ob es Probleme gibt. Und die gab es tatsächlich!

Als ich anfing wieder zu arbeiten – ich habe eine Teilzeitstelle mit 30 Stunden pro Woche – fiel mir das damals sehr schwer: Manche Bewegungen bei meiner vielseitigen Tätigkeit verursachten Schmerzen an Arm und Schulter. Mein Arzt befürchtete zudem, dass die Heilung der Wunde durch die Belastung stagniert. Die Schwerbehindertenbeauftragte gab mir den Tipp, das zuständige Integrationsamt einzuschalten. Denn die Fachleute dort kennen sich mit solchen Problemen aus. Der Technische Berater des LWL-Integrationsamts Westfalen schaute sich daraufhin meinen Arbeitsplatz in der Werkstatt und die Arbeitsabläufe genau an.

Seine Vorschläge für eine ergonomische Umgestaltung sind eine kolossale Hilfe für mich. Manches davon haben wir gemeinsam entwickelt, sozusagen maßgeschneidert für meine Arbeit. Zum Beispiel die elektrisch höhenverstellbare Schneiderbüste und den ergonomischen Stuhl mit Stützmöglichkeiten für Ellenbogen und Unterarme. Auch den Schneidertisch kann ich jetzt auf Knopfdruck hoch- und runterfahren. Durch die Zuschüsse des Integrationsamts hielten sich die Kosten für meinen Arbeitgeber in Grenzen.

KREBSERKRANKUNGEN

Krebs bezeichnet in der Medizin einen malignen Tumor – eine bösartige Gewebeneubildung. Die Ärzte unterscheiden zwischen so genannten soliden Tumoren, wie Karzinome der Haut oder der Brustdrüse, und malignen Systemerkrankungen, wozu Blutkrebs und Lymphdrüsenkrebs zählen. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich rund 223.000 Frauen und 247.000 Männer neu an Krebs. Bei Männern ist am häufigsten die Prostata betroffen, gefolgt von Darm und Lunge. Bei Frauen ist der Brustkrebs die häufigste Krebsart: Mehr als 70.000 Mal im Jahr stellen Ärzte die Diagnose „Mammakarzinom“, fast ein Viertel der Betroffenen stirbt daran. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter, besonders ab dem 50. Lebensjahr.
(Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft unter www.krebsgesellschaft.de)

 

Chronisch kranke Beschäftigte

Praxisbeispiel 2:

Georg Niessing, 47 Jahre, technischer Leiter:

"Als ich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn häufiger mal Durchfall hatte, ahnte ich noch nicht, dass dies der schleichende Beginn einer chronisch entzündlichen Darm­erkrankung ist. Das ist jetzt über 25 Jahre her. Fast genau so lange arbeite ich bei der OBV Objektbau Bomers Gmbh im münsterländischen Vreden. Wir planen, fertigen und montieren Einrichtungen hauptsächlich für Läden, Arztpraxen und Hotels."

Georg Niessing leidet an Colitis ulceruosa: Der Name bedeutet so viel wie „entzündeter Dickdarm mit Gechwüren“. 1998 dann der gesundheitliche Tiefpunkt: ein halbes Jahr war ich arbeitsunfähig. Seither hat sich mein Gesundheitszustand stabilisiert. Das verdanke ich nicht nur Medikamenten, sondern auch der Entlastung durch einen Telearbeitsplatz. Die Idee dazu hatte der Technische Berater des LWL-Integrationsamts Westfalen, an den wir uns gewandt hatten. Meist arbeite ich zwei Tage in der Woche zu Hause. Dort kann ich jederzeit die Toilette aufsuchen und mich ausruhen, wenn ich Schmerzen habe. Außerdem fällt die lange Fahrt zur Arbeit weg. Ich nutze das Büro zu Hause verstärkt dann, wenn es mir schlechter geht, zum Beispiel bei einem neuen Schub.

Mein Arbeitgeber hatte nie ein Problem mit meiner Erkrankung. Sie war einfach kein Thema. Deshalb stand auch einer Beförderung zum Abteilungsleiter „Projektsteuerung“ nichts im Weg. Allerdings ist diese Position mit Kundenbesuchen und Auswärtsterminen verbunden ...

Unterwegs kann es schwierig sein, innerhalb einer Minute eine saubere Toilette zu finden. Schnell auf die Bremse treten und in den Büschen verschwinden ... das klingt vielleicht lächerlich, ist aber ziemlich belastend, außerdem unhygienisch und manchmal auch gefährlich, zum Beispiel wenn man sich gerade auf der Autobahn befindet. Dieses Problem gehört zum Glück der Vergangenheit an. Mit finanzieller Unterstützung des Integrationsamts hat meine Firma einen VW-Transporter angeschafft und umbauen lassen: Mein Dienstfahrzeug ist jetzt zusätzlich mit einem WC und einer Waschgelegenheit ausgestattet.

CHRONISCH-ENTZÜNDLICHE DARMERKRANKUNG

Der Oberbegriff „chronisch-entzündliche Darmerkrankung“ umfasst vor allem zwei Krankheitsbilder, deren Ursache noch unklar ist: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Im Gegensatz zum Morbus Crohn, der alle Bereiche des Verdauungstrakts befallen kann, ist die Colitis ulcerosa auf den Dickdarm begrenzt. Typische Beschwerden sind vor allem schwere Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, Darmverengungen und Fisteln (entzündliche Gangbildungen). Bei vielen Patienten gibt es neben Phasen mit hoher Krankheitsaktivität (Schüben) lange Abschnitte relativer Gesundheit. Eine Heilung ist noch nicht möglich. In Deutschland leiden über 320.000 Menschen an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.
(Quelle: Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung unter www.dccv.de)

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.