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ZB 4-2016

Interview

Gewachsenes Verständnis

"Die Auseinandersetzung in der Sache ist unser täglich Brot!", erklärt Markus Hofmann, Abteilungsleiter Sozialpolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), im Gespräch mit der ZB.

Porträt von Markus Hofmann, (c) Terbach/DRV-Bund
Markus Hofmann, Abteilungsleiter Sozialpolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), (c) Terbach/DRV-Bund
Herr Hofmann, Sie haben die Sicherung der Teilhabe behinderter Menschen zu einem Ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht. Was ist hier besonders wichtig?

Markus Hofmann Der DGB setzt sich beispielsweise für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen ein. Aktuell drängen wir gemeinsam mit dem Deutschen Behindertenrat und weiteren Verbänden auf Nachbesserungen am geplanten Bundesteilhabegesetz. Eine Forderung ist, dass Entscheidungen von Arbeitgebern, die schwerbehinderte Menschen betreffen, unwirksam sind, wenn die Vertrauensperson zuvor nicht beteiligt wurde.

Ihre Mitgliedsgewerkschaften leisten auch Aufklärungsarbeit. Was kann sie bewirken?

Hofmann Sehr viel! Wir stellen fest, dass durch den stetigen Dialog das Verständnis für schwerbehinderte Menschen und  ihre Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt in den Unternehmen deutlich gewachsen ist. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Nachteilsausgleiche keine Privilegien sind, sondern Chancengleichheit herstellen sollen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung ist selbstverständlicher und enger geworden.

Das werden nicht alle so sehen ...

Hofmann Sicher, es gibt hin und wieder auch schwierige Beziehungen. Aber man sollte kein Gegeneinander konstruieren, wo es im Allgemeinen gut läuft.

Der Gesetzentwurf zum Bundesteilhabegesetz unterstützt Integrationsvereinbarungen – ist das der richtige Weg?

Hofmann Man kann damit viel bewirken, weil Integrationsvereinbarungen konkrete und verbindliche Maßnahmen enthalten. Außerdem stoßen sie einen wichtigen Dialogprozess zwischen Arbeitgeber, Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung an!

Doch oftmals können sich die Partner nicht einigen ...

Hofmann Die Auseinandersetzung in der Sache ist unser täglich Brot! Wir müssen der Arbeitgeberseite deutlich machen, wie das Unternehmen davon profitiert. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Unternehmen mit Betriebsrat in der Regel produktiver und innovativer sind.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Änderungen im BetrVG

Ab 1. Januar 2017 sollen die folgenden Änderungen im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) in Kraft treten:

  • Die Aufgaben des Betriebsrates werden erweitert um die "Förderung des Abschlusses von Inklusionsvereinbarungen" (§ 80 BetrVG).
  • Die "Eingliederung schwerbehinderter Menschen" wird in die Liste möglicher Themen für eine Betriebsvereinbarung aufgenommen (§ 88 BetrVG).
  • Der Betriebsrat kann dem Arbeitgeber Vorschläge zur Personalplanung machen, die der Eingliederung schwerbehinderter Menschen dienen (§ 92 BetrVG).

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.