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Titelbild: ZB 1/2010 ZB 1/2010

Rheuma

Gemeinsam mehr bewegen

Wirksame Medikamente und gezielte Entlastungen am Arbeitsplatz ermöglichen es heute Menschen mit einer Rheumaerkrankung, langfristig berufstätig zu sein.

Rheuma ist nicht – wie viele denken – eine Krankheit von alten Leuten. Tatsächlich stehen viele der Betroffenen bei Erkrankungsbeginn mitten im Leben und im Beruf. Auch ist Rheuma – übersetzt: ziehender, reißender Schmerz – keine einheitliche Diagnose, sondern ein Sammelbegriff für über 400 verschiedene Krankheitsbilder.

In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dabei zählt die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) mit rund 800.000 Erkrankten zu den wichtigsten Vertretern dieses Formenkreises. Typisch hierfür sind chronische Entzündungsprozesse, die zu einer fortschreitenden Zerstörung der Gelenke führen können. Schmerzen und Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen bei vielen Patienten den Berufsalltag. Nicht selten führt die Rheumaerkrankung zu Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung. Dieses Schicksal ist jedoch nicht unausweichlich, denn es gibt für Menschen mit Rheuma – neben einer konsequenten medizinischen Behandlung – eine Reihe von Möglichkeiten, ihre Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Oftmals sind solche Hilfsangebote aber nicht ausreichend bekannt oder sie werden zu wenig in Anspruch genommen, weil ein Arbeitnehmer sich nicht als chronisch Kranker „outen“ will. Die Deutsche Rheuma-Liga verweist in diesem Zusammenhang auf eine 2005 durchgeführte Studie, nach der jeweils nur drei Prozent der erwerbstätigen Patienten mit früher rheumatoider Arthritis die Möglichkeit einer Umschulung oder einer Arbeitsplatzanpassung wahrnahmen.

Gelenkschäden vorbeugen
Aufgrund der oft unspezifischen Symptome werden bei vielen Patienten entzündlich-rheumatische Erkrankungen erst spät diagnostiziert. Für die Behandlung stehen heute hochwirksame Medikamente zur Verfügung, die meist in Kombination mit physikalischer Therapie wie Krankengymnastik eingesetzt werden. Damit lassen sich nicht nur die Symptome der entzündlichen Prozesse lindern, sondern auch das weitere Fortschreiten der Gelenkschäden aufhalten und die Bewegungsfähigkeit verbessern.

Dennoch kann die Situation eintreten, dass die Betroffenen plötzlich, allmählich oder zeitweise den körperlichen Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr gewachsen sind. In diesen Fällen ist – gemeinsam mit dem Arbeitgeber – zu überlegen, wie der Mitarbeiter weiterbeschäftigt und seine Fehlzeiten verringert werden können.

Mit Rheuma arbeiten – aber wie?
Teilzeit
Chronisch kranke Arbeitnehmer können bei ihrem Arbeitgeber einen Antrag auf Teilzeitarbeit stellen, den sie offiziell nicht mit ihrer Erkrankung begründen müssen. Wer einen Schwerbehindertenausweis besitzt, hat sogar Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung, wenn die kürzere Arbeitszeit wegen Art und Schwere der Behinderung erforderlich ist. Es sei denn, wichtige betriebliche Gründe sprechen dagegen, zum Beispiel wenn die Organisation, der Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt würden. Eventuell muss bei einer Teilzeitbeschäftigung mit einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung der Lebensunterhalt gesichert werden. Bei einer Reduzierung der Arbeitszeit ist weiter zu berücksichtigen, dass Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nur ab einer Mindestwochenarbeitszeit von 15 Stunden gewährt werden können.

Umsetzung Wenn die bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann, auch nicht für wenige Stunden, ist zu überlegen, ob eine innerbetriebliche Umsetzung auf einen anderen Arbeitsplatz – zum Beispiel in einem Büro – in Frage kommt oder ob eine neue Stelle mit geringer körperlicher Beanspruchung geschaffen werden kann.

Behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung Grundsätzlich ist zu prüfen, wie der Arbeitsplatz eines Beschäftigten mit Rheuma an die individuellen körperlichen Beeinträchtigungen angepasst werden kann. Hilfestellung leistet hier der Technische Beratungsdienst des Integrationsamtes als Ansprechpartner des Arbeitgebers. Die Umgestaltung eines Büros kann beispielsweise darin bestehen, ein zusätzliches Stehpult anzuschaffen, das in Ergänzung zu einem ergonomisch geformten Bürostuhl dafür sorgt, dass der erkrankte Arbeitnehmer in seiner Arbeitszeit in Bewegung bleibt und er die Körperhaltung während der Arbeit nach seinen Bedürfnissen wechseln kann. Weitere Lösungen können sein: die Anschaffung von ergonomisch geformten Schreibgeräten oder ohne Kraftaufwand zu benutzende Büroutensilien. Neben speziellen Hilfsmitteln können auch flexible Arbeitszeiten dazu beitragen, Belastungen zu senken und Fehlzeiten zu minimieren.

Wie gut sich die Betroffenen im Berufsleben zurechtfinden, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Günstig sind Berufe, die es erlauben, Arbeiten zeitlich zu entzerren und häufiger Pausen einzulegen. Ein Gleichgewicht zwischen Bewegung und Entspannung wirkt sich positiv auf eine Berufstätigkeit bei Rheuma aus.

 

Mehr Informationen:

Was ist Rheuma?

Tipps für den Arbeitsplatz

Praxisbeispiele

 

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.