| Bild: Max Krumbach mit Kollegen bei der Arbeit, (c) Harald Feiber/Handwerkskammer Aachen |
Ausbildung mit Down-Syndrom

„Bäcker – sonst nichts!“

Dass Maximilian Krumbach in einem Betrieb eine Ausbildung zum Bäckerwerker machen kann, ist eine Ausnahme. Denn der junge Mann kam mit Down-Syndrom auf die Welt.

ZB 03/2011

Ausbildung mit Down-Syndrom

"Bäcker – sonst nichts!“


Max Krumbach mit Kollegen bei der Arbeit, (c) Harald Feiber/Handwerkskammer Aachen
Maximilian Krumbach (Mitte) mit Bäckermeister Lipp und seinem Sohn, (c) Harald Feiber/Handwerkskammer Aachen
Nicht jeder Betriebsinhaber bringt die Geduld auf, einen Auszubildenden anzuleiten. Ganz anders Bäckermeister Raimund Lipp aus Eschweiler bei Aachen: Er bildet einen jungen Mann mit Down-Syndrom zum Bäckerwerker aus.

„Ich habe noch nie einen Lehrling gehabt, der so begeisterungsfähig war wie Max“, sagt der Inhaber der Bäckerei Lipp, der in den vergangenen zwei Jahren gute Erfahrungen mit dem 22-Jährigen gemacht hat. Maximilian Krumbach kam mit Down-Syndrom auf die Welt. Trotz seines Handicaps hatte er von klein auf immer nur einen Berufswunsch: Er wollte Bäcker  werden. „Und sonst nichts!“

Weniger Theorie, mehr Praxis
Schon während  der Schulzeit an einer Schule für geistig behinderte Menschen absolvierte er  seine ersten Praktika in Bäckereien. In dem  kleinen Familienbetrieb von Raimund Lipp gefiel es ihm am besten. Und der Bäckermeister war bereit, ihn als Auszubildenden aufzunehmen. Unterstützung bei der Begründung des Ausbildungsverhältnisses leistete Manfred Heuberg, Integrationsberater des LVR-Integrationsamtes bei der Handwerkskammer Aachen: „Eine klassische Berufsausbildunghätte Maximilian Krumbach aufgrund seiner Behinderung überfordert.“ Aus diesem Anlass erteilte die Kammer die Zulassung für das Berufsbild „Bäckerwerker“, eine vereinfachte Form der Bäckerausbildung, bei der mehr Wert auf die Praxis und das Zuarbeiten gelegt wird.

Am 1. November 2008 begann Maximilian Krumbach seine Ausbildung in der Bäckerei Lipp. Seither hat er viel gelernt. Er hilft nicht nur beim Mischen der Teige, sondern formt auch Brötchen und Brot und stellt süße Backwaren
her. „Einfach alles!“, antwortet der Auszubildende auf die Frage,
was er davon am liebsten tut. Auch das frühe Aufstehen macht dem  angehenden äckerwerker nichts aus.  Jeden Morgen um halb fünf Uhr verlässt Maximilian Krumbach sein Elternhaus. Weil um diese Zeit noch
kein Bus zu seinem 15 Kilometer entfernten Arbeitsort fährt, muss er ein
Taxi nehmen.

Wiederholen, bis es sitzt
Bei der Anleitung des Auszubildenden ist wichtig, die einzelnen Arbeitsschritte mit Geduld und persönlicher Hinwendung intensiv einzuüben. Raimund Lipp bringt Maximilian Krumbach auch die theoretischen Fachkenntnisse bei, denn es gibt in der Nähe kein spezielles Angebot in der Berufsschule. „Max lernt langsamer als andere. Doch wenn er die Arbeitsabläufe erst einmal kennt, ist er mit vollem Einsatz dabei“, erzählt der Bäckermeister. Natürlich stößt der behinderte Auszubildende, der körperlich voll belastbar ist und 38,5 Stunden in der Woche arbeitet, immer wieder auch an Grenzen. Spontane Änderungen im Arbeitsablauf bringen ihn schnell durcheinander.  Und er kann nur wenig lesen, schreiben und rechnen.

Mehr als andere Berufsanfänger braucht Maximilian Krumbach den Kontakt zu seinen Kollegen und verlässliche Bezugspersonen, wie den Altgesellen Theo, der ihm damals das Praktikum vermittelt hat, oder Hendrik Lipp, der Sohn des Inhabers. Die familiäre Struktur des Betriebs hält Raimund Lipp für eine wichtige Voraussetzung, damit ein solches Ausbildungsverhältnis erfolgreich verlaufen kann. „Anders wäre es nicht möglich, auf die Besonderheiten von Max einzugehen und ihn auch einmal  aufzufangen.“

Investition in den Betrieb
Gerade bereitet der 48-jährige  Bäckermeister seinen Auszubildenden auf die Zwischenprüfung vor, die im Sommer in der Backstube in Eschweiler stattfinden wird. Die regulär schriftlichen Aufgaben wollen die Prüfer dort mündlich abfragen. Während der ganzen Ausbildungszeit, besonders aber in der Anfangsphase, stehen Manfred Heuberg von der Handwerkskammer in Aachen und der Integrationsfachdienst Düren dem Betrieb zur Seite. Sie kümmerten sich auch um die Förderanträge. Die Arbeitsagentur zahlt die  Ausbildungsvergütung und das Taxi für die Fahrt zur Arbeit. Das  LVR-Integrationsamt in Köln seinerseits gewährte für die Schaffung des Ausbildungsplatzes einen Zuschuss zu den Investitionskosten. Mit dem Geld kaufte die Bäckerei eine Brötchen- Schnittmaschine, die Maximilian Krumbach inzwischen routiniert bedienen kann. Jeden Tag werden hier 2.000 Teigrohlinge geformt und geschnitten.

Selbstbewusster und erwachsener
Trotz seiner Behinderung genießt Maximilian Krumbach keine  Sonderstellung in der Backstube. „Er wird genauso gelobt und getadelt wie die anderen“, sagt der Bäckermeister. Kritik nahm sich der Azubi anfangs so zu Herzen, dass er sich niedergeschlagen in eine Ecke hockte. Heute  kann er mit solchen Situationen gelassener umgehen, denn er ist im Lauf seiner Ausbildung „selbstbewusster und erwachsener“ geworden. Nächstes Jahr steht die Abschlussprüfung an. Bäcker Lipp kann sich vorstellen, Maximilian Krumbach danach weiter zu beschäftigen. Der junge Mann ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch Menschen mit Down-Syndrom auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Die Integrationsämter unterstützen sie dabei.

Was ist das Down-Syndrom ?

ZB 03/2011

Was ist das Down-Syndrom?

Beim Down-Syndrom handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine genetische Besonderheit. Das E rbgut jeder Zelle besteht  normalerweise aus 23 C hromosomenpaaren. Beim Down-Syndrom kommt das C hromosom 21 dreifach vor, daher die medizinische Bezeichnung „Trisomie 21“.

Ursache: In 95 Prozent der Fälle liegt eine fehlerhafte Zellteilung während der Bildung der Eizelle zugrunde. Das Risiko hierfür steigt mit zunehmendem Alter der Mutter.

Häufigkeit:
Down-Syndrom ist eines der verbreitetsten angeborenen Syndrome. Weltweit leben fünf Millionen Menschen mit dieser Behinderung. In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 1.200 Kinder mit Down-Syndrom geboren. Damit ist eine von 700 Geburten betroffen.

Merkmale
: Wegen des leicht asiatischen Aussehens prägte der englische Arzt John Langdon Down, der 1866 das Syndrom zum ersten Mal beschrieben hat, den Begriff „mongoloid“. Eine Bezeichnung, die heute als diskriminierend empfunden wird und daher nicht mehr verwendet werden sollte.

Schwächen und Stärken: Die Chromosomenanomalie ist verantwortlich für eine verzögerte körperliche und geistige Entwicklung. Gehäuft auftretende gesundheitliche Probleme wie Herzfehler,  Darmfehlbildungen, Seh- und Hörstörungen führten früher dazu, dass sich die Kinder wegen fehlender und unzureichender Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten nicht gut entwickeln konnten. Umso mehr profitieren sie heute vom medizinischen Fortschritt und einer frühen  Förderung. Eine besondere Stärke ist ihre ausgeprägte soziale Kompetenz: Sie werden oft als freundlich, sensibel und „unkompliziert“ beschrieben.

Schule und Beruf: Kinder mit Down-Syndrom besuchen überwiegend
eine Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung oder eine
integrative Schule. Die Mehrheit wechselt danach in eine Werkstatt
für behinderte Menschen. Die wenigen, die bisher den Sprung auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft haben, arbeiten zum Beispiel im
Gastgewerbe und im Einzelhandel, in Altersheimen, Kindergärten oder
Krankenhäusern.

Mehr Informationen beim Deutschen Down-Syndrom Infocenter.


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