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Behinderung
&
Beruf

Steffen Grandetzka ZB 1/2010

Beispiele aus der Praxis

Falscher Weg: Schmerzen überspielt


Steffen Grandetzka

Alter 25 Jahre
Erkrankung Morbus Bechterew
Beruf Verkäufer im Modehaus Hennes & Mauritz in Berlin

Als ich im Alter von 20 Jahren die Diagnose Morbus Bechterew erhielt, war meine erste Reaktion: „Rheuma? Das bekommen doch nur alte Leute!“ Welche schweren Konsequenzen die Erkrankung haben kann, wurde mir erst mit der Zeit bewusst: Schwere Rückenschmerzen machten mir die Arbeit in einem Radsportgeschäft zunehmend unmöglich. Hinzu kamen Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen, da sie nur wenig Verständnis für Ausfallzeiten zeigten. Schließlich wurde mir gekündigt – „betriebsbedingt“, wie es hieß. Entmutigen ließ ich mich aber nicht. Ich fand schnell eine neue Arbeitsstelle bei Hennes & Mauritz und holte zudem mein Abitur nach. Bei meinem neuen Arbeitgeber hatte ich die Erkrankung zunächst verschwiegen. Tapfer versuchte ich, die Schmerzen in Rücken und Knien zu unterdrücken und fit und belastbar zu erscheinen. Doch es wurde immer schlimmer. Kein Wunder, da der Beruf ja fast ausschließlich im Stehen und Gehen ausgeübt wird. Mein Chef wurde schließlich darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt, und bat mich zum Gespräch. Dann rückte ich endlich mit der Sprache heraus und informierte ihn umfassend. Seine Reaktion überraschte mich: Er zeigte Verständnis und Interesse! Sofort begannen wir, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Tätigkeiten, die körperlich weniger anstrengend sind, und angepasste Arbeitszeiten ermöglichen es mir seitdem, den Arbeitsalltag zu meistern. Nach meinem Studium an der Abendschule, das ich 2009 erfolgreich abschloss, möchte ich nun Abteilungsleiter werden. In diesem Jahr habe ich eine interne Einarbeitung begonnen.

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