Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

Das Bild zeigt einen aufgeklappten Laptop auf dem eine Videokonferenz abgehalten wird. Die teilnehme Homeoffice

Barrierearm auch in Pandemiezeiten

Welche Regeln gelten rund um Telearbeit und mobiles Arbeiten? Was ist für Beschäftigte mit Schwerbehinderung zu beachten? ZB erklärt.

ZB 4-2020

Barrierearm im Homeoffice

Das Bild zeigt zwei Finger auf einer Braillezeile.

Einen Heimarbeitsplatz gesund und sicher zu gestalten ist – je nach Art der Behinderung – mit besonderen Herausforderungen verbunden. Wie Homeoffice erfolgreich gelingt und worauf Arbeitgebende und Beschäftigte achten müssen, zeigt ZB.

Möglicherweise wird 2020 in die Geschichte eingehen – als das Jahr, in dem Homeoffice sich endgültig etabliert und durchgesetzt hat. War Ende 2019 nur jedes vierte Unternehmen in Deutschland bereit, den Mitarbeitenden Telearbeit oder mobiles Arbeiten anzubieten, sieht es einige Monate später schon anders aus. Das erste Halbjahr 2020 wurde zum unfreiwilligen Homeoffice-Experiment – mit dem Ergebnis: Mehr als jedes zweite Unternehmen will seine Beschäftigten auch künftig verstärkt von zu Hause arbeiten lassen. Zu diesem Ergebnis kam das Münchner Ifo-Institut in einer Studie. Ein Grund: Viele Unternehmen haben während der Pandemie beträchtliche Summen in die digitale Infrastruktur und neue Kommunikationstechnologien investiert.

Hybride Arbeitsmodelle. Dass Jobs in Zukunft vollständig ins Homeoffice verlagert werden, dürfte dennoch die Ausnahme bleiben. Der Mangel an sozialen Kontakten zu Hause könnte dauerhaft eine Belastung sein. Zudem lasse sich kreativer Austausch und der Transfer von Ideen und Wissen nicht vollständig ins Digitale verlagern, glauben die Fachleute der Ifo-Studie. Es sei deshalb „wahrscheinlicher, dass sich hybride Arbeitsmodelle zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice durchsetzen werden“.

Aber gibt es ein Recht auf Telearbeit, wie muss ein Homeoffice-Arbeitsplatz aussehen, gelten für Menschen mit Behinderung die gleichen Regeln und gibt es Zuschüsse für die Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen für Menschen mit Einschränkungen?

ZB hat für Arbeitgebende wichtige Fragen, Tipps und Regeln zusammengefasst.

Das Bild zeigt einen aufgeklappten Laptop auf dem eine Videokonferenz abgehalten wird. Die teilnehme ZB 4-2020

Häufige Fragen zum Homeoffice - auf einen Blick

 

1 Homeoffice. Telearbeit, mobiles Arbeiten – wie unterscheiden sie sich?

Homeoffice – die Arbeitsstättenverordnung spricht von Telearbeit – liegt dann vor, wenn der Arbeitsplatz daheim im Arbeitsvertrag oder in einer betrieblichen Vereinbarung geregelt ist, und zwar als fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz. Die benötigte Ausstattung mit Mobiliar und Arbeitsmitteln muss bereitgestellt und installiert werden. Bei der mobilen Arbeit stehen die Tätigkeit an wechselnden Arbeitsorten, zum Beispiel im Zug oder auf Dienstreisen, und der Fernzugriff auf die unternehmensinterne IT-Infrastruktur im Mittelpunkt. Ein Großteil des spontanen Homeoffice während der Corona-Pandemie fällt also unter mobiles Arbeiten, da hier meist keine Betriebsvereinbarung zugrunde lag/liegt.

 

2 Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?

Es müssen verschiedene Regelwerke beachtet werden, zum Beispiel das Betriebsverfassungsgesetz, das Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitsstättenverordnung, das Arbeitszeitgesetz sowie die Regeln und Vorschriften der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung.

 

3 Wer trägt die Verantwortung?

Die Fürsorgepflicht bleibt bei den Arbeitgebenden, ein Teil der Verantwortung für die Einhaltung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes liegt jedoch bei den Beschäftigten. Das heißt wiederum, dass die Beschäftigten im Vorfeld umfassend informiert und unterwiesen werden müssen. Grundsätzlich muss im Vorfeld der Einrichtung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes geprüft werden, ob die Beschäftigten dafür überhaupt persönlich geeignet sind und die Arbeitsaufgaben auch in Telearbeit erledigt werden können. Außerdem müssen Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet werden können.

 

4 Was gilt für Menschen mit Behinderung und Telearbeit?

Menschen mit Behinderung haben grundsätzlich die gleichen Zugangsmöglichkeiten zur Telearbeit wie alle anderen Beschäftigten im Unternehmen. Sie dürfen nicht schlechter gestellt werden als andere Arbeitnehmer. In manchen Fällen kann eine Behinderung auch ausreichende Begründung für Telearbeit sein. Das muss aber individuell entschieden werden (§ 611 Abs. 1 BGB i. V. m. § 164 Abs. 4 SGB IX).

 

5 Und was gilt für Menschen mit Behinderung, die mobil arbeiten?

Beschäftigte mit Behinderung, die beispielsweise im Außendienst beschäftigt sind oder anderweitig mobil arbeiten, benötigen eventuell ein behinderungsgerecht gestaltetes Arbeitsmittel. Wenn dies für ihre Tätigkeit unabdingbar und dieses auch verfügbar ist, wird dessen Einsatz vom technischen Beratungsdienst auch empfohlen.

 

6 Wer übernimmt die Kosten für die Einrichtung eines Telearbeitsplatzes?

Grundsätzlich ist es Aufgabe des Arbeitgebers, Telearbeitsplätze (wie andere Arbeitsplätze auch) mit Arbeitsmitteln auszustatten. Andere Verabredungen, wie zum Beispiel die teilweise oder gesamte Kostenübernahme durch die Beschäftigten, sollten in einer Dienstvereinbarung oder der Inklusionsvereinbarung festgehalten werden.

 

7 Beteiligt sich das Integrationsamt an den Kosten?

Für Beschäftigte mit Schwerbehinderung gilt: Auf Antrag kann das Integrationsamt die behinderungsbedingten Kosten, insofern keine vorrangige Verpflichtung des Rehabilitationsträgers besteht, bezuschussen. Dies gilt analog der Förderung der behinderungsbedingten Kosten an Arbeitsplätzen in den Unternehmen. Reine Pandemiefolgen können nicht ausgeglichen werden, sondern die Einrichtung des Homeoffice muss zusätzlich wegen der Behinderung erforderlich sein. Dies gilt beispielsweise, wenn der Weg zum Arbeitsplatz pandemiebedingt unzumutbar ist.

Weitere Fragen beantwortet Ihr Inklusions- oder Integrationsamt oder der Integrationsfachdienst.

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2021 2020 2019 2018
2017 2016 2015 2014
2013 2012 2011 2010
2009 2008 2007 2006
2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.