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Beruf

ZB 4-2015

Beispiel Einzelhandel

Die Kräfte schonen

Diagnose Krebs: Vor eineinhalb Jahren traf sie Uwe Mehlhase. Der Fleischer fiel von jetzt auf gleich an seinem Arbeitsplatz in einer Edeka-Filiale in Ludwigsfelde in Brandenburg aus. Heute freut er sich, wieder angekommen zu sein.

Uwe Mehlhase wiegt ein Stück Fleisch an der Fleischtheke des Supermarktes, (c) Claudius Pflug
Eine Umschulung kam für ihn nicht infrage: Uwe Mehlhase (r.) liebt seine Arbeit und den Kundenkontakt, (c) Claudius Pflug
Nach seiner Krebs-Diagnose unterzog sich Uwe Mehlhase einer Therapie, wurde operiert und verbrachte anschließend einige Wochen in der Reha. "Über sechs Monate lang bin ich dadurch bei der Arbeit ausgefallen", erinnert er sich. Neben den Ängsten um die Gesundheit kamen schnell auch Bedenken um die Zeit danach. "Ich habe mir schon ganz schön Sorgen gemacht, ob ich wieder zurück in den Job kann. In der Reha-Klinik hatte ich auch Gespräche über mögliche Umschulungen. Aber im Büro sitzen, das ist eigentlich gar nicht mein Ding", sagt der 51-Jährige.

Nicht allein gelassen Doch mit seinen Sorgen allein gelassen fühlte sich der Fleischer nicht. Früh hatte er seinem Arbeitgeber Hermann Specht von seiner Erkrankung erzählt. "Das war gut. So konnten wir frühzeitig planen, wie es weitergehen könnte", erklärt der Inhaber der Edeka-Filiale. Hilfreich war zudem die Beratung durch das Integrationsamt beim Landesamt für Soziales und Versorgung in Brandenburg, mit dem Hermann Specht ohnehin schon im Gespräch stand. Denn geplant ist der Aufbau einer Integrationsabteilung mit sechs schwerbehinderten Mitarbeitern für den Online-Versand. Doch anders als die berufliche Wiedereingliederung von Uwe Mehlhase liegt dieses Projekt noch in der Zukunft.

Das positive Ergebnis Gemeinsam dachten Arbeitgeber und Arbeitnehmer zunächst an eine stufenweise Wiedereingliederung. Doch aufgrund des langen Arbeitsweges von Uwe Mehlhase entschieden sie sich anders: "Ich wollte es gleich wieder Vollzeit probieren. Herr Specht hat mir versichert, wenn es zu schwer wird, finden wir eine Lösung", erinnert sich Uwe Mehlhase. Seit acht Monaten arbeitet der 51-Jährige wieder hinter der Fleischtheke und fühlt sich gut. "Wichtig war mir, dass er sich nicht übernimmt und gesund bleibt. Seinen Beruf macht er sehr engagiert. Das wollten wir unbedingt erhalten", verdeutlicht Hermann Specht.

Uwe Mehlhase und sein Kollege heben gemeinsam vor dem Wurstregal eine blaue Kiste, (c) Claudius Pflu
Ein Kollege hilft, wenn es etwas Schweres zu heben gibt, (c) Claudius Pflug
Nicht mehr so wie vorher
Dennoch gibt es Einschränkungen, mit denen Uwe Mehlhase, der einen bis 2020 gültigen Schwerbehindertenausweis hat, den Arbeitstag meistern muss. Besonders das Heben und Tragen fällt ihm schwer, beispielsweise wenn er ankommende Ware entgegennimmt oder bei der Wurstverarbeitung Fleischrohmasse bewegen muss. Konnte er früher mit solchen Gewichten problemlos umgehen, ist heute bei fünf Kilogramm Schluss. "Meine Kollegen unterstützen mich sehr, wenn es etwas Schweres zu heben gibt, helfen sie sofort", so Uwe Mehlhase. Derzeit prüft das Integrationsamt, wie der Arbeitsplatz behinderungsgerecht angepasst werden kann, sodass ein 100-prozentiger Einsatz möglich ist. Falls dies nicht geht, wird das Integrationsamt gemeinsam mit dem Integrationsfachdienst im nächsten Schritt einen finanziellen Ausgleich der außergewöhnlichen Belastung prüfen. Eins steht für Uwe Mehlhase aber schon fest: Die berufliche Wiedereingliederung ist geglückt.

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Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.