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Beruf

ZB 4-2016

Beispiel: Eisengießerei

An einem Strang ziehen

Im Eisenwerk Erla in Sachsen arbeiten Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung Hand in Hand – mit sichtbarem Erfolg.

Rico Weißflog im Gespräch mit einer Kollegin in der Eisengießerei, (c) Wolfgang Schmidt
Alles in Ordnung? Rico Weißflog sucht das Gespräch mit den Kollegen, (c) Wolfgang Schmidt
Sie sind ein eingespieltes Team: Harry Rosen und Rico Weißflog. Der eine ist Betriebsrat, der andere Schwerbehindertenvertreter. Beide haben vor drei Jahren begonnen. "Wir waren uns damals einig, dass wir eng zusammenarbeiten wollen", sagt Harry Rosen. Und sein Kollege bestätigt: "Heute denkt jeder für den anderen mit." Nach ihrer Wahl haben sie gemeinsam den Grund- und Aufbaukurs beim Integrationsamt im Kommunalen Sozialverband Sachsen in Chemnitz besucht. Der Vorteil: "Man diskutiert im Alltag auf Augenhöhe", erklärt Rico Weißflog.

Frischer Wind statt Routine Trotz bisweilen unterschiedlicher Ansichten ziehen beide an einem Strang. "Ich will etwas bewegen", sagt Harry Rosen, der den Vorsitz im neunköpfigen Betriebsrat hat. Und er fährt fort: "Deshalb habe ich für das Amt kandidiert." Auf das seither Geleistete ist er ein wenig stolz: Ein neuer Haustarifvertrag und mehrere neue Betriebsvereinbarungen sind abgeschlossen, eine Integrationsvereinbarung soll folgen.

Während Harry Rosen sich als freigestellter Interessenvertreter ganz auf die Betriebsratsarbeit konzentrieren kann, arbeitet Rico Weißflog weiter Vollzeit im Schichtdienst. Umso mehr ist der Vertrauensmann froh darüber, dass Harry Rosen manche Arbeit für ihn gleich miterledigt. Etwa beim Gang ins Personalbüro. Umgekehrt schätzt dieser Rico Weißflogs beharrliche Art, nach praktischen Lösungen zu suchen: "Er informiert sich genau darüber, was alles möglich ist." Davon profitiert auch der Betriebsrat, an dessen Sitzungen die Schwerbehindertenvertretung teilnimmt.

Betriebsrat Harry Rosen im Gespräch mit einem Kollegen, (c) Wolfgang Schmidt
Betriebsrat Harry Rosen (re.) engagiert sich für gute Arbeitsbedingungen in der Eisengießerei, (c) Wolfgang Schmidt
Täglich am Schmelzofen
Immer wieder müssen sich die Interessenvertreter mit Fragen des Arbeits- und  Gesundheitsschutzes befassen. "Die Arbeit in einer Eisengießerei ist körperlich anstrengend", sagt Rico Weißflog, der im Auspackbereich der Hauptformanlage tätig ist. Nicht alle Mitarbeiter sind gesundheitlich in der Lage, dieser Arbeit bis ins Rentenalter nachzugehen. Deshalb suchen Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und Sicherheitsbeauftragte gemeinsam nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten im Unternehmen. "Bisher haben wir mit den Verantwortlichen fast immer eine Lösung gefunden", berichtet Harry Rosen.

Der Betriebsratsvorsitzende bereitet sich akribisch auf die Gespräche mit dem Arbeitgeber vor. "Dort bin ich dafür bekannt, dass ich alle anstehenden Probleme konkret anspreche und dabei darauf dränge, eine Lösung gemeinsam zu erarbeiten, auch wenn die das Unternehmen erstmal Geld kostet." Doch vielleicht ist es gerade diese Entschlossenheit, gepaart mit Sachkenntnis, die Harry Rosen den Respekt des Arbeitgebers eingebracht hat.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Eisenwerk Erla, Schwarzenberg/ Erzgebirge

Die 1380 gegründete Eisengießerei gehört heute zur Dynamatic Technologies Limited Gruppe, ein Firmenverbund im Bereich Luftfahrt, Hydraulikgetriebe und Automobilindustrie. Sie beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, darunter etwa 70 Zeitarbeitnehmer. Von den fest angestellten Beschäftigten sind 19 schwerbehindert oder gleichgestellt.

