| Bild: Manfred Riedl bei der Arbeit |

Behinderungsgerechter Arbeitsplatz

Stark mit nur einem Arm

Die Integration behinderter Mitarbeiter ist Programm bei Bell-Hermetic. Wie im Fall von Manfred Riedl: Mit technischen Hilfen ist er trotz seines gelähmten linken Arms einsatzfähig.

| Bild: Manfred Riedl bei der Arbeit |
ZB 3/2007

Behinderungsgerechter Arbeitsplatz

Stark mit nur einem Arm

Die Integration behinderter Mitarbeiter ist Programm bei Bell-Hermetic. Wie im Fall von Manfred Riedl: Mit technischen Hilfen ist er trotz seines gelähmten linken Arms voll in den Arbeitsfluss integriert.

Ohne fremde Hilfe hebt Manfred Riedl die 20 Kilogramm schwere Kiste mit Hydraulikverschraubungen auf seinen Arbeitsplatz, um Stichproben-Kontrollen durchzuführen. Das Besondere daran – sein linker Arm ist vollständig gelähmt. „Ich bin gelernter Maurer“, so der heute 49-Jährige, „doch nach einem Verkehrsunfall war die Arbeit auf dem Bau für mich vorbei.“ Aber Manfred Riedl ist nicht der Typ dafür, sich hängen zu lassen. Er fand eine Stelle in der Fertigungskontrolle bei der Bell-Hermetic GmbH & Co. KG in Spangenberg bei Kassel, einem der größten Hersteller von Verbindungslösungen für Anwendungen im Hochdruckbereich.

Ziel: Weniger Belastung, höