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Behinderung
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Das Team der ThyssenKrupp Mill Services & Systems GmbH

ZB 1/2010

ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH - Kein heißes Eisen

Neue Jobs für schwerbehinderte Menschen schaffen und dadurch qualifiziertes Personal entlasten: Ein Weg, der sich für ThyssenKrupp MillServices & Systems in vielerlei Hinsicht lohnt

Ilker Demirez schaltet den Hochdruckreiniger an und lenkt den Wasserstrahl auf die stark verschmutzten Borsten der Kehrmaschine. „Gut arbeiten“, sagt er in gebrochenem Deutsch und strahlt über das ganze Gesicht. Ilker Demirez ist hochgradig schwerhörig. Sieben Jahre war der gelernte Maschinenzurichter arbeitslos. Dann fand er eine unbefristete Anstellung: in der Fahrzeugwäsche bei der ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH auf dem Betriebsgelände der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) in Duisburg-Huckingen. Mit ihm haben sechs weitere schwerbehinderte Menschen im Oktober 2009 einen Job bei dem technischen Dienstleister für die Hütten und Stahlwerksindustrie erhalten.

In der Rezession ...

Im Unternehmen arbeiten rund 2.000 Beschäftigte, verteilt auf zwölf Standorte in Deutschland. 330 von ihnen übernehmen bei HKM das so genannte Schlackenmanagement, Aufgaben der innerbetrieblichen Logistik und Reinigungsarbeiten. Dass es ausgerechnet in der Rezession gelang, neue Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen einzurichten, darauf ist der Schwerbehindertenvertreter des Dienstleistungsunternehmens, Hans Tamse, besonders stolz. Er hatte vor zwei Jahren den Stein ins Rollen gebracht: „Wir haben nach einem Weg gesucht, unsere Schichtmeister von Tätigkeiten zu entlasten, die sie von ihren eigentlichen Aufgaben abhielten.“ Dies betraf zunächst den Standort Beeckerwerth auf dem Gelände der ThyssenKrupp Steel AG in Duisburg.

... ist es gelungen, ...

Die Mitarbeiter von ThyssenKrupp MillServices & Systems sind an verschiedenen Orten auf dem weitläufigen Gelände des Stahlherstellers eingesetzt, zum Beispiel an den Hochöfen. Dort sind sie extremer Hitze, starker Staub- und Schmutzbelastung und besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Weil sie wegen ihrer Arbeit keine Möglichkeit haben, persönliche Schutzausrüstung wie Arbeitskleidung oder auch Wasser direkt an den Ausgabestellen zu entnehmen, wurden sie bislang von den Schichtmeistern versorgt. Diese waren dadurch viel unterwegs, anstatt sich ganz um ihren Hauptjob kümmern zu können, der darin besteht, für einen reibungslosen Arbeitsablauf in ihrem Bereich zu sorgen.

Durch die Einrichtung einer Integrationsabteilung mit insgesamt vier schwerbehinderten Mitarbeitern hat sich dies geändert. Zwei von ihnen beliefern in der Früh- und Spätschicht die Beschäftigten mit den Dingen, die sie am Arbeitsplatz brauchen, um gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Die beiden anderen Kollegen waschen in der Nachtschicht die zur Straßenreinigung eingesetzten Kehrmaschinen. Früher haben dies die Kehrmaschinenfahrer zusätzlich erledigt. Auch sie werden jetzt entlastet. Außerdem trägt die nunmehr regelmäßige gründliche Reinigung dazu bei, die Wartungskosten zu senken. Denn die extreme Schmutzbelastung auf dem Werksgelände lässt die Fahrzeuge schneller verschleißen.

... produktive Arbeitsplätze ...

