| Bild: Zuzana Blazek trägt einen grünen Blazer und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sind bunte Metaplanwände zusehen.© Florian Lang |
Interview

„Die Zukunft gehört der empathischen Führungskraft“


Hybride Führung ist ein Konzept, das sich in Pandemiezeiten anbietet, weil es analoge und digitale Methoden verknüpft. Zuzana Blazek vom Institut der deutschen Wirtschaft weiß, wie die hybride Herangehensweise gelingt.

ZB 1-2021

 Die Zukunft gehört der empathischen Führungskraft“ Zuzana Blazek trägt einen grünen Blazer und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sind bunte Metaplanwände zusehen.© Florian Lang
Zuzana Blazek vom Institut der deutschen Wirtschaft beschäftigt sich mit Führungskonzepten wie der hybriden Führung.

Die Corona-Pandemie stellt Führungskräfte vor neue Aufgaben. Zuzana Blazek vom Institut der deutschen Wirtschaft weiß, wie Chefs mit ihren Teams produktiv durch die Krise kommen. Das Stichwort ist: hybride Führung.

 Frau Blazek, können Sie kurz umreißen, was „hybride Führung“ bedeutet? Unter hybrider Führung versteht man in unserem Kontext das Zusammenspiel von klassischer analoger und virtueller digitaler Führung und das Wissen darum, was wann bei welchem Mitarbeiter einzusetzen ist.

In Zeiten von Corona arbeiten viele Mitarbeiter im Homeoffice – aber nicht alle. Wie kann die Führungskraft eine Neiddebatte im Team vermeiden, wenn Beschäftigte aufgrund ihrer Tätigkeit nicht im Homeoffice arbeiten können oder dürfen? Das A und O für die Führungskraft heißt, transparent zu kommunizieren. Wenn ich als Teamleiter entscheiden will, dass Herr M. kein Homeoffice machen kann, sollte auf jeden Fall auch Herr M. an der Entscheidung beteiligt werden. Eine mögliche Frage an Herrn M.: „Was müssten wir ändern, damit auch Sie im Homeoffice arbeiten können?“ Mit dieser Frage vergibt sich die Führungskraft nichts, denn entweder erhält sie eine gute Antwort, oder der Beschäftigte sieht selbst, dass es wirklich nicht funktioniert. Dann ist das Verständnis für die Entscheidung da.

Worauf muss eine Führungskraft achten, wenn sie ein hybrides Team – also Mitarbeiter im Büro und am Arbeitsplatz zu Hause – führt? Vertrauen aufbauen ist die Basis von allem, denn Führung im virtuellen Kontext funktioniert nicht über Kontrolle. Der zweite Punkt ist eine gute technische Ausstattung, egal ob im Büro oder am Arbeitsplatz zu Hause, die Arbeitsmöglichkeiten sollten die gleichen sein, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Dann ist eine klare, eindeutige Kommunikation wichtig. Diese hat in Pandemiezeiten noch an Bedeutung gewonnen, weil die Zwischentöne, die Führungskräfte im Büro wahrnehmen, am virtuellen Arbeitsplatz nicht existieren.

Können Sie ein Beispiel geben? Wenn ich als Führungskraft eine Entscheidung kommuniziere, registriere ich im Büro die Reaktionen der Mitarbeiter. Das kann ein ungläubiges Gesicht oder bestimmtes Verhalten sein. Diese Reaktionen sieht der Chef nach einem virtuellen Meeting nicht, wenn er mit anderen Dingen beschäftigt ist. Der Beschäftigte sitzt dann mit seinen Gedanken allein zu Hause und kann sich auch nicht direkt mit Kollegen austauschen.

Hybride Teams werden auch nach Corona zur normalen Arbeitsorganisation von Unternehmen gehören. Was bedeutet das für die Führungskraft? Die Pandemie hat gezeigt, dass Führung kooperativer werden muss. Die Zukunft gehört der empathischen Führungskraft, die ihre Mitarbeiter sehr gut kennt. Auch werden Selbstmanagement und Resilienz immer wichtiger für Chefs und Teamleiter, weil die Arbeitsstrukturen komplexer werden. Das führt zu Stress. Deshalb müssen Führungskräfte ihre psychische Widerstandskraft trainieren. Wichtig ist auch eine gute Fehlerkultur in Unternehmen und Organisationen. Wir kommen aus einer Zeit, in der wir versucht haben, jeden Fehler zu vermeiden. Heute muss ich als Führungskraft vorleben, dass man Fehler machen darf. Das nimmt den Druck aus der Zusammenarbeit.


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