| Bild: Ein junger Mann mit verschränkten Armen und einer blauen Latzhose schaut selbstbewusst in die Kamer |

Reportage

„Das Ziel ist eine erfolgreiche Berufsausbildung"

In Sachsen-Anhalt werden Jugendliche mit Einschränkungen bei der Ausbildung unterstützt – eine Reportage.

ZB 1-2021

Das Ziel ist eine erfolgreiche Berufsausbildung“

| Bild: Ein junger Mann mit verschränkten Armen und einer blauen Latzhose schaut selbstbewusst in die Kamera.© Getty Images / shironosov |

Jugendlichemit Behinderung oder Beeinträchtigung benötigen oftmals besondere Unterstützung bei der Ausbildung. In Sachsen-Anhalt ist das Landesprogramm „Zukunftschance assistierte Ausbildung“ seit 2016 erfolgreich.


 

Jacob Hoffmann ist optimistisch, dass er seine Ausbildung zum Sattler in der Fachrichtung Feintäschnerei im Sommer erfolgreich abschließen wird. Das war nicht immer so. Trotz einer kognitiven Einschränkung hat sich der 20-Jährige nach seinem Schulabschluss intensiv um eine Ausbildungsstelle bemüht. So besuchte er auch 2018 die Berufsorientierungsmesse in Sangerhausen, 60 Kilometer westlich von Halle. Dort traf er Norman Weiß, Geschäftsführer der Creativ Lederwarenmanufaktur GmbH. Der Handwerksbetrieb fertigt mit elf Mitarbeitern Lederwaren wie Aktentaschen oder Damentaschen im hochwertigen Qualitätssegment. Weiß war von Hoffmanns Engagement, einen Ausbildungsplatz zu finden, angetan und so einigte man sich schnell auf einen Ausbildungsvertrag – die Ausbildung startete im September 2018.

In der Berufsschule wurde deutlich, dass dem Auszubildenden Hoffmann etwas Unterstützung guttun würde. Unternehmenschef Weiß dachte sofort an das Landesprogramm „Zukunftschance assistierte Ausbildung“, kurz ZaA, mit dem er schon gute Erfahrungen gemacht hatte. „Ich kannte das Programm, weil ein anderer Azubi bei uns bereits durch die ZaA unterstützt wurde“, erzählt er. Dieser Azubi arbeitet nach erfolgreicher Ausbildung nun im festen Arbeitsverhältnis bei den Lederexperten.

Unterschiedliche Berufe und Lerntechniken. Schnell war der Kontakt zu Angelika Engelke vom Bildungsträger BBI GmbH in Eisleben hergestellt, die die nächsten Schritte koordinierte. Die zuständige Agentur für Arbeit nahm daraufhin Jacob Hoffmann im Oktober 2018 in das Programm ZaA auf. Seitdem erhält er jede Woche mindestens vier Stunden „Nachhilfe in allen schulischen Belangen“, wie es Bildungsberaterin Engelke formuliert. Durch die ständigen Wiederholungen habe Jacob Hoffmann sehr gute Fortschritte gemacht, sagt sie. Die Azubis, die das BBI im Rahmen des Programms ZaA betreut, haben unterschiedliche Schwierigkeiten. „Aber alle wissen, dass sie zu uns kommen können und nicht alleine an ihren Problemen rumknabbern müssen“, sagt Engelke. Das BBI kennt die Anforderungen der Berufsschulen in den unterschiedlichsten Berufen.

Bildungsträger hilft weiter. Der Bildungsträger unterstützt die jungen Menschen nicht nur bei der Ausbildung. „Wir helfen bei der Führerscheinprüfung, bei Überschuldung und halten den Kontakt zum Beispiel zum Jobcenter, zur IHK, zur Handwerkskammer und so weiter – also zu allen Institutionen, die an der Ausbildung beteiligt sind“, sagt Engelke. Dazu gehöre auch die soziale Komponente, bei der ein Sozialpädagoge das BBI unterstützt. „Unser großes Ziel ist der erfolgreiche Abschluss der Berufsausbildung“, fasst die engagierte Beraterin zusammen. Grundsätzlich ist das Programm in zwei Phasen aufgeteilt. In der Phase 1 testen der Ausbildungsbetrieb und der Jugendliche in einem maximal neun Wochen langen Praktikum, ob es „passt“. Das Ziel ist der Abschluss eines Ausbildungsvertrags. Phase 2 ist die ausbildungsbegleitende Phase. Ziel hier ist der erfolgreiche Abschluss der Berufsausbildung und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Begleitet werden beide Phasen durch Jobcoaches oder Bildungsberater wie Angelika Engelke. Auch die gewerblichen und handwerklichen Kammern benennen Koordinatoren. Ihre Aufgabe: Sie machen als Multiplikatoren die Idee der „assistierten Ausbildung“ bei den Mitgliedsbetrieben bekannt und gewinnen sie so für das Programm.

Verlässliche Partner. Auch viele Integrationsämter bieten „assistierte Ausbildung“ unter unterschiedlichen Labeln an – so beispielsweise das LVR-Integrationsamt mit der „Aktion Inklusion“: Schulabgänger von Förderschulen erhalten hier eine Begleitung während der Ausbildung. „Generell sind alle Initiativen gut, die junge Menschen mit Förderbedarf dabei unterstützen, eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen“, erklärt Christoph Beyer, Leiter des LVR-Inklusionsamtes. Inklusion im Beruf bedeute, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben soll, es auf dem ersten Arbeitsmarkt zu versuchen. „Integrationsämter und die angeschlossenen Integrationsfachdienste können keine Arbeitsplätze schaffen – das können nur Arbeitgeber“, sagt Beyer. Seine Erfahrung der vergangenen Jahre: Arbeitgeber wollen nicht (nur) Geld. Vielmehr wollen sie einen verlässlichen Ansprechpartner, der auch weiterhilft, wenn es mal ruckelt. „Und diese qualifizierte Begleitung stellen die Integrationsämter, die Ministerien und die Agenturen für Arbeit bundesweit in den unterschiedlichsten Programmen bereit“, sagt Beyer. Aktuell arbeite man an einem einheitlichen Verständnis darüber, was ein Jobcoach ist. „Und da sind wir auf einem guten Weg.“

Assistierte Ausbildung

Mehr zum Programm ZaA finden Sie unter

ms.sachsen-anhalt.de > Suchbegriff „Zukunftschance ­assistierte Ausbildung“

Die Bundesagentur für Arbeit hat einen informativen Flyer zur assistierten Ausbildung unter arbeitsagentur.de >Suchbegriff "assestierte Ausbildung"

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