| Bild: Geschäftsführerin Ute Gödecke (li.), Betriebsleiter Jürgen Bienia (re.) und eine Mitarbeiterin b |

Integrationsunternehmen AuB

Mit neuen Aufträgen der Krise trotzen

Als reguläre Wirtschaftsunternehmen sind Integrationsfirmen von der aktuellen Wirtschaftskrise gleichermaßen betroffen wie „normale“ Unternehmen. Das Beispiel der AuB GmbH im sauerländischen Marsberg zeigt, wie Integrationsunternehmen mit Mut, Flexibilität und der Unterstützung des Integrationsamtes auch in Krisenzeiten wirtschaftlich erfolgreich sind.

| Bild: Geschäftsführerin Ute Gödecke (li.), Betriebsleiter Jürgen Bienia (re.) und eine Mitarbeiterin b |
ZB 4/2009

Integrationsunternehmen AuB

Mit neuen Aufträgen der Krise trotzen

Als reguläre Wirtschaftsunternehmen sind Integrationsfirmen von der aktuellen Wirtschaftskrise gleichermaßen betroffen wie „normale“ Unternehmen. Das Beispiel der AuB GmbH im sauerländischen Marsberg zeigt, wie Integrationsunternehmen mit Mut, Flexibilität und der Unterstützung des Integrationsamtes auch in Krisenzeiten wirtschaftlich erfolgreich sind.

In den drei Produktionshallen der AuB GmbH Marsberg – einem Industriedienstleister für namhafte Unternehmen der Metall-, Kunststoff- und Heizungsindustrie – herrscht Hochbetrieb: Die 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen 33 schwerbehindert sind, montieren unter anderem Heizungsventile und Armaturengriffe, bauen Holzpaletten mit Sondermaßen und schweißen Abflussrohre aus Kunststoff. „In den letzten Monaten konnten wir einige größere Aufträge dazugewinnen“, freut sich die Geschäftsführerin Ute Gödecke. „Es bewegt sich im Unternehmen viel – und das Beste: Seit Juni diesen Jahres stellen wir sogar wieder neue Mitarbeiter ein!“

Krise der Automobilzulieferindustrie

Bei AuB erinnern heute nur noch die spärlich besetzten Schweißarbeitsplätze daran, dass der Betrieb vor gerade mal einem Jahr durch extrem hohe Verluste im Automobilbereich existentiell bedroht war: „Bis zum Herbst 2008 waren diese neun Plätze fast voll ausgelastet. Inzwischen sind die Aufträge in diesem Bereich so gering, dass hier in der Regel nur ein oder zwei Mitarbeiter tätig sind“, erklärt Betriebsleiter Jürgen Bienia. Schuld daran war und ist das Übergreifen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Automobilindustrie im Herbst letzten Jahres: Dadurch verlor das Integrationsunternehmen von einem Tag auf den anderen seinen größten Kunden – und mit ihm 95 Prozent der Aufträge aus der Automobilzulieferindustrie, dem bis dato stärksten Standbein des Unternehmens. „Das war für uns alle ein Schock! Seit der Gründung des Unternehmens vor 20 Jahren haben wir stetig expandiert und neue Mitarbeiter eingestellt. Und jetzt mussten wir plötzlich so viele Menschen entlassen“, erinnert sich Ute Gödecke.

Neues Geschäftsfeld erschlossen

Sechs schwerbehinderte Mitarbeiter musste AuB aufgrund des plötzlichen Umsatzverlustes kündigen und konnte weitere sechs befristete Arbeitsverträge nicht verlängern. „Und das, obwohl wir wussten, dass die betroffenen Mitarbeiter woanders kaum eine Chance auf Beschäftigung haben. Das war für alle – aber besonders für die betroffenen schwerbehinderten Beschäftigten – eine ausgesprochen belastende Situation. Aber wir hatten keine Wahl und mussten schnell reagieren, wenn wir den Laden am Leben halten wollten“, so die Geschäftsführerin.

Allein durch Einsparungen im Personalbereich konnte das Integrationsunternehmen aber nicht wieder schwarze Zahlen schreiben. Also setzten Ute Gödecke und Jürgen Bienia in den folgenden Wochen alles daran, neue Aufträge zu gewinnen. „Im Neukundenbereich ist uns das bis auf eine kleine Ausnahme leider nicht gelungen.“

Dennoch waren die Bemühungen nicht vergebens: „In den Gesprächen mit unseren Kunden stellten wir fest, dass viele daran interessiert waren, Dreh- und Fräsarbeiten bei uns in Auftrag zu geben. Entsprechende Anfragen hatten wir schon vor der Krise. Solange es uns wirtschaftlich gut ging, sahen wir jedoch keinen Handlungsbedarf, in entsprechende Maschinen und qualifiziertes Fachpersonal zu investieren“, so der Betriebsleiter. „Nach dem Wegfall der Aufträge aus der Automobilzulieferindustrie mussten wir uns am Markt umorientieren – und beschlossen, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.“

