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Beruf

Heike Schaber malt Buchstaben auf die Hand ZB 4/2009

Beispiele aus der Praxis

"Ich wollte es schaffen und niemand wollte mich scheitern lassen!"

Mit 33 Jahren erlitt Heike Schaber einen Schlaganfall. Dank ihres starken Willens und der Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen ist es der Sekretärin gelungen, beruflich wieder Fuß zu fassen.

Heike Schaber strahlt Zuversicht und Energie aus. Diese persönliche Stärke hat ihr auch geholfen, als sie schwer erkrankte: Im Alter von 33 Jahren erlitt sie einen Schlaganfall. Zu der Zeit war sie als Chefsekretärin im Vertrieb des Halbleiterkonzerns Infineon Technologies AG in Neubiberg bei München beschäftigt. Infolge der Erkrankung hatte sie massive Sprach- und Sprechstörungen, die auch das Lesen, Schreiben und die Zahlenverarbeitung beeinträchtigten. Zusätzlich waren feinmotorische Bewegungen mit der rechten Hand stark erschwert.

Ausbaufähige Teamassistenten-Stelle

Nach einer zehnwöchigen stationären Rehabilitation nahm sie von Oktober 2004 bis März 2005 an einer medizinisch-beruflichen Maßnahme in der Praxis für ambulante neurologische Komplexbehandlung und Nachsorge von Professor Dr. Fries in München teil. Hier wurde sie gezielt gefördert und auf die Rückkehr in den Beruf vorbereitet. „Mein größtes Ziel war, wieder arbeiten zu dürfen“, so Heike Schaber. Die Praxis Fries begleitete auch die stufenweise Wiedereingliederung ab April 2005 und hatte alles im Vorfeld mit dem Arbeitgeber und der Krankenversicherung als Kostenträger geregelt. Bei einem Ortstermin bei Infineon besprachen zwei Mitarbeiterinnen der Praxis Fries, der Vorgesetzte Jörg Wagner und Heike Schaber die Einzelheiten der Wiedereingliederung: Zum Einstieg erhielt sie eine leichte, ausbaufähige Teamassistentenstelle in ihrer früheren Abteilung, der „Internal Sales“. Ihr Arbeitsplatz, ein Vorzimmer, war gut abgegrenzt und sie konnte die Tür schließen, um Lärm und andere Störfaktoren auszuschalten. Die Arbeitszeit betrug anfangs 20Wochenstunden und erhöhte sich monatlich um fünf Stunden pro Woche.

Wohlwollender Chef

„Ich hatte einen herzlichen Empfang“, erinnert sich Heike Schaber an ihre Rückkehr ins Büro. Ihr Vorgesetzter hatte das Team informiert, so dass die Kollegen mit der besonderen Situation umgehen konnten. Kundenkontakt hatte die Sekretärin anfangs nur zu Übungszwecken, zum Beispiel, um einen Termin am Telefon zu bestätigen. Zunächst konnte Heike Schaber mit kleinen leichten Projektarbeiten den Kollegen zuarbeiten. „Wir haben gesehen, dass ihr Wille, in den Beruf zurück zu kommen, enorm war und sie machte große Fortschritte“, so der Abteilungsleiter Jörg Wagner. Ende Juli 2005 war die berufliche Wiedereingliederung erfolgreich abgeschlossen. Seither arbeitet Heike Schaber wieder in Vollzeit. Nach drei Reorganisationen, bei denen sie intern versetzt wurde, hat sie sich in einem neuen Umfeld behauptet und eine gleichwertige Position wie vor ihrer Erkrankung erreicht. Dies ist möglich, weil ihr heutiger Chef Verständnis zeigt, wenn Fehler vorkommen. Wichtige, komplexe Daten und Zahlen erhält Heike Schaber zum Beispiel schriftlich. Ihr Englisch muss sich noch verbessern, wie Heike Schaber selbstkritisch feststellt. „Müsste ich mich heute auf dem Arbeitsmarkt bewerben, müsste ich bestimmt qualitative und finanzielle Einbußen hinnehmen. Ich wollte es wieder schaffen und niemand wollte mich scheitern lassen.“

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