Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2014

Beispiel Melkroboter

High-Tech im Kuhstall


Hartwig Schulze Palstring ist Landwirt – und stark sehbehindert. Von seinem Büro aus steuert er einen Melkroboter.

Hartwig Schulze Palstring an einem Bildschirm, (c)Oliver Werner
Hartwig Schulze Palstring kontrolliert alle Daten des Melkroboters über den PC, (c)Oliver Werner
Auf dem Hof der Familie Schulze Palstring im Münsterland übernimmt seit kurzem ein Roboter das Melken der 120 Milchkühe. Betritt eine Kuh, angelockt mit ein bisschen Kraftfutter, den Melkstand, liest der Roboter den Chip am Halsband aus und erkennt sofort, ob das Tier gemolken werden muss. Per Lasersteuerung werden die Zitzen gereinigt und anschließend die Saugbecher angesetzt. Dann melkt die Maschine automatisch so lang, bis der Milchfluss nachlässt.

In die Milchwirtschaft investiert Hartwig Schulze Palstring überwacht den Melkvorgang an seinem PC, wo er die übertragenen Daten direkt weiterverarbeiten kann. "Wenn ich zum Beispiel Hinweise auf Krankheiten erhalte, kann ich direkt den Tierarzt einschalten", erklärt der gelernte Agrarbetriebswirt. Dass der 30-Jährige als stark sehbehinderter Mensch – auf seinem besten Auge sieht er zehn Prozent – problemlos am PC arbeiten kann, verdankt er technischen Hilfsmitteln, zum Beispiel einer Vergrößerungssoftware. Michael Große- Drenkpohl vom Integrationsamt beim Landschaftsverband Westfalen (LWL) hat ihn bei der Anschaffung beraten. Der Fachmann für Sehbehinderungen unterstützte die Familie, als es darum ging, einen Arbeitsplatz für den Junior im elterlichen Betrieb zu schaffen: "Die Milchwirtschaft bot eine Perspektive. Deshalb entschloss sich die Familie, den Milchviehbestand von 70 auf 120 Kühe aufzustocken und einen Melkroboter anzuschaffen." Eine große Investition, die mit finanzieller Unterstützung des Integrationsamtes gestemmt wurde.

Hartwig Schulze Palstring an einem Display seines Anhängers, (c)Oliver Werner
Extra großes Display: Hartwig Schulze Palstring überprüft die Futtermenge auf dem Anhänger, (c)Oliver Werner
Betriebsnachfolge gesichert
Hartwig Schulze Palstring verbringt aber nicht den ganzen Tag im Büro. Er arbeitet auch im Stall, wo er oft das Füttern der Kühe übernimmt. Am Futterwagen befindet sich ein extragroßes Display, das Inhalt und Menge anzeigt. Ansonsten verwendet er eine seiner Glaslupen oder die digitale Lupe, wenn er Beschriftungen lesen muss. Hartwig Schulze Palstring wollte immer Landwirt sein, dass sein Berufswunsch einmal in Erfüllung geht, schien lange Zeit unwahrscheinlich: "Inzwischen kann ich mir sogar vorstellen, den Betrieb irgendwann zu übernehmen."

 

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2021 2020 2019 2018
2017 2016 2015 2014
2013 2012 2011 2010
2009 2008 2007 2006
2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.