Unterstützung durch das Integrationsamt

Da AuB die Investitionskosten jedoch nicht alleine stemmen konnte, wandte sich Ute Gödecke Ende 2008 mit der Bitte um Unterstützung an das LWL-Integrationsamt Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Das beteiligte zunächst – wie in solchen Fällen üblich – seine Kooperationspartner, die betriebswirtschaftliche Beratungsstelle bei der Handwerkskammer Münster, die Wirtschaftslage des Unternehmens sowie mögliche Hilfsmaßnahmen zu prüfen. „Das Konzept, das uns Frau Gödecke und Herr Bienia vorgelegt haben, zeigte deutlich, dass sie sich intensiv mit der Marktsituation auseinandergesetzt und ihr Vorhaben betriebswirtschaftlich sinnvoll kalkuliert hatten“, erinnert sich Hedwig Schlüter vom LWL-Integrationsamt Westfalen. Der Berater der Handwerkskammer und der zuständige Beratende Ingenieur des Integrationsamtes, die das Integrationsunternehmen seit Jahren kennen und beraten, empfahlen dann auch, den Aufbau des neuen Betätigungsfeldes zu fördern und damit die Arbeitsplätze der bei AuB beschäftigten schwerbehinderten Menschen zu sichern.

Neue, langfristige Aufträge

Das Integrationsamt bezuschusste die Anschaffung einer computergesteuerten Fräs- und einer Drehmaschine mit den dazugehörigen Werkzeugen sowie die Qualifizierung der Mitarbeiter. Und die Investition machte sich schnell bezahlt: „Unsere Erwartungen haben sich mehr als erfüllt! Wir haben vom ersten Tag an Aufträge mit hoher Kontinuität dazugewonnen und die neuen Maschinen sind zurzeit gut ausgelastet“, so die Geschäftsführerin. „Momentan fräsen und drehen wir hier zum Beispiel Bauteile für Mähdrescher und Saatmaschinen.“

Um dabei die nötige fachliche Qualifizierung zu gewährleisten, stellte AuB eigens einen schwerbehinderten Mitarbeiter mit Vorkenntnissen in der CNC-Bearbeitung neu ein. Seine Einarbeitung unterstützte das Integrationsamt durch die Förderung einer internen fünftägigen Schulung an den neuen Maschinen. Letztlich konnte das Integrationsunternehmen die Kündigungen von vier sich noch im Betrieb befindenden schwerbehinderten Mitarbeitern zurücknehmen: „Die Aufträge, die wir durch die neuen Maschinen gewonnen haben, bringen viele vor- und nachgelagerte Arbeiten wie etwa Montagen, Sägen oder Entgraten mit sich. Wir haben die Mitarbeiter aber nicht allein für diese Tätigkeiten zurückgeholt“, betont Ute Gödecke. „Sie werden in allen Bereichen eingesetzt, in denen wir neue Aufträge gewinnen konnten.“

Flexibilität und Vielfalt

Den aktuellen wirtschaftlichen Erfolg von AuB erklärt die Geschäftsführerin nicht nur mit der Anschaffung der neuen Maschinen: „Was unser Unternehmen auszeichnet, ist die Komplexität unserer Tätigkeiten, unsere hohe Flexibilität und die Vielzahl an Auftraggebern: Wir versuchen, für unsere Kunden alles möglich zu machen, was sich entsprechend positiv auf die Auftragssituation auswirkt. Wenn in einem Bereich Aufträge wegfallen, können wir das zumindest ansatzweise durch die anderen Geschäftsfelder kompensieren. Und wenn es einem unserer Kunden schlecht geht, ist der Betrieb nicht gleich existentiell gefährdet. Das trifft leider nicht auf alle Integrationsunternehmen zu.“

Hedwig Schlüter bestätigt das: „Bei AuB hat alles gut geklappt. Aber es gibt auch Integrationsunternehmen, denen es in der derzeitigen Krise sehr viel schlechter geht und die sich beispielsweise mit Kurzarbeit über die Runden zu schlagen versuchen.“ Entsprechend schaut man auch bei der AuB GmbH nicht völlig sorgenfrei in die Zukunft: „Im Moment schreiben wir wieder schwarzen Zahlen. Aber die Situation ist nach wie vor sehr sensibel und unberechenbar“, sagt Ute Gödecke. „Es kann in der derzeitigen Krise immer noch passieren, dass Großaufträge einbrechen und wir wieder Mitarbeiter entlassen müssen.“


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