 

Beispiel: Klinikversorger

Wissen teilen, Partnerschaft leben

Soziale Unternehmensführung und wirtschaftlicher Erfolg schließen einander nicht aus: Dies beweist die B. Braun Melsungen AG.

Peter Hohmann und Astrid Kramer im Labor, (c) Oliver Krato
Wo können wir leistungsgewandelte Mitarbeiter einsetzen?, (c) Oliver Krato
Interessenkonflikte? Birgit Wittich muss kurz nachdenken. "Nein, das habe ich noch nicht erlebt", sagt sie. Neben ihrer Aufgabe als Schwerbehindertenvertretung gehört sie auch dem Betriebsrat von B. Braun in Melsungen an. "Die Doppelfunktion hat eher Vorteile", erzählt die 60-Jährige. Sie sieht die Dinge von zwei Seiten, ist immer gut informiert. So erfährt sie zum Beispiel frühzeitig, wenn eine Stelle frei wird, auf der ein schwerbehinderter Mensch eingesetzt werden kann.

Überwiegend im Schichtbetrieb "Gleichwohl wurden die meisten Beschäftigten mit einer Behinderung bisher nicht gezielt eingestellt", räumt der Betriebsratsvorsitzende Peter Hohmann ein. Ihre Behinderung ist vielmehr im Laufe des Berufslebens eingetreten, nach jahrzehntelangen Wechselschichten. "Weil wir überwiegend im Schichtbetrieb laufen, ist es nicht einfach, für die leistungsgewandelten Kolleginnen und Kollegen einen anderen Arbeitsplatz zu finden", sagt Peter Hohmann. Deshalb hat der Betriebsrat gemeinsam mit der Schwerbehindertenvertretung eine Betriebsvereinbarung initiiert. Diese regelt seit Herbst 2016 die "Integration von leistungsgewandelten Beschäftigten". Wenn Maßnahmen zur Wiedereingliederung festgelegt werden, ist auf Wunsch des Betroffenen ein Mitglied des Betriebsrates dabei.

Birgit Wittich, Peter Hohmann und Astrid Kramer beraten sich, (c) Oliver Krato
Birgit Wittich, Peter Hohmann und die Arbeitgeberbeauftragte Astrid Kramer (von li.) beraten sich, (c) Oliver Krato o
Birgit Wittich beobachtet seit einiger Zeit mit Sorge, dass immer mehr Kollegen mit psychischen Störungen ausfallen. Eine Entwicklung, die dem allgemeinen Trend entspricht, die Vertrauensfrau dennoch alarmiert. "Es ist nur einem gut funktionierenden Betrieblichen Eingliederungsmanagement zu verdanken, dass die allermeisten wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können", erklärt Birgit Wittich.

Birgit Wittich an ihrem Bildschirmarbeitsplatz (c) Oliver Krato
SBV Birgit Wittich ist auch Betriebsrätin, (c) Oliver Krato

 

Soziale Verantwortung Die hohe Beschäftigungsquote von 7,3 Prozent zeigt, dass der Arbeitgeber seine soziale Verantwortung ernst nimmt. "Dabei spielt sicher eine Rolle, dass wir keine börsennotierte AG sind, sondern immer noch ein unabhängiges Familienunternehmen", sagt Peter Hohmann. Das Firmenmotto "Wissen teilen, Partnerschaft leben" charakterisiert auch die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und Arbeitgeber. Die B. Braun Melsungen AG hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro erzielt. Sie ist damit der beste Beweis, dass soziales Engagement und wirtschaftlicher Erfolg einander nicht ausschließen.

 

 

 

WEITERE INFORMATIONEN

B. Braun Melsungen AG, Melsungen/Hessen

Innerhalb von sechs Generationen hat sich das Unternehmen von einer Apotheke zum Konzern mit Standorten weltweit entwickelt. Stammsitz ist das nordhessische Melsungen. Dort beschäftigt B. Braun 6.700 Mitarbeiter. Mit insgesamt fast 490 schwerbehinderten Menschen liegt die Beschäftigungsquote bei 7,3 Prozent. Das Unternehmen stellt Produkte für die klinische Versorgung her, von der Infusionslösung über Nahtmaterial bis hin zu spezieller Ernährung für Krebspatienten.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.