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ZB 4/2012

Aufgesprungen statt abgehängt

Stefan Siebert und sein Chef, (c) Thomas Steppacher
Stefan Siebert und sein Chef, (c) Thomas Steppacher
Der gehörlose Stefan Siebert (52) hat sich im Umgang mit einer neuen
Software für technische Zeichnungen weiter qualifiziert. Und damit
seinen Arbeitsplatz gesichert.

Im Sommer 2009 brachen für die Firma Acument im baden-württembergischen Dürbheim schwere Zeiten an. Wegen der Wirtschaftskrise musste der Automobilzulieferer Insolvenz anmelden. Wie viele seiner Kollegen fürchtete auch Stefan Siebert damals um seinen Arbeitsplatz. Der gehörlose Konstrukteur entwickelte seit fast zehn Jahren bei Acument Werkzeuge für den Bau von Automobilteilen als Prototypen.

Die technischen Zeichnungen erstellten er und seine Kollegen in der Abteilung Musterbau mit der Software Auto-CAD. In der Automobilbranche inzwischen ein Auslaufmodell. Standard ist heute das Programm „Catia“. Es erlaubt ein wesentlich effizienteres Arbeiten als Auto-CAD. Beispielsweise ist damit eine Datenübertragung an Kooperationsfirmen oder Kunden möglich. Aufträge können schneller abgewickelt werden.

Vor etwa zwei Jahren, als der Fortbestand des Betriebes gesichert war, führte die Firma schrittweise das neue Programm ein. „Ich wusste, wenn ich nicht auf den Zug aufspringe, laufe ich Gefahr, ausgemustert zu werden“, sagt Stefan Siebert. Also meldete sich der damals 50-Jährige für die Catia-Schulungen an. Finanziert wurde die Weiterbildung über Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit.

Um dem Unterricht folgen zu können, benötigte Stefan Siebert wegen seiner Hörbehinderung zusätzlich einen Gebärdensprachdolmetscher. Bei der Beschaffung dieser Hilfe war ihm die Fachberaterin für hörgeschädigte Menschen beim Integrationsfachdienst Schwarzwald-Baar-Heuberg, Anne-Sofie Susdorf, behilflich. An jedem der zwölf Schulungstage waren zwei Dolmetscher abwechselnd im Einsatz, weil das Übersetzen über mehrere Stunden sehr anstrengend ist. Die Kosten übernahm das KVJS-Integrationsamt Baden-Württemberg.

Inzwischen ist sein alter Arbeitgeber mit rund 160 Beschäftigten von der österreichisch-kanadischen Firma Magna International übernommen worden, die sehr genau auf die Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten der Mitarbeiter schaut. Durch die gute Auftragslage und dank seiner Fachkenntnisse sitzt Stefan Siebert beruflich wieder fest im Sattel. Heute fertigt er gut 90 Prozent seiner Konstruktionszeichnungen mit Catia an. „Er macht das sehr gut. Die Schulung hat sich gelohnt“, bestätigt Dietmar Kupferschmid, der die Abteilung Musterbau leitet und mit Stefan Siebert eng zusammenarbeitet.

Dietmar Kupferschmid, (c.) privat
(c) Thomas Steppacher
„Ohne die Weiterbildung hätte Stefan Siebert in der Firma langfristig nicht mehr beschäftigt werden können. Und auf dem Arbeitsmarkt hätte er mit seinen veralteten Kenntnissen ebenfalls kaum Chancen gehabt.“ 

Dietmar Kupferschmid, Leiter Musterbau, Magna International Stanztechnik GmbH, Dürbheim/Baden-Württemberg

 

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