Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2018

Praxisbeispiel

Erfolgreiche Eingliederung ist ein stetiger Prozess

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) ist kein statisches Instrument. Es muss immer an Veränderungen im Betrieb angepasst werden. Die Drogeriemarktkette dm setzt das in ihrem Verteilzentrum im rheinländischen Weilerswist erfolgreich um.

Der betrieblicher Sozialmanager Hannes Gruber-Ulbricht mit dem BEM-Team an einem Tisch, (c) Dominik Buschardt
Betrieblicher Sozialmanager Hannes Gruber-Ulbricht (zweiter von links) unterstützt das BEM-Team im dm Weilerswist bei fallbezogenen, individuellen Umsetzungsentscheidungen ebenso wie bei kollektiven Fragestellungen, (c) Dominik Buschardt
Die dm Niederlassung in Weilerswist stand im Jahr 2009 vor einer gewaltigen Herausforderung. Zwei Verteilzentren wurden zusammengelegt. Rund 1.000 Mitarbeiter wechselten den Arbeitsplatz mit allem, was dazugehört: neue Prozesse und Formen der Zusammenarbeit, neue Arbeitsplatzprofile, neue Kollegen und Vorgesetzte. Ebenso mussten für einige schwerbehinderte Beschäftigte – bei einer Beschäftigungsquote von rund 9,5 Prozent etwa 200 Personen – Alternativen gefunden werden. Denn alte Arbeitsplatzprofile waren teilweise entfallen. "Eine so tiefgreifende Veränderung führte dazu, dass viele gewohnte Dinge auf den Prüfstand kamen. Das BEM machte dabei keine Ausnahme", erinnert sich Hannes Gruber-Ulbricht, betrieblicher Sozialmanager. "Wir haben den Wandel als Chance begriffen, gesundheitlichen und sozialen Fragestellungen noch mehr Bedeutung zu geben." Das BEM-Team unterstützt er bei fallbezogenen, individuellen Umsetzungsentscheidungen ebenso wie bei kollektiven Fragestellungen. Neben ihm gehören der BEM-Koordinator, die Fallmanager, der Betriebsrat und die Schwerbehindertenvertretung zum Team.

Der betriebliche Sozialmanager Hannes Gruber-Ulbricht mit einer dm-Mitarbeiterin im Verteilzentrum, (c) Dominik Buschardt
(c) Dominik Buschardt
Kommunikationswege aufbauen
Bei dm ist das BEM in einer unternehmensweit festgelegten Vorgehensweise geregelt. Die einzelnen Unternehmensteile haben dabei Gestaltungspielräume. "Unser Ziel ist es, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen bestmöglich zu integrieren", sagt Peter Stapelfeldt, Leiter des dm-Verteilzentrums Weilerswist. Am Standort gab es einiges zu tun. So waren die Filialbelieferungen nur mit neuen Drei-Schicht-Modellen und der Ausdehnung der Arbeitszeit auf den Samstag zu bewältigen. Schon das allein stellte neue Anforderungen an das BEM. Schließlich musste die Terminvereinbarung für Erstgespräche auf drei Schichten ausgedehnt werden, mit Einbindung der jeweiligen Vorgesetzten. Das nahm dm zum Anlass, grundsätzlich am Aufbau geeigneter Kommunikationswege zu arbeiten.

Kurze Bearbeitungszeiten Eine zentrale Rolle nimmt das BEM-Sekretariat ein, das die jährlich rund 200 Verfahren zusammen mit allen Beteiligten koordiniert. Erklärtes Ziel ist dabei, die Zeit vom Erkennen eines entsprechenden Bedarfs bis zum Erstgespräch möglichst kurz zu halten. "Wir verstehen unser BEM auch als Präventivmaßnahme. Daher ist uns wichtig, geeignete Schritte möglichst zeitnah einzuleiten", erklärt Hannes Gruber-Ulbricht. Beschäftigte haben sogar die Möglichkeit, selbst ein BEM anzustoßen, und zwar noch vor Eintritt der gesetzlichen Pflicht durch lange Fehlzeiten.

Verlässliche Prozesse Für eine kurze Bearbeitungszeit sorgen die an die Zahl der BEM-Fälle angepassten Fallmanager. Neben der unabhängigen, vertrauensvollen Beratung der Beschäftigten dokumentieren sie den BEM-Prozess und erstellen eine Empfehlung zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit. Das BEM-Koordinationsteam arbeitet zudem in Workshops kontinuierlich an der Verbesserung der Prozesse. "Wir haben für alle BEM-Beteiligten eine verlässliche und transparente Vorgehensweise beschrieben, die uns eine Bewertung des gesamten Verfahrens ermöglicht", so Hannes Gruber-Ulbricht. Auch dafür wurde dm mit einer Prämie des Integrationsamts beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) ausgezeichnet, ebenso wie für den intensiven Austausch aller Beteiligten im betrieblichen Sozial- und Gesundheitsmanagement.

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2021 2020 2019 2018
2017 2016 2015 2014
2013 2012 2011 2010
2009 2008 2007 2006
2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.