Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 3-2020

Praxisbeispiel
„Ich habe bewiesen, dass ich das kann!”


Marcel Walther und sein Kollege bereiten sich auf die Arbeit mit der Motorsense vor, © Wolfgang H. Schmidt
Marcel Walther (links) und sein Kollege sind ein eingespieltes Team, © Wolfgang H. Schmidt
Marcel Walther verbrachte zwölf Jahre in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), bevor er den Absprung wagte. Heute hat der 38-Jährige einen Job, der ihm Spaß macht und mit dem er sein eigenes Geld verdient.Es war in einem Entwicklungsgespräch für Werkstattmitarbeiter, als Marcel Walther den Wunsch äußerte, über ein Praktikum zu testen, ob sein Können für den ersten Arbeitsmarkt ausreicht. Seine Mutter hatte ihn darin bestärkt. Doch die Betreuer in der Werkstatt waren mit Blick auf die hohen Leistungsanforderungen skeptisch. Für Marcel Walther kein Grund zu resignieren, er sagte sich: „Jetzt erst recht!”




Türöffner Praktikum Die Werkstatt gab seinem Wunsch nach und zog den Integrationsfachdienst (IFD) hinzu. „Ich habe Marcel Walther innerhalb von zwei Jahren gezielt Praktika bei verschiedenen Arbeitgebern vorgestellt”, erinnert sich IFD-Mitarbeiterin Silvia Schirrwagen. Bei der Leipziger Wohnungsund Baugesellschaft mbH (LWB) passte alles: Nach vier Monaten im Hausmeisterservice hatte der schwerbehinderte Praktikant einen Arbeitsvertrag in der Tasche. „Marcel Walther hat uns durch seine freundliche und zupackende Art überzeugt”, sagt Betriebsleiter Uwe Bittner. Mit mehr als 35.000 Wohnungen ist die LWB das größte kommunale Wohnungsunternehmen in Sachsen. Im Hausmeisterservice sind 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Von den insgesamt acht schwerbehinderten Beschäftigten kommen ursprünglich fünf aus einer Werkstatt.

Marcel W Marcel Walther und sein Kollege schneiden gemeinsam eine Hecke, © Wolfgang H. Schmidt
Marcel Walther (rechts) bei der gemeinsamen Gartenarbeit mit seinem Kollegen, © Wolfgang H. Schmidt
alther gehört seit sechs Jahren dazu. Mit zwei nicht behinderten Kollegen bildet er ein festes Team. Morgens um sieben Uhr fahren sie gemeinsam zu einer der vielen Wohnanlagen, die der LWB-Hausmeisterservice betreut. Dort pflegen sie die Grünanlagen. Der Mitarbeiter mit Behinderung hilft unter Anleitung mit: Er mäht Rasen, schneidet Hecken, pflegt Beete und räumt im Winter Schnee von den Gehwegen. Im Lauf der Zeit hat er gelernt, mit den verschiedenen Arbeitsgeräten, wie Heckenschere, Rasenmäher und Motorsense, sicher umzugehen. Wenn am Ende des Tages alles ordentlich und sauber aussieht, ist Marcel Walther stolz auf seine Arbeit.

Das „Wir” zählt Ein gutes Miteinander im Team ist Betriebsleiter Uwe Bittner besonders wichtig. Eine „tolle Sache” sind für ihn deshalb Inhouse-Schulungen, die unter anderem vom IFD durchgeführt werden. „Hier klären wir die Kollegen über Auswirkungen von Lern- und geistiger Behinderung auf und geben Tipps im Umgang mit Konflikten. Das Ziel ist, eine sichere und verantwortungsbewusste Kommunikation zwischen Kollegen mit und ohne Behinderung zu fördern”, sagt Silvia Schirrwagen vom IFD. Bei der LWB wurden zuerst die Vorarbeiter und Teammanager geschult, später die übrigen Kollegen. Die Kosten übernahm das Integrationsamt beim Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV).Die Einstellung von Marcel Walther wurde durch das sächsische Förderprogramm ”Spurwechsel” unterstützt. Darüber hinaus erhielt der Betrieb einen Eingliederungszuschuss von der Agentur für Arbeit. Das KSV-Integrationsamt zahlt einen laufenden Zuschuss zum Ausgleich der personellen Unterstützung am Arbeitsplatz und es förderte die Anschaffung eines Aufsitzrasentraktors. Zu seinen ehemaligen Kollegen aus der Werkstatt hält Marcel Walther Kontakt. Er ist einer der wenigen Werkstattmitarbeiter, die den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft haben. Marcel Walther hat nie aufgegeben: „Ich habe allen bewiesen, dass ich das kann.”

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2020 2019 2018 2017
2016 2015 2014 2013
2012 2011 2010 2009
2008 2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.