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&
Beruf

ZB 4/2009

Beispiele aus der Praxis

"Die vertraute Arbeitsumgebun Paul Bisheimer programmiert eine Produktionsanlage g hat Kräfte mobilisiert"

Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma hat der junge Zerspanungsmechaniker Paul Bisheimer sich den Weg zurück in ein normales Leben und in seinen erlernten Beruf erkämpft.

Die Erinnerung an seinen schweren Autounfall im August 2005 ist ausgelöscht. Vier Wochen lag der damals 19-jährige Paul Bisheimer, der ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte, im Koma. Als er erwachte, konnte er zunächst nicht sprechen und die linke Körperseite war gelähmt. Völlig offen war zu dieser Zeit auch, ob der junge Mann aus Andernach, der ein halbes Jahr zuvor seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker mit Fachrichtung Drehtechnik als Jahrgangsbester abgeschlossen hatte, je wieder an seinen Arbeitsplatz würde zurückkehren können.

Erste Station: Ausbildungswerkstatt

Ein ganzes Jahr verbrachte Paul Bisheimer zur Rehabilitation in der BDH-Klinik im rheinland-pfälzischen Vallendar. „Nach dem Unfall musste ich alles neu lernen: sprechen, essen, sitzen, gehen …“ Mit großer Willensstärke absolvierte er ein intensives therapeutisches Programm. Während die körperlichen Funktionen nahezu vollständig wieder hergestellt werden konnten, war vor allem sein Kurzzeitgedächtnis noch stark beeinträchtigt. Aus dem lebenslustigen Autofan war durch den Unfall ein in sich gekehrter, stiller junger Mann geworden. „Im Arbeitsbereich unserer Einrichtung haben wir ihn auf die Wiedereingliederung in den Betrieb vorbereitet. Die vertraute Umgebung mit den Werkzeugen und dem Geruch des Metalls haben Kräfte in ihm mobilisiert“, erklärt Lothar Lehmler, leitender Berufspädagoge an der BDH-Klinik in Vallendar. Zurück in der Firma machte Paul Bisheimer ein mehrwöchiges Praktikum in der Ausbildungswerkstatt seines Arbeitgebers, der Integral Accumulator KG in Remagen. Das mittelständische Unternehmen fertigt Hydrospeicher und Ventile für die Automobilindustrie. Der Ausbildungsleiter wurde nach Anleitung durch den Berufspädagogen sein Mentor.

Missverständnis der Kollegen

Schließlich konnte Paul Bisheimer im Rahmen einer stufenweisen Wiedereingliederung, die fast ein Jahr dauerte und von der Rentenversicherung finanziert wurde, an seinem alten Arbeitsplatz eingesetzt werden. Dort führte er anfangs zwei bis drei Tage die Woche einfache Tätigkeiten an CNC-Maschinen aus. Als Gedächtnisstütze für den Ablauf der Arbeitsgänge diente ihm ein von der Rentenversicherung bereit gestelltes Laptop mit Checklisten. „Fast wäre die Wiedereingliederung doch noch gescheitert“, so Lothar Lehmler, der den Eingliederungsprozess eng begleitete. Die Kollegen, die nicht wussten, was mit Paul Bisheimer los war, hatten den jungen Mann mit schwierigen Aufgaben „getestet“ und tief verunsichert. „Das hätte nicht passieren dürfen, aber wir haben daraus gelernt“, so der Leiter der Vorfertigung Christoph Lindner, der mit den Kollegen anschließend ein klärendes Gespräch führte. Um eine Überforderung zu vermeiden, stellte die Firma den behinderten Mitarbeiter zunächst als Maschinenbediener wieder ein. Dank seiner guten Leistungen ist Paul Bisheimer, der auch wieder Auto fährt, inzwischen in seiner ursprünglichen Position als Maschinenrüster tätig. Akzeptiert von den Kollegen und geschätzt von seinem Chef, der sagt: „Ich bin froh, dass wir ihn haben“.

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