| Bild: Interview mit Rosita Schlembach und Timo Wissel, © Blue Planet Studio/stock.adobe.com |

BIH − Schulungs und Aufklärungsarbeit

Es lohnt sich, etwas zu wagen!”

Kurse und Medien der Integrationsämter sind gefragt wie nie. Jetzt geht es darum, sie zukunftsfest zu machen. Ein Gespräch mit Rosita Schlembach und Timo Wissel.

ZB 3-2020

BIH – Schulungs- und Aufklärungsarbeit

„Es lohnt sich, etwas zu wagen!“


Kurse und Medien der Integrationsämter sind gefragt wie nie. Um sie zukunftsfest zu machen, hat sich die BIH schon vor der Corona-Pandemie intensiv mit dem Thema E-Learning auseinandergesetzt und startet jetzt hierzu ein großes Projekt.

Ein Gespräch über die Schulungs- und Aufklärungsarbeit der BIH.

Zum letzten Mal wird Rosita Schlembach im Oktober ihre Kolleginnen und Kollegen im BIH-Arbeitsausschuss "Information und Bildung" begrüßen. Nach sieben Jahren übergibt sie den Vorsitz an die nächste Generation. Grund genug, mit ihr und ihrem Stellvertreter Timo Wissel über die Entwicklung der Aufklärungs- und Schulungsarbeit der Integrationsämter zu sprechen.

EIN BLICK ZURÜCK

ZB Frau Schlembach, Sie sind schon lange dabei. Wie war das damals, als Sie mit der Schulungsarbeit angefangen haben?

Rosita Schlembach Ich erinnere mich noch gut an die frühen Schulungen in den 1980er-Jahren, als der Referent zwei Tage vor der Gruppe saß und ein vorbereitetes Referat hielt. Irgendwann habe ich meinem Chef vorgeschlagen, wir könnten doch mal eine “Wandzeitung“ mit Stichpunkten machen. Keine Chance! So etwas wie Flipcharts, Handouts, Gruppenarbeiten ... all das gab's damals noch nicht.Das änderte sich erst in den 1990er Jahren, als die Hauptfürsorgestellen “ die Vorläufer der heutigen Integrationsämter “ damit begannen, für ihre Schulungsarbeit didaktisch-methodische Kurskonzepte zu entwickeln. Die ersten Leitlinien und Empfehlungen für die Aufklärungs- und Schulungsarbeit kamen dann 2006. Damals gab es auch erste Versuche mit interaktiven Lernprogrammen im Internet und das bis heute rege genutzte BIH-Forum wurde gestartet.

ZB Nicht jeder ist offen für E-Learning. Wie gehen Sie damit um?

Schlembach Das ist doch ganz menschlich. Ich selbst halte auch gern an Altbewährtem fest. Aber ich habe in meinem Berufsleben gelernt, dass es sich lohnt, etwas zu wagen. Für ein bundesweites Gremium wie das unsrige ist es wichtig, alle mitzunehmen.

ZB Welche Themen beschäftigen Sie aktuell im Ausschuss?

Timo Wissel Neben E-Learning wollen wir künftig noch mehr für Arbeitgeber machen. Die zunehmenden Anfragen nach Schulungen für Führungskräfte zeigen, dass sie sich mit dem Thema Inklusion verstärkt auseinandersetzen. Diesen Impuls greifen wir gerne auf. Auch die Möglichkeiten, unser Informationsangebot noch weiter in digitalen Formaten anzubieten, diskutieren wir intensiv.

Schlembach Ja, Führungskräfte können und wollen wir besser erreichen. Flexibel nutzbare Online-Angebote sind für viel beschäftigte Personalverantwortliche attraktiv.

Wissel Das gilt zum Teil auch für betriebliche Funktionsträger. Die
Lerngewohnheiten verändern sich, der Umgang mit digitalen Medien wird vertrauter ... Wenn wir die jüngere Generation für das Ehrenamt der SBV begeistern wollen, brauchen wir vielseitige multimediale Angebote.
ZB Ist das auch handlungsleitend für die Zukunft der Schulungsarbeit?

