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Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2018

Praxisbeispiel

Frühzeitige Kommunikation ist entscheidend

Prävention ist zu einem guten Teil auch eine Frage der Kommunikation. Das zeigt sich an einem Beispiel in der Ikea-Niederlassung in Wallau. Durch frühzeitigen Dialog ist es leichter, Arbeitsbedingungen behinderungsgerecht zu gestalten.

Vertrauensmann Alexander Hoffmann im Gespräch mit einer Ikea-Mitarbeiterin, (c) Andreas Arnold
Möglichst früh miteinander reden: Darauf setzt Vertrauensmann Alexander Hoffmann bei Ikea in Wallau, wenn es darum geht, behinderungsbedingte Einschränkungen bei der Arbeit zu erkennen und Lösungen zu finden, (c) Andreas Arnold
Bereits seit 1999 ist Gerda Franz* im Ikea-Möbelhaus in Wallau im Servicebereich beschäftigt. Zum Service gehören der Kassenbereich, die Warenausgabe und -rücknahme und der hauseigene Kinderhort, das Småland. Gerda Franz war an der Kasse tätig, lange Zeit ohne Probleme. Doch dann stellten sich zunehmend verschiedene gesundheitliche Einschränkungen ein. Erleichterung brachte für die Beschäftigte der Einsatz an der für sie ergonomisch besser geeigneten Kunden-Information und im Småland. Doch dann stand eine Umstrukturierung ins Haus. Servicemitarbeiter sollten flexibler eingesetzt werden, auch im Hinblick auf ihre Arbeitszeiten. Für Gerda Franz eine schwierige Situation, auch wegen der Betreuungssituation ihrer Tochter. "Der leidensgerechte Arbeitsplatz war von der Umstrukturierung betroffen. Für die Kollegin eine äußerst schwierige und zuerst nicht nachvollziehbare Situation. "Wir mussten neue Lösungen finden", erinnert sich Alexander Hoffmann, Vertrauensmann bei Ikea Wallau.

Ikea-Mitarbeiterin auf einem Steh-Sitz an einer Selbstbedienungskasse, (c) Andreas Arnold
(c) Andreas Arnold
Probleme frühzeitig benennen
Doch zunächst wurden die Schwierigkeiten nicht in ihrer ganzen Tragweite erfasst. "Im Nachhinein hat sich gezeigt: Man hätte viel früher eine offene Kommunikation führen müssen", sagt Ikea-Personalchef Björn Nissen. "Aber gerade, wenn ein spürbarer Leidensdruck besteht, ist es weder für die Betroffenen noch für die Vorgesetzten einfach, mit solchen Veränderungen umzugehen." Das führt häufig dazu, dass Präventionsmaßnahmen erst eingeleitet werden, wenn sich Probleme einfach nicht mehr ignorieren lassen.

Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Prävention ist also, behinderungsbedingte Einschränkungen bei der Arbeit frühzeitig zu erkennen und nach Lösungen zu suchen. Eine Aufgabe des Arbeitgebers, die am besten im Dialog mit der Schwerbehindertenvertretung angegangen wird. Nach einem Termin bei der Betriebsärztin war klar: Eine Tätigkeit im alten Beschäftigungsbereich war einfach nicht möglich. Als geeignete Alternative stellte sich der Einsatz an der Selbstbedienungskasse heraus, vor allem mit Hilfe einer Sitzgelegenheit. Auch im Småland kann Gerda Franz grundsätzlich arbeiten, mit einer besonderen Einschränkung: Stühle sind dort aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Deshalb wird derzeit ein "Chairless Chair" erprobt, also eine adaptierbare Sitzgelegenheit, die am Körper befestigt ist. Auch die Arbeitszeit wurde reduziert. Der Erfolg ist spürbar, Ausfalltage gibt es kaum noch. Bei allen Maßnahmen leistete das LWV Hessen Integrationsamt Unterstützung, durch Beratung des Integrationsfachdienstes ebenso wie durch Leistungen nach der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung. Für Alexander Hoffmann und Björn Nissen steht fest, dass sie in Zukunft in vergleichbaren Situationen noch frühzeitiger gemeinsam Lösungen suchen und finden werden.
* Name geändert

Audio-Slideshow "Prävention "

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Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.