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Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2017

Praxisbeispiel

"Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören"

Herbert van Beek ist als Architekt bei der Erzdiözese Bamberg angestellt. Seit 40 Jahren lebt er mit der Krankheit MS.

Herbert van Beek telefoniert im Büro, (c) Thomas Langer
Herbert van Beek feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum, (c) Thomas Langer
Der Verlauf der Krankheit ist minderschwer", sagt Herbert van Beek. 1977 hat er seinen ersten Schub gehabt. Elf Jahre lang hatte er bereits mit der Krankheit gelebt, bis er 1988 die Diagnose MS erhielt. "Ohne das Wissen um die Krankheit konnte ich gut studieren und hatte nicht die Schere im Kopf, schwer krank zu sein", erzählt der 58-Jährige. "Die Schübe sind immer wieder gut mit Kortison behandelt worden. Seit 2004 ist der Verlauf der Krankheit sekundär chronisch, das heißt, dass sich meine körperliche Leistungsfähigkeit langsam verschlechtert." Herbert van Beek leidet an Fatigue – langes Stehen und Laufen sind ihm nicht mehr möglich. "Für Messe- oder Museumsbesuche habe ich meinen Rolli", sagt er. "Ich nutze ihn wie ein Werkzeug."

Regelmäßig Pausen einlegen Im Büro ist der Architekt nicht auf den Rollstuhl angewiesen. Ansonsten hat Herbert van Beek für kleinere Wege oder zum Treppensteigen einen Stock. "Der Stock ist mir im Alltag eine große Hilfe", betont er. Wichtig für Herbert van Beek sind auch regelmäßige Pausen: "Durch meine Krankheit habe ich gelernt, eher auf meinen Körper zu hören. Tue ich dies nicht, merke ich am Abend, wie sich die Symptome verschlechtern. Zum Beispiel verstärken sich die Spastiken im Bein." Neben der Büroarbeit geht Herbert van Beek auch auf Außendienste. Er besichtigt Baustellen und bespricht den Bauverlauf. Auch wenn dies mitunter anstrengend ist, gibt ihm die Arbeit Anerkennung.

Herbert van Beek (re.) und sein Vorgesetzter Josef Schwab, (c) Thomas Langer Gesicherter Arbeitsplatz In diesem Jahr feiert er sein 25. Dienstjubiläum. Sein damaliger Vorgesetzter, Domkapitular Klemens Fink, hat ihn mit dem Wissen, dass er an MS erkrankt ist, eingestellt. Sein jetziger Vorgesetzter Josef Schwab betont: "Wir haben von Anfang an offen über seine Krankheit gesprochen und wir haben uns auch darauf eingestellt, dass er durch Reha-Maßnahmen für längere Zeit ausfallen kann. Aber wir wollen auf den kompetenten Fachmann, der sich auf den Denkmalschutz spezialisiert hat, nicht verzichten." Herbert van Beek erzählt: "Vor drei Jahren bin ich aufgrund meiner Krankheit für ein paar Monate ausgefallen. Dennoch hatte ich meinen Arbeitsplatz sicher."

Entlastung im Alltag In dieser Zeit bekam Herbert van Beek vom Integrationsamt beim Zentrum Bayern Familie und Soziales eine Arbeitsassistenz zur Seite gestellt. Später konnte der 58-Jährige seinen Aufgabenbereich verkleinern und ein paar seiner Projekte abgeben, sodass diese Unterstützung nicht mehr nötig war.

Seine Stundenzahl hatte er bereits auf 70 Prozent reduziert, nachdem ihm ein Grad der Behinderung (GdB) von 80 anerkannt worden war. Für seine Außendienste ist der Architekt auf das Auto angewiesen. "Die Erzdiözese Bamberg hat für mich einen Wagen mit Automatik angeschafft. Auf langen Strecken, zum Beispiel auf der Autobahn, kann ich den Tempomat einschalten, sodass ich meine Beine etwas entspannen kann", ergänzt Herbert van Beek. "Es gibt sehr viele sehr nervige Momente, zum Beispiel, wenn ich nachts wegen Spastiken im Bein nicht schlafen kann. Aber ich weiß auch, dass es Menschen mit MS gibt, denen es noch sehr viel schlechter geht. Unterstützung bekomme ich auch von meiner Frau. Sie trägt einen großen Teil der Krankheit mit."

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.