„Als ich unser Projekt in Beeckerswerth auf einer Betriebsversammlung vorgestellt habe, meldete sich der Standortleiter von Duisburg-Huckingen und sagte: ‚Das wäre auch etwas für uns. Ich kriege demnächst einen Auftrag, Straßen zu reinigen’“, erinnert sich Hans Tamse. So entstand kurz darauf die zweite Integrationsabteilung, in der auch Ilker Demirez arbeitet. „Ich hatte ein bisschen Sorge“, gesteht der Schwerbehindertenvertreter mit Blick auf den hörgeschädigten Mitarbeiter, „wie kommunizieren die Kollegen mit ihm?“ Aber dann hat sich gezeigt: „Es klappt mit Händen und Füßen.“ Wenn die Arbeitseinstellung stimmt, ist die Behinderung meist kein Problem, so die Erfahrung im Betrieb. Bisher hat nur ein Bewerber die Probezeit nicht überstanden: „Es lag nicht an seiner körperlichen Verfassung oder an psychischen Problemen. Er hätte es eigentlich packen müssen. Aber er schaute lieber seinen Kollegen bei der Arbeit zu, als selbst mit anzupacken“, erklärt Hans Tamse.

... für besonders benachteiligte ...

Die beiden Integrationsabteilungen sind ein voller Erfolg. „Die behinderten Kollegen machen einen tollen Job“, freut sich der Geschäftsführer von ThyssenKrupp MillServices & Systems, Jörg Schürmann. Auch Markus Bistram, Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft TyssenKrupp Materials International GmbH, ist begeistert: „Das Integrationsprojekt ist ein Vorzeigeprojekt, das sich geradezu anbietet, Schule zu machen, weil für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation entsteht.“ Die hohen Investitionen scheinen sich damit auf lange Sicht zu lohnen. In Beeckerwerth hat das Unternehmen zur Schaffung von vier neuen Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen rund 100.000 Euro investiert. Darin enthalten sind Anschaffungskosten für Transportfahrzeuge, Ausstattung der Personalräume, Hochdruckreiniger und eine Beleuchtungsanlage für den Waschplatz. In den Aufbau der Integrationsabteilung in Duisburg-Huckingen mit sieben schwerbehinderten Beschäftigten hat das Unternehmen 305.000 Euro gesteckt.

Einen nicht unerheblichen Anteil steuerte das LVR-Integrationsamt in Köln bei: Es förderte die beiden Projekte mit insgesamt 220.000 Euro. Außerdem erhält das Unternehmen laufende Zuschüsse zu den Personalkosten, etwa für den außergewöhnlichen Aufwand bei der Beschäftigung besonders benachteiligter schwerbehinderter Menschen.

... schwerbehinderte Menschen zu schaffen

Und es geht mit neuen Ideen weiter: Eine dritte Integrationsabteilung steht kurz vor der Realisierung. Sie soll in Beeckerwerth im Bereich Schlackenmanagement eingerichtet werden. Dort wird Schlacke – ein „Nebenprodukt“ bei der Herstellung von Eisen und Stahl – über Gummibänder zur weiteren Verarbeitung befördert. Immer wieder kommt es vor, dass die stark strapazierten Bänder reißen. Bisher werden Vulkaniseure einer externen Firma mit der Reparatur beauftragt. Doch zukünftig sollen eigene Mitarbeiter die Bänder flicken. Schon bald könnten hier 20 neue Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen entstehen ...

 

 

THYSSENKRUPP MILLSERVICES & SYSTEMS GMBH

• Das Unternehmen, im Oktober 2008 durch die Fusion mehrerer Firmen
entstanden, beschäftigt 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an zwölf
Standorten in Deutschland, davon 148 schwerbehinderte Menschen.
• Für seine Kunden, die Hütten- und Stahlwerke, bietet das Unternehmen
eine breite Palette an technischen Dienstleistungen: Aufbereitung und
Vermarktung von Schlacke, Produktionsunterstützung, Transportlogistik,
Instandhaltung, Verpackungen, Projektmanagement.

 

 

 

 

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.