Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2016

In der Leistungsfalle

Rückzug oder Medikamente

Depressionen unter Managern sind nicht selten. Die Versuchung ist groß, die eigene Überforderung so lange wie möglich zuzudecken, etwa mit Medikamenten. Andere wählen den Rückzug.

Porträt von Monika Piel, (c) Henning Kaiser/dpa
Die ehemalige WDR-Intendantin Monika Piel, (c) Henning Kaiser/dpa
Im April 2013 trat Monika Piel überraschend von ihrem Amt als  Intendantin des WDR zurück. Ungewöhnlich auch ihre öffentliche Erklärung. Sie berichtet in einem Interview mit dem "Stern" von Bluthochdruck, Herzrasen und Schlafstörungen. Alles Alarmsignale: Wenn sie sich häufen, kann das ein Zeichen für eine psychische Erkrankung sein. Dann drohte ein Schlaganfall. Auf Anraten ihres Arztes zog sie die Konsequenzen: "Ich bin zurückgetreten. Im Rückblick muss ich sagen: Es war ein Wahnsinnsjob, bei dem ich mich permanent unter Druck gefühlt habe", so Monika Piel im "Stern".

Unerwartet war auch der Rückzug von Hartmut Ostrowski aus dem Bertelsmann Vorstand. Zwei Jahre später sprach er im Magazin "Brand eins" über den enormen Druck an der Spitze von Europas größtem Medienkonzern: "Die Gesellschafter erwarten große Erfolge, die Analysten gute Zahlen, die Mitarbeiter eine Gallionsfigur und die Journalisten suchen nach Fehlern."

Porträt von Hartmut Ostrowski, (c) Stephanie Pilick/dpa
Hartmut Ostrowski war bis 2011 Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, (c) Stephanie Pilick/dpa
Panikattacken, mit voller Wucht
Hartmut Ostrowski erzählt von den Panikattacken, die ihn Ende 2011 zum Rücktritt bei dem Gütersloher Medienkonzern bewegten. Leichte Beklemmungsgefühle steigerten sich innerhalb kürzester Zeit ins Extreme. "Die Herausforderung als Manager besteht darin, dass man das sozusagen bei laufenden Motoren in den Griff bekommen muss." Hartmut Ostrowski hatte kein Problem, seinen Rücktritt von der Bertelsmann Spitze damit zu begründen, dass ihm alles zu viel wurde, dass er nicht mehr konnte. Heute ist er selbstständig und mit sich im Reinen: "Ich teile mir meine Zeit selbst ein, arbeite maximal bis 18.30 Uhr und mache mindestens acht Wochen Urlaub im Jahr", so Hartmut Ostrowski gegenüber "Brand eins".

Es passt nicht zum Bild Hartmut Ostrowski und Monika Piel sind Ausnahmen in der Riege der Topmanager, welche normalerweise alles tun, damit ihr Name nicht mit psychischer Erkrankung in Verbindung gebracht wird. Es passt nicht zum Bild der toughen, willensstarken Führungskraft. Sie halten sich mit Medikamenten über Wasser, pushen sich so durch ihre 15-Stunden-Tage, oft jahrelang. Nicht so Monika Piel und Hartmut Ostrowski: Sie haben den Rückzug gewählt – um ihrer Gesundheit willen.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Hirndoping am Arbeitsplatz

Während Alkohol zum Stressabbau getrunken wird, wächst quer durch alle Schichten der Wunsch, die beruflichen Anforderungen mit leistungssteigernden Mitteln besser zu bewältigen. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK aus dem Frühjahr 2015 greifen dafür etwa drei Millionen Deutsche regelmäßig zu Medikamenten. Fast unbemerkt kann sich eine Sucht entwickeln, die am Ende Gesundheit und Arbeitsplatz kostet. Dem betrieblichen Umfeld kommt daher eine bedeutsame Rolle zu. Es ist wichtig, die Beschäftigten zu sensibilisieren und ein Klima des Vertrauens zu schaffen, in dem Mitarbeiter ermutigt werden, Probleme frühzeitig anzusprechen.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Publikation

"Menschen mit seelischer Behinderung im Arbeitsleben" heißt eine Broschüre des Integrationsamtes beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), die 2015 in einer Neuauflage erschienen ist. Sie enthält Tipps und Informationen für Betroffene und Arbeitgeber, Interessenvertretungen und Führungskräfte. Die Broschüre ist im Internet abrufbar.

Mehr unter: www.publikationen.lvr.de

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.