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Christian Köhler am Computer / (c) privat ZB 4/2010

Ganz anders als andere Menschen

Christian Köhler hat Glück gehabt: kleine Firma, anspruchsvolle Arbeit, ein Job, der ihm Spaß macht. Der 33-Jährige aus Hattingen in Westfalen entwickelt Computerspiele. Dass er Autist ist, hat er erst spät erfahren.

„Als die Diagnose gesichert war, habe ich es irgendwann meinem Chef erzählt. Der hat es eigentlich ganz locker genommen und sagte, er hätte so etwas schon vermutet. Von daher war das eigentlich kein Problem“, sagt Christian Köhler. Doch vieles lief in seinem Leben bisher überhaupt nicht gut. Warum, wurde ihm erst klar, als er vor vier Jahren zu dem Kölner Psychotherapeuten Professor Dr. Kai Vogeley kam. Dieser leitet eine spezielle Autisten-Sprechstunde für Erwachsene: „Die Personen, die zu uns kommen, haben Schwierigkeiten mit ihrem Alltagsleben. Sie sagen: Ich weiß nicht was mit mir los ist, aber ich bin ganz anders als andere Menschen. Die  schauen sich zum Beispiel an, tauschen Blicke aus und wissen dann ganz viel voneinander. Ich weiß nicht, wie sie das machen.“

Frühe Auffälligkeiten

Christian Köhler hatte zwar in seiner Schulzeit vereinzelt Freunde, trotzdem fühlte er sich oft als Außenseiter. Immer wieder gab es Konflikte mit anderen. „Das machte mir schwer zu schaffen. Ich bin depressiv und ängstlich geworden“, sagt Christian Köhler. Dass etwas mit ihm nicht stimmte, zeigte sich schon früh. Als Saugling schrie er sehr viel und erlernte verzögert sprechen. Seine Mutter Lena Schumann erinnert sich: "Auf dem Kinderspielplatz konnte er es nicht ertragen, wenn er auf die Rutsche ging und ein anderes Kind dicht hinter ihm war. Dann drehte er sich um und schrie und wurde ganz wild. Die anderen Eltern beschwerten sich, er sei aggressiv und schlecht erzogen."

Späte Diagnose

Christian Köhler kam in einem Sonderkindergarten, konnte später aber auf eine "normale Grundschule" gehen. Er hatte gute Noten und wusste schon mit sieben Jahren, wie man ein Radio baut. Obwohl Christian Köhler sogar drei Jahre lang Schülersprecher war und ihm dies eine gewisse Anerkennung einbrachte, geriet er immer wieder auch durch auffälliges Verhalten in Schwierigkeiten. Nach dem Einser-Abitur begann Christian Köhler an der Technischen Hochschule in Aachen Informatik zu studieren. Doch mit dem in seinen Augen wenig strukturierten Studium kam er überhaupt nicht zurecht und brach es ab. Stattdessen machte er im IT-Bereich der Hochschule eine Ausbildung zum mathematisch-technischen Assistenten und schaffte auch den beruflichen Einstieg in einer Spiele-Firma.

Doch nach wie vor litt er unter seinem Anderssein. Erst mit der Diagnose "Autismus" im Jahr 2006 gelang es ihm, die Dinge einzuordnen. Geholfen hat ihm dabei auch Autismo, eine auf Autismus spezialisierte  psychologische Praxis in Bochum, wo er zweieinhalb Jahre lang eine Art "Hilfe zur Selbsthilfe" erhielt.

Sich selbst akzeptieren

Christian Köhler ist froh, dass er in einer kreativen Branche arbeitet, in der Menschen, die anders sind, nicht so schnell unangenehm auffallen. "Ich glaube, gewisse kleine Macken zu haben, ist da vielleicht sogar eher Berufsvoraussetzung als Hinderungsgrund." Seitdem er sein Anderssein angenommen hat, fühlt sich Christian Köhler viel besser. Er betreibt sogar einen eigenen Blog im Internet, wo er über seine persönlichen Erfahrungen berichtet. Auch der Sport bedeutet Christian Köhler, der in einem Speedskating-Verein aktiv ist, viel: "Er hat mich selbstbewusster gemacht und ermöglicht mir soziale Kontakte." Vor Kurzem nahm er am Köln-Marathon teil - als einer von vielen tausend begeisterten Skatern.

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