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Behinderung
&
Beruf

Schwerbehinderte Arbeitnehmerin an ihrem Büroarbeitsplatz

ZB 1/2010

Bericht der Bundesregierung

... über die Wirkung der Instrumente zur Sicherung von Beschäftigung und zur betrieblichen Prävention 2009

Eine Zusammenfassung des Berichts: zur aktuellen Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen, zur Wirkung der gesetzlichen Instrumente und zu den neuen Herausforderungen

Im Juni 2009 hat die Bundesregierung den Bericht über die Lage von Menschen mit Behinderungen für die 16. Legislaturperiode vorgelegt. Der jährliche Bericht dient dazu, die Entwicklung der Teilhabe behinderter Menschen in den unterschiedlichen Aufgabenbereichen nachzuhalten, ihre Ergebnisse zu dokumentieren, zu bewerten und Themen der Weiterentwicklung zu erschließen. Kapitel 5 befasst sich mit der „Teilhabe am Arbeitsleben“.

Beschäftigungssituation

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass sich das System von Beschäftigungspflicht und gestaffelter Ausgleichsabgabe positiv auf die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen auswirkt. Allerdings wird eingeräumt, dass sich im Betrachtungszeitraum zwar die Beschäftigungssituation in Deutschland insgesamt zum Positiven entwickelt hat, die Gruppe der Menschen mit Behinderung im Vergleich zu allen Arbeitslosen aber nur unterdurchschnittlich von der Entwicklung profitiert hat. Handlungsbedarf zeige sich vor allem im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches (SGB) II, der die erwerbsfähigen Hilfebedürftigen (Arbeitslosengeld-II-Bezieher) umfasst. Hier ist die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen sogar um drei Prozent gestiegen.

In Bezug auf die Beschäftigungspflicht wird festgestellt, dass die Zahl der beschäftigten schwerbehinderten Menschen in den Betrieben steigt und sich die Quote von 4,0 Prozent in 2003 auf 4,3 Prozent in 2006 erhöht hat. Auffallend ist der Rückgang der Zahl der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber, die keinen einzigen schwerbehinderten Menschen beschäftigen, von fast 40.000in 2003 auf nahezu 30.000 in 2006.

Leistungen der Integrationsämter

Begleitende Hilfe im Arbeitsleben
Der Bericht hebt die Begleitende Hilfe im Arbeitsleben als Hauptaufgabe der Integrationsämter hervor. Auffallend ist die Steigerung der Nachfrage nach den laufenden Leistungen bei außergewöhnlichen Belastungen und ihre Bedeutung für die Erhaltung und Sicherung von Arbeitsverhältnissen schwerbehinderter Menschen, deren Beschäftigung auf Grund ihrer Behinderung für den Arbeitgeber mit besonderen Aufwendungen verbunden ist. Bemerkenswert ist der immer höhere Stellenwert der Arbeitsassistenz, die für eine kleinere Gruppe besonders betroffener, aber auch hoch qualifizierter schwerbehinderter Menschen eine überaus wichtige und zugleich optimale Unterstützung ist.

Integrationsfachdienste
Hervorgehoben werden die guten Arbeitsergebnisse der Integrationsfachdienste (IFD) und die kontinuierlich steigende Nachfrage nach dem Beratungs- und Begleitungsangebot der IFD. Sowohl im Bereich der Vermittlung mit 6.635 in Arbeit vermittelten schwerbehinderten Menschen wie auch im Bereich der Sicherung von Arbeitsplätzen haben die IFD ihre Arbeitsergebnisse im Jahr 2007 gesteigert. Bei über zwei Drittel der 11.749 Fälle ist es gelungen, das Arbeitsverhältnis zu erhalten. In Bezug auf die Übernahme der Strukturverantwortung für die IFD durch die Integrationsämter zieht der Bericht das Fazit, dass die Wahrnehmung der Strukturverantwortung in den einzelnen Ländern unterschiedlich ist, was sich insbesondere auf die Zusammenarbeit mit den Trägern der Arbeitsvermittlung auswirkt. Hier wird es darum gehen, mit den Verantwortlichen langfristig tragbare Lösungen zu erarbeiten.

Integrationsprojekte
Seit die Förderung von Integrationsprojekten als Unternehmen, die besonders viele – nämlich mindestens 25 Prozent – schwerbehinderte Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf beschäftigen, gesetzlich geregelt ist, ist ihre Zahl kontinuierlich gestiegen. Noch unterrepräsentiert unter den Beschäftigten ist die Zielgruppe der Personen, die aus einer Werkstatt für behinderte Menschen oder als Absolventen einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in ein Integrationsprojekt wechseln. Dass Integrationsprojekte ein Erfolgsmodell für die Beschäftigung von besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen sind, zeigen Initiativen wie die des Landes Nordrhein-Westfalen, das den beiden Integrationsämtern der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe für die Förderung von weiteren 1.000 Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen zehn Millionen Euro zur Verfügung stellt.

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderte Studie zum Stand der Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) hat nachgewiesen, dass die Unternehmen, die ein BEM eingeführt haben, regelmäßig positive Effekte zum Beispiel in Form von Rückgang der Fehlzeiten verzeichnen. Dabei konzentriert sich die Einführung eines BEM immer noch in hohem Maße auf große Unternehmen – kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben nach wie vor Schwierigkeiten bei der Umsetzung des BEM. Vor dem Hintergrund, dass die demografische Entwicklung ein rechtzeitiges Handeln von allen Arbeitgebern erfordert, gelten viele geförderte Projekte der Entwicklung von Hilfestellungen speziell für KMU, damit auch diese Unternehmen von den Wirkungen des BEM profitieren. An besonderen Hilfestellungen erwähnt der Bericht auch die im Oktober 2008 von der BIH gestartete Online-Akademie mit ihren Handlungshilfen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement.

Übergang von der Schule in den Beruf

Als ein besonders wichtiges Handlungsfeld hebt der Bericht den Übergang von der Schule in den Beruf für Jugendliche mit Behinderung hervor mit der Zielstellung, dass es mehr behinderte Jugendliche mit Hilfe der entsprechenden passgenauen Unterstützung schaffen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und eben nicht automatisch nach der Schule in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt werden. Der Bericht benennt aus der Reihe der zahlreichen Initiativen die Projekte der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern, Brandenburg. Praktika, frühzeitige und systematische Berufsorientierung in der Schulzeit sowie Netzwerkbildung werden insgesamt als wichtige Handlungsansätze für die Zielerreichung hervorgehoben. Den Integrationsfachdiensten kommt dabei eine hohe Bedeutung zu. Aufgabe der Zukunft wird es sein, in allen Bundesländern solche Aktivitäten zu implementieren, so der Beschluss von Bund und Ländern auf dem Qualifizierungsgipfel in Dresden am 22. Oktober 2008.

Herausforderungen – Ausblick

Als Schwerpunkte der Weiterentwicklung der Teilhabe behinderter Menschen am Leben in unserer Gesellschaft werden auch die Themen Bildung und Beschäftigung benannt. Handlungsleitend wird das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung sein, so beispielsweise in Bezug auf ein Bildungssystem, in dem Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen.

Mit Blick auf die Wirtschaftskrise ist Sorge zu tragen, dass Diskriminierungen behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt vermieden werden. Dies soll durch eine angemessene Unterstützung durch die Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) und zugelassenen kommunalen Träger sichergestellt werden.


Mehr Informationen
Der komplette Bericht steht im Internet zum Download bereit: www.bmas.de

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.