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Behinderung
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Beruf

ZB 3-2014

Gern genutzte Technik


Fragen an Carsten Brausch, Leiter des Technischen Beratungsdienstes beim LVR-Integrationsamt in Köln und Vorsitzender des Arbeitsausschusses Technische Beratung bei der BIH.

Porträt von Carsten Brausch, (c)Klaus Deiters
Carsten Brausch, (c)Klaus Deiters
Herr Brausch, welches Potenzial steckt für behinderte Menschen in der technische Entwicklung?

Carsten Brausch: Wir erleben gerade einen unwahrscheinlichen Wandel in den Produktionsweisen. Unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" bahnt sich die nächste industrielle Revolution an. Gemeint ist die Verschmelzung von IT und Fertigungstechnik: Maschinen und Werkstücke kommunizieren via Datentransfer miteinander. Wir Technischen Berater sehen darin eine große Chance. Wenn es uns gelingt, diesen Informationsfluss für schwerbehinderte Menschen in Wort, Schrift oder Bild zugänglich zu machen, können wir ihren Zugang zu Fertigungsprozessen verbessern.

So viel Technik kann auch Angst machen …

Brausch: Technik soll die Arbeit erleichtern. Ziel ist nicht die vollständige Automatisierung, die den Menschen überflüssig macht oder überwacht. Unerlässlich für den erfolgreichen Einsatz moderner Technik ist ihre Akzeptanz bei den Menschen. Früher waren technische Hilfen oft stigmatisierend, heute sind sie vielfach so verbreitet und beliebt, dass man sich als Nutzer nicht ausgegrenzt, sondern dazugehörig fühlt. Denken Sie nur an Smartphones und Tablet-Computer mit ihren hilfreichen Anwendungen.

Hat sich mit der Vielfalt an technischen Möglichkeiten auch Ihre Arbeitsweise verändert?

Brausch: Ja, in der Tat. Früher gab es – vereinfacht gesagt – für jedes Problem einen vorgegebenen Lösungsweg. Diese "lösungsorientierte" Vorgehensweise wurde durch eine "zielorientierte" ersetzt. Das heißt: Heute konzentrieren wir uns stärker auf das Endergebnis, nämlich dass der behinderte Mensch an seinem Arbeitsplatz selbstständig und ohne fremde Hilfe zurechtkommt. Dazu betrachten wir die Situation ganzheitlich und entwickeln individuelle und passgenaue Vorschläge. Durch die immer größer werdende Vielfalt und Komplexität technischer Hilfen ist unsere Beratungskompetenz heute mehr gefragt denn je.

AUS DER FORSCHUNG

Ein niederländischer Physiker hat eine Hörbrille mit dem Namen "The vOICe" entwickelt, die es blinden Menschen ermöglicht, mit den Ohren zu "sehen". Die Brille besteht aus einer Kamera am Nasensteg, einem winzigen Computer und einem Kopfhörer. Der Computer übersetzt die Live- Bilder in Töne. Mit der Zeit kann der Nutzer viele Objekte nicht nur auf Anhieb erkennen, sondern geradezu sehen. Dies ist nur eines von vielen Beispielen aus der aktuellen Forschung.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.