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Behinderung
&
Beruf

ZB 4-2015

Beispiel Metallverarbeitung

Den Rhythmus finden

Mehrere hunderttausend Menschen erkranken jährlich an Krebs. Einer von ihnen war im Jahr 2011 Dirk Lechner. Der damals 44-jährige Mitarbeiter in der Montage bei SKF in Niedersachsen fiel für ein Jahr aus.

Dirk Lechner in der Werkstatt, vor ihm Radlager in zwei Reihen, im Hintergrund die Hängekrananlage,
Glücklich mit dem neuen Arbeitsplatz: Dirk Lechner nach seiner Krebserkrankung, (c) Claudius Pflug
Dirk Lechner in der Werkstatt, vor ihm Radlager in zwei Reihen, im Hintergrund die Hängekrananlage,"Mehrere Monate habe ich eine Chemotherapie bekommen, die bei mir zum Glück gut angeschlagen hat", blickt Dirk Lechner heute zurück. "Ich bin mit der Diagnose Lymphdrüsenkrebs, denke ich, von Anfang an ganz gut umgegangen und für mich war immer klar, dass ich zurückkomme, wenn es mir wieder besser geht", beschreibt er weiter. Zugute kam ihm dabei, dass SKF ein Großunternehmen mit einem fest verankerten Betrieblichen Eingliederungsmanagement ist. Schon während seines beruflichen Ausfalls stand er in Kontakt mit der Schwerbehindertenvertretung Terens Baudis und dem Betriebsarzt.

Belastungen Denn schnell war klar: Seinen alten Platz bei SKF würde er nicht wieder aufnehmen können. "Ich habe im Schichtdienst gearbeitet, also immer eine Woche in der Früh-, Spät- oder Nachtschicht, was sehr anstrengend ist", erklärt der 48-Jährige. "Hinzu kam, dass ich in der Montage in einer Fertigungslinie eingesetzt war, bei der große, mitunter zehn Kilogramm schwere Teile bewegt werden mussten – zum Beispiel für Lkw-Radlager. Sie werden dort geschliffen, montiert und verpackt, dafür muss man die körperlichen Voraussetzungen haben. Nach meiner Erkrankung hatte ich die nicht mehr", so der Monteur weiter.

Dirk Lechner und der Schwerbehindertenvertreter Terens Baudis neben der Hängekrananlage, (c) Claudi
Der Schwerbehindertenvertreter Terens Baudis (l.) hat die behinderungsgerechte Einrichtung des Arbeitsplatzes unterstützt, (c) Claudius Pflug
Neue Stelle
"Aufgrund dieses Wissens haben wir schon frühzeitig nach einer neuen Stelle im Unternehmen für Herrn Lechner gesucht, bei der weder die Belastung durch die Schichtarbeit noch durch schweres Heben und Tragen vorhanden sein sollte", erklärt die Schwerbehindertenvertretung Terens Baudis. Und es hat geklappt: Dirk Lechner fand den Weg zurück in das Berufsleben – stufenweise. Erst arbeitete er zwei Wochen vier Stunden pro Tag, dann zwei Wochen sechs Stunden und dann wieder Vollzeit. "Am Anfang war es eine ganz schöne Umstellung, zu Hause war ich einfach viel ausgeruhter. Erst mal wieder in den Rhythmus zu finden, das hat eine ganze Zeit gedauert. Ich bin einfach nicht mehr so belastbar, sowohl körperlich als auch psychisch", sagt Dirk Lechner.

Wiedereingliederung erfolgreich Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt. Heute ist er sehr glücklich mit seiner neuen Stelle, bei der er mit weiteren ebenfalls behinderten Mitarbeitern von sechs bis 14 Uhr zusammenarbeitet. Zugute kommen den Beschäftigten dort Hebehilfen und eine ganz neu installierte Hängekrananlage, die die Arbeit ebenfalls erleichtert. Die Anlage wurde finanziell gefördert vom Integrationsamt beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie.

 

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Stufenweise Wiedereingliederung

Hierbei handelt es sich um eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme. Stufenweise sollen dabei Beschäftigte, die längere Zeit arbeitsunfähig waren, wieder an die Belastungen ihres Arbeitsplatzes herangeführt werden. Zum Beispiel, indem der Betroffene anfangs nur wenige Stunden täglich arbeitet oder leichtere Tätigkeiten übernimmt. Er bleibt im arbeitsrechtlichen Sinne arbeitsunfähig und erhält in der Regel Krankengeld.

 

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Slideshow "Arbeiten nach Krebs – Den Rhythmus finden"

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.