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Behinderung
&
Beruf

ZB EXTRA 4-2017

Zukunftswerkstatt 2.0

Wissen, was bewegt

Kernstück der Veranstaltung waren fünf Workshops. Sie boten die Gelegenheit, wichtige Themen zu diskutieren. Aber auch Visionen waren gefragt.

Teilnehmerkreis eines Workshops, (c) Fotostudio-Diyako
Was ist notwendig, damit mehr Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben gelingt? Und was können die Integrationsämter dazu beitragen? Das waren die zentralen Fragen in den Workshops, (c) Fotostudio-Diyako
WORKSHOP 1: INDIVIDUELLE BEGLEITUNG

Arbeitsassistenz, Job-Coaching und Unterstützte Beschäftigung: Gleich zu Beginn stellten die Workshop-Leiter Rolf Gollnick (Integrationsamt Niedersachsen), Carola Fahr (Integrationsamt Bayern) und Birgit Haverkamp (Integrationsamt Bremen) die verschiedenen Formen der individuellen Unterstützung vor. Anschließend berichteten die Teilnehmer über ihre Erfahrungen. Als sehr hilfreich bewerteten sie beispielsweise das niederschwellige Angebot der Integrationsfachdienste, die im Auftrag der Integrationsämter die individuelle Begleitung durchführen oder organisieren.

Es zeigte sich aber auch, wo die Probleme liegen: Die Leistungen und ihre Einsatzmöglichkeiten sind insgesamt noch zu wenig bekannt, vor allem das Job-Coaching. Dies erschwere die Auswahl der geeigneten Unterstützung. Kritisiert wurde, dass Leistungen nicht überall unter den gleichen Bezeichnungen angeboten werden. Ein großer Wunsch der Teilnehmer war daher ein bundesweit einheitliches Leistungsangebot.

WORKSHOP 2: INKLUSIONSVEREINBARUNG

"Inklusionsvereinbarung, gibt es sie noch oder lebt sie schon?" Mit dieser provokanten Frage eröffneten Rosita Schlembach und Wolfgang Paul (beide Integrationsamt Hessen) sowie Michael Przybylla, Gesamtschwerbehindertenvertretung bei der AOK Hessen, ihren Workshop. Durch das Bundesteilhabegesetz wurde aus der Integrations- die Inklusionsvereinbarung. Bereits bei der Planung von Arbeitsprozessen und Rahmenbedingungen soll inklusiv gedacht werden. Außerdem sollen auch Betriebsräte initiativ werden, um eine Inklusionsvereinbarung mit dem Arbeitgeber abzuschließen. Wenn die Verhandlungen ins Stocken geraten, kommt den Integrationsämtern eine vermittelnde Rolle zu.

Die Teilnehmer berichteten von ganz unterschiedlichen Erfahrungen: In einigen Betrieben ist die Inklusionsvereinbarung bereits gut verankert, in anderen existiert noch keine. Man war sich einig, dass noch viel zu tun ist, bis Inklusion überall als Teil der Unternehmenskultur angesehen wird. Vor allem bei Führungskräften müsse man ansetzen und für sie mehr Fortbildungen anbieten. Die Integrationsämter werden als Ansprechpartner dringend gebraucht – so die Rückmeldung der Teilnehmer. Sie forderten deshalb, eine entsprechende personelle Ausstattung sicherzustellen.

WORKSHOP 3: INTEGRATIONSTEAMS

Unter der Leitung von Pia Zinser-Flum (Integrationsamt Baden-Württemberg), Thomas Lambert (Integrationsamt Hessen) und Thilo Matt, Schwerbehindertenvertretung bei Herma in Filderstadt, diskutierte die Gruppe, wie die Zusammenarbeit in den Integrationsteams läuft. Ein wichtiges Thema waren die Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Tätigkeit als Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen, als Mitglied der betrieblichen Interessenvertretung und als Inklusionsbeauftragter des Arbeitgebers. Dabei ging es auch um die oft schwierige Abgrenzung zwischen dem Integrationsteam und dem Team für das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Die Teilnehmer gaben sich untereinander Tipps für den Alltag.

Allgemein wurde festgestellt, dass es in den Köpfen der Menschen immer noch viele Barrieren gibt. An dieser Stelle sprachen die Teilnehmer den Integrationsämtern eine wichtige Rolle bei der Aufklärung zu. Ein Vorschlag war, vermehrt Inhouse-Schulungen anzubieten, um darüber Verständnis und Akzeptanz unter den Kolleginnen und Kollegen von behinderten Beschäftigten zu erzeugen.

Abschließendes Resümee: Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen! Das setze eine gute Kommunikation, Offenheit und Akzeptanz voraus – Werte, die auch in den anderen Workshops immer wieder angesprochen wurden.

WORKSHOP 4: PRÄVENTION

Das Leitungsteam von Workshop 4 griff auf eine sehr kreative und originelle Weise das Thema Prävention auf und empfing die Teilnehmer in Warnweste und Schutzhelm: Constanze Kovalev (Integrationsamt Brandenburg), Timo Wissel (Integrationsamt Rheinland) und Svenja Barz (Integrationsamt Niedersachsen) luden die Gruppe ein, gemeinsam ein zukunftsweisendes "Haus der Prävention" zu bauen, das gute Lebens- und Arbeitsbedingungen bietet.

So bestanden die "Bausteine" zum Beispiel aus einem wirksamen Gesundheitsmanagement, aus ergonomischem Mobiliar, einer barrierefreien Arbeitsumgebung und aus einer gelingenden Kommunikation. Im Fokus der Diskussion standen Werte wie Akzeptanz, Toleranz, Geduld, Offenheit, Wertschätzung von Seiten der Kollegen und des Arbeitgebers. Sie bildeten das Fundament des Hauses.

Das i-Tüpfelchen setzte Workshop-Teilnehmerin Nadja Buhre vom Schauspielhaus Hamburg. Sie verlieh dem Haus der Prävention noch eine ganz individuelle Note. Ihre auditive Hausbesichtigung ist hier nachzulesen:

Haus der Prävention
Größe: 180,55 KB / Stand: 21.09.2017

WORKSHOP 5: ARBEIT 4.0

Wie wirken sich die Veränderungen in der Arbeitswelt auf schwerbehinderte Arbeitnehmer aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Workshops Arbeit 4.0, der von Frank Schrapper (Integrationsamt Westfalen), Matthias Grams (Integrationsamt Berlin) und Stephan Lichtblau (Integrationsamt Hessen) geleitet wurde. Für die einen ist die neue Technik ein Segen. Sie ersetzt fehlende Fähigkeiten, sie geleitet durch den Arbeitsprozess bis zum fehlerfreien Arbeitsergebnis, macht von fremder Hilfe unabhängig. Andere sehen Risiken in der Kontrollierbarkeit, dem zunehmenden Arbeitstempo und der ständigen Erreichbarkeit durch neue Kommunikationswege. Ein Indiz für eine eher negative Entwicklung sind die steigenden Zahlen von psychischen Erkrankungen. Für Menschen mit Behinderungen können durch die Digitalisierung neue Barrieren entstehen. Einfache Tätigkeiten fallen weg.

Fazit der Gruppe: Es ist wichtig, Technik da einzusetzen, wo es gut und nötig ist, aber auch diejenigen mitzunehmen, die sich mit der neuen Technik schwer tun. Dabei sahen die Teilnehmer im Technischen Beratungsdienst eine unverzichtbare Hilfe. Sie äußerten den Wunsch, dass die Integrationsämter den Wandel der Arbeitswelt eng begleiten.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.