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ZB 3-2015

Zur Wahlfreiheit der WfbM-Beschäftigten
Beschäftigungsalternativen erschließen

Die UN-BRK und das geplante Bundesteilhabegesetz setzen Maßstäbe. Wie die berufliche Teilhabe von WfbM-Beschäftigten, die einer besonderen Unterstützung bedürfen, gelingen kann, muss neu diskutiert werden. Eine Fachkonferenz im brandenburgischen Rheinsberg hat darauf Antworten gefunden.

Das Publikum der Fachkonferenz im brandenburgischen Rheinsberg, (c) LASV/Normen Franzke
Das Publikum der Fachkonferenz im brandenburgischen Rheinsberg, (c) LASV/Normen Franzke
Mit eindrucksvollen Beispielen des neuen Films "Wege in Arbeit – Es lohnt sich!" (siehe Info) startete eine vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg (MASGF) und dem Landesamt für Soziales und Versorgung (LASV) gemeinsam veranstaltete zweitägige Fachkonferenz am 1. Juli 2015 in Rheinsberg. Das Thema "Übergang aus der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt – Utopie oder Handlungsoption" fand große Resonanz. Fast 240 Teilnehmende kamen: darunter Beschäftigte und Mitarbeitende von Werkstätten, Leistungsträger, Politik, Verwaltung und behindertenpolitisch Aktive. Sie diskutierten gemeinsam, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf selbstbestimmt und gut beraten über Beschäftigungsalternativen entscheiden können – so wie es die UN-BRK vorsieht. Das LVR-Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland unterstützte die Veranstaltung, seine Leiterin Karin Fankhaenel moderierte die Konferenz fachkundig, sensibilisierte die Teilnehmenden und trug durch die Art der Moderation zu einer Atmosphäre bei, die es allen ermöglichte, sich aktiv einzubringen.

Umsetzung der UN-BRK Um dieses Ziel zu erreichen, darauf wiesen bereits in ihren einführenden Worten Ministerin Diana Golze, der Behindertenbeauftragte Jürgen Dusel und auch Marlies Reidow – Abteilungsdirektorin des LASV – deutlich hin, steht keineswegs zur Diskussion, die WfbM abzuschaffen. Sondern es ist jetzt wichtig, sie weiterzuentwickeln, die Durchlässigkeit zu erhöhen und Beschäftigungsalternativen zu erschließen. Was von der LAG der Werkstatträte Brandenburg erleichtert aufgenommen wurde – so ihre Sprecherin Noreen Lange. Ein erster Schritt ist die Betrachtung der Rahmenbedingungen, die für einen erfolgreichen Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erforderlich sind. Hierzu hat das Land Brandenburg eine Studie (siehe Info) in Auftrag gegeben. Befragungen zur bisherigen Beschäftigungssituation zeigen, dass sich der Personenkreis der Menschen, die dort arbeiten, in den vergangenen Jahren verändert hat. Kam 2007 noch die Hälfte aller Beschäftigten direkt aus einer Förderschule in die WfbM, war dies 2014 nur noch ein Drittel. Demgegenüber verdoppelte sich der Zugang der Beschäftigten, die zuvor nach einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeitslos waren, auf 17 Prozent. Damit verändert sich auch die Art der Behinderungen der WfbM-Beschäftigten. Die Zahl der Menschen mit einer geistigen Behinderung geht zurück, die psychischen Behinderungen nehmen zu. Dies unterstreicht noch einmal deutlich mehr, dass die  Werkstätten so aufgestellt werden müssen, dass sie den neuen Strukturen und letztendlich auch ihrer Aufgabe der beruflichen Rehabilitation gerecht werden können. Ein zwischen den Akteuren abgestimmtes Übergangsmanagement mit einem Prozess- und Strukturverantwortlichen sowie ein aufnahmebereiter Arbeitsmarkt sind erforderlich, um nachhaltige
Übergänge aus der Werkstatt in Betriebe und Dienststellen des allgemeinen Arbeitsmarktes zu ermöglichen.

Podiumsdiskussionen und Workshops Die Ergebnisse der Studie wie auch die vorgetragenen Argumente der Podiumsteilnehmenden wurden lebhaft und ausführlich in den vier Workshops diskutiert, die ihre Ergebnisse dem Plenum vorstellten – auch immer in Leichter Sprache. Jürgen Dusel fasste die Konferenz mit folgenden Worten zusammen: Wir hoffen, dass von dieser brandenburgischen Veranstaltung ein Impuls ausgeht und weitere Partner motiviert werden, Menschen mit Behinderung in Werkstätten Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen und sie insbesondere beim Übergang aktiv zu unterstützen. Denn wir sind davon überzeugt, dass Inklusion für eine Gesellschaft wichtig, richtig und gut ist.

STATEMENTS

Portrait von Simone Wuschech, (c) LASV/Normen Franzke
Simone Wuschech (r.), (c) LASV/Normen Franzke
"Wenn ich in die Zukunft sehe, dann wünsche ich mir, dass WfbM-Beschäftigte keine Angst mehr vor dem ersten Arbeitsmarkt haben und er ihnen gegenüber offen und aufnahmebereit ist. Ich wünsche mir, dass der öffentliche Dienst dabei vorangeht. Ich hoffe, dass diese Fachkonferenz dazu beträgt, dass sich dieser Wunsch erfüllt."

Simone Wuschech, Leiterin des Integrationsamtes des Landesamtes für Soziales und Versorgung (LASV)

Portrait von Marlies Reidow, (c) LASV
Marlies Reidow, (c) LASV
"Die Resonanz auf unsere Einladung hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Dieses Thema können wir nur gemeinsam angehen, wenn wir institutionsübergreifend zusammenarbeiten, uns entsprechend vernetzen und miteinander versuchen, konstruktive Wege zu finden. Wir hoffen, mit dieser Fachkonferenz eine Plattform für einen intensiven Dialog eröffnet zu haben."

Marlies Reidow, Abteilungsdirektorin des Landesamtes für Soziales und Versorgung (LASV)

Portrait von Diana Golze, (c) LASV/Normen Franzke
Diana Golze, (c) LASV/Normen Franzke
"Werkstätten leisten einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Sie bleiben auch in Zukunft unverzichtbar vor allem für Menschen mit einer besonders schweren Behinderung. Die Werkstätten müssen aber stärker als ein Ort der beruflichen Rehabilitation verstanden werden, von dem aus es mehr Menschen mit Behinderung gelingt, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz zu finden."

Diana Golze, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg (MASGF)

Portrait von Christoph Beyer, (c) LASV/Normen Franzke
Christoph Beyer, (c) LASV/Normen Franzke
"Unabdingbare Voraussetzung für WfbM-Beschäftigte ist, dass sie ohne Einbußen wieder in die WfbM zurückkehren können. Wichtig ist, sich auch mal irren zu dürfen. Durchlässigkeit muss es auch nach unten geben."

Christoph Beyer, Abteilungsleiter Seminare, Öffentlichkeitsarbeit und Forschungsvorhaben beim LVR-Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland

Portrait von Karin Fankhaenel, (c) Nicole Schäfer
Karin Fankhaenel, (c) Nicole Schäfer

"Die UN-BRK hat uns aufgefordert, uns mit diesem Thema zu beschäftigen. Brandenburg hat es getan! Es hat mit dieser Konferenz und der Studie Neuland betreten. Und ich kann nur sagen, nach den Erfahrungen dieser beiden Tage: Es ist gut für uns alle, unterschiedlich zu sein. Und ein Wechsel der Perspektiven kann helfen, die Dinge klarer zu sehen."

Karin Fankhaenel, Leiterin des LVR-Integrationsamtes des Landschaftsverbandes Rheinland und Moderatorin der Konferenz


WEITERE INFORMATIONEN

Film

Szene aus dem Film: Frau im Blumenladen, (c) LASV
Szene aus dem Film
Der Film Wege in Arbeit – Es lohnt sich! zeigt eindrucksvoll Beispiele von Menschen mit Behinderung, denen der Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelungen ist. Sie kommen zu Wort ebenso wie ihre Arbeitgeber und all diejenigen, die sie professionell dabei unterstützt haben. Ein Film, der Mut macht, diesen Weg zu gehen, ganz nach dem Motto des Liedes der SGB9-Band, das den Film begleitet: Es lohnt sich, nicht wegzusehn'. Es lohnt sich, das anzugehn'. Es lohnt sich, mich mitzunehm'… Es lohnt sich! … und zwar nicht nur für die behinderten Menschen, sondern für uns alle.

Als Video unter: www.youtube.com
Suchbegriff "Wege in Arbeit – Es lohnt sich!"

Studie

Das MASGF und das LASV haben gemeinsam eine Studie zur Beschäftigungssituation in WfbM in Brandenburg in Auftrag gegeben. Die empirischen Ergebnisse sowie die entsprechenden  Handlungsempfehlungen sind zu beziehen beim: Integrationsamt im Landesamt für Soziales und Versorgung des Landes Brandenburg, Lipezker Straße 45, 03048 Cottbus oder online unter: www.lasv.brandenburg.de > LASV-Startseite > Downloads

Dokumentation

Die Dokumentation ist auch in Leichter Sprache zu beziehen unter: www.lasv.brandenburg.de > LASV-Startseite > Downloads

 

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.