Wissel Ja, ich bin froh, dass wir jetzt ein E-Learning-Projekt auf den Weg bringen, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt wird. Wenn alles nach Plan läuft, können wir in fünf Jahren eine
geschlossene Lernplattform für Kursteilnehmer und frei verfügbare Module zum Selbststudium anbieten.

MULTIMEDIAL LERNEN

Schlembach Die Kunst besteht in einem guten Mix aus Präsenzkursen und E-Learning. Auch bei den Medien hat beides seine Berechtigung: die tiefgründige gedruckte Broschüre wie auch das digitale Lern-Nugget, die kleine Lerneinheit für zwischendurch. Bei der ZB wird die Printausgabe perspektivisch durch ein E-Paper ergänzt und auf längere Sicht abgelöst. Wir haben umfassende und gut aufbereitete Informationen, die wir passgenau einsetzen können. Vor allem Printmedien, aber auch digitale
Produkte. Ich denke an die Slideshows, die wir seit einigen Jahren zu den Schwerpunktthemen der ZB machen, sowie das LeistungsNAVI oder die
gerade neu erschienene App “SBV aktiv“.

Wissel Im Kern geht es darum, dass wir künftig so etwas haben wie einen Baukasten, aus dem wir für die unterschiedlichsten Zielgruppen und betrieblichen Situationen immer das Passende auswählen können. Dass wir bei der Entwicklung neuer Angebote unsere Zielgruppen beteiligen, ist
selbstverständlich. Ein schönes Beispiel dafür ist die Zukunftswerkstatt, die du, Rosita, mit ins Leben gerufen hast.

Schlembach Ja, aus diesem Dialog mit betrieblichen Funktionsträgern haben wir schon viele wertvolle Rückmeldungen zu unseren Angeboten erhalten. Nächstes Jahr wird die Zukunftswerkstatt bereits zum dritten Mal stattfinden.

ABSCHIED VON DER BIH

ZB Frau Schlembach, wie schwer fällt Ihnen der Abschied von der BIH-Schulungsarbeit?

Schlembach Der Abschied fällt mir nicht schwer, weil ich ja weiß, es wird weitergehen ... zum Beispiel in Richtung E-Learning, wo besonders das Team vom Landschaftsverband Rheinland wichtige Impulse gibt. Meine Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss werden die Schulungsarbeit weiter vorantreiben.

| Bild: Foto von Rosita Schlembach, © Nelli Stürmer
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Rosita Schlembach
Rosita Schlembach ist stellvertretende Leiterin des LWV Hessen Integrationsamtes in Kassel.
Seit den 1990er-Jahren ist sie verantwortlich für die Aufklärungs- und Schulungsarbeit in Hessen und in der BIH aktiv. 2013 übernahm sie den Vorsitz des BIH- Arbeitsausschusses “Information und Bildung“. Im November 2020 beendet die 62-Jährige ihre berufliche Tätigkeit.





| Bild: Foto von Timo Wissel, © Alexandra Kaschirina
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Timo Wissel
Timo Wissel leitet die Abteilung “Seminare, Öffentlichkeitsarbeit, Forschungsvorhaben“ im Inklusionsamt beim Landschaftsverband
Rheinland (LVR) in Köln. Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender des BIH-Arbeitsausschusses “Information und Bildung“. Der 45-jährige Diplom-Pädagoge arbeitet seit 2010 für den LVR.

Kurse und Medien
Rund 1.300 Kurse und Informationsveranstaltungen haben die Integrationsämter 2019 durchgeführt. Mehr als die Hälfte der 34.100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Schwerbehindertenvertretungen. Herzstück ihres umfangreichen Medienangebots unter dem Dach der BIH sind die “Big Five“: Zeitschrift ZB “ Behinderung & Beruf, ABC Fachlexikon, Sozialgesetzbuch IX, Internetauftritt ,ww.integrationsaemter.de und die Schulungsunterlagen ZB Kurs.

Mehr unter:
www.integrationsaemter.de/publikationen

www.integrationsaemter.de/kurs-vor-ort

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