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Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2014

Beispiel Augensteuerung

Scrollen via Blickkontakt


Dr. Ulrike Jandl, freiberufliche Beraterin, bedient ihren PC mit den Augen. Eine spezielle Kamera macht’s möglich.

Gerhard Kreis mit Ulrike Jandl an einem Computer, (c)Klaus D Wolf
Gerhard Kreis erklärt die Bedienung mittels Augensteuerung, (c)Klaus D Wolf
Ulrike Jandl berät behinderte Menschen in allen Lebenslagen. Was Behinderung bedeutet, weiß die promovierte Sozialpädagogin aus eigener Erfahrung: Wegen einer Muskelerkrankung sitzt sie im Rollstuhl. "Leider reicht auch die Kraft in Armen und Händen nicht mehr aus, um eine Computertastatur zu bedienen." Ulrike Jandl wird zwar von einer Arbeitsassistenz unterstützt, doch als die 53-Jährige von einer technischen Hilfe hörte, die eine Steuerung mit den Augen erlaubt, ließ sie die Idee nicht mehr los. Ihre Hoffnung: ein Stück Selbstständigkeit im Arbeitsalltag zurückzuerobern.

Aber wie funktioniert eine Augensteuerung? Und ist das überhaupt etwas für mich? Wer übernimmt die Kosten? Mit diesen Fragen wandte sich Ulrike Jandl im vergangenen Jahr an das Integrationsamt beim Zentrum Bayern Familie und Soziales in München. Der Technische Berater Gerhard Kreis erinnert sich: "Wir haben uns in ihrem Büro zu Hause getroffen und über ihre Arbeitssituation und ihre persönlichen Bedürfnisse gesprochen." Vom ersten Beratungsgespräch bis zur Installation der technischen Ausrüstung für die Augensteuerung vergingen ein paar Wochen. In dieser Zeit wurden Hersteller angefragt und ein geeignetes Modell ausgesucht. Gerhard Kreis verfasste ein fachtechnisches Gutachten, auf dessen Grundlage das ZBFS-Integrationsamt einen Großteil der Kosten übernahm.

Ulrike Jandl an einem Computer, (c)Klaus D. Wolf
Ulrike Jandl bedient die Tasten auf dem Bildschirm mit den Augen, (c)Klaus D. Wolf
Eine gute Investition,
meint Gerhard Kreis, denn seine schwerbehinderte Klientin kann dank der technischen Hilfe ihren Job selbstständiger erledigen und braucht dadurch weniger Arbeitsassistenz. Wenn Ulrike Jandl am PC sitzt, nimmt eine kleine Kamera am Monitor ihre Augenbewegungen auf. Auf ihre gezielten Blicke reagiert das System wie bei einem Mausklick per Hand – so kann Ulrike Jandl scrollen oder über eine Bildschirmtastatur Texte schreiben. "Sogar schwere körperliche Einschränkungen lassen sich heute technisch ausgleichen", sagt Gerhard Kreis, "und meistens wissen die betroffenen Menschen selbst am besten, was sie für den Arbeitsalltag benötigen."

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.