Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2017

Praxisbeispiel

"Arbeit ist Lebensqualität"

Stephanie Beier (Name von der Redaktion geändert) arbeitet als Bürokraft im Steueramt der Stadtverwaltung Osterhofen/Niederbayern nahe Deggendorf. Im Alter von 24 Jahren hat sie die Diagnose MS erhalten.

Angefangen hat es mit einem pelzigen Fleck, einer tauben Stelle am Bein", beschreibt Stephanie Beier die ersten Symptome. "Dann ging es mir recht schnell immer schlechter: Ich konnte beim Autofahren Kupplung und Bremse nicht mehr betätigen." Stephanie Beier erzählt weiter: "Ein anderes Mal kam ich mit einer Hirnhautentzündung ins Krankenhaus, wo zum ersten Mal der Verdacht auf MS geäußert wurde. Allerdings ist mir dieser Befund zunächst nicht mitgeteilt worden."

Auf Teilzeit reduziert Nach mehreren Schüben folgte 1992 die Diagnose. Die Symptome wurden mit Kortison behandelt. Seit 2000 hat Stephanie Beier keine Schübe mehr. Doch ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich schleichend immer weiter. Acht Jahre später war sie auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Stephanie Beier kann nicht mehr gehen und stehen. Ihr linker Arm ist gelähmt. "Für meinen Arbeitgeber war es keine Frage, mich in dieser Situation zu unterstützen und den Arbeitsplatz anzupassen", erzählt die 49-Jährige. "Von einer Vollzeitstelle habe ich auf 17 Stunden reduzieren können. Und solange ich arbeiten kann, möchte ich dies tun. Arbeit ist für mich Lebensqualität", betont die gelernte Bürofachfrau. "Über die Arbeit bekomme ich Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden."

Unterstützung im Arbeitsalltag Eine Arbeitsassistenz begleitet Stephanie Beier im Berufsalltag. "Sie hilft mir, Akten aus den Regalen zu holen, geht für mich zum Kopierer oder zum Faxgerät", erklärt Stephanie Beier. Die Arbeitsassistenz hat ihr bis vor Kurzem auch geholfen, die Treppen zu überwinden. Mit einem Scalamobil – einem elektrischen Treppensteiger – hat sie Stephanie Beier die Treppen nach oben befördert. "Inzwischen haben wir einen Fahrstuhl im Gebäude, den ich benutzen kann", berichtet sie. "Die Kosten der Arbeitsassistenz übernimmt das Integrationsamt."

 

WEITERE INFORMATIONEN

Gut zu wissen

Im Falle einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung unterstützt das Integrationsamt im Rahmen der "Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben". Eine wichtige Rolle spielen dabei die Technischen Beratungsdienste der Integrationsämter und die Integrationsfachdienste. Auch Selbstständige können Förderleistungen erhalten.

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die Leistungen in Anspruch nehmen möchten, sind verpflichtet, den Arbeitsplatz behinderungsgerecht einzurichten. Das heißt zum einen mit technischen Hilfsmitteln wie Sehhilfen, Computerhardware oder Hebevorrichtungen, zum anderen durch organisatorische Maßnahmen wie Arbeitszeitverkürzung und regelmäßigen Pausen. Die Maßnahmen richten sich immer nach der Ausprägung der Behinderung – bei einer starken Behinderung gibt eine Arbeitsassistenz Unterstützung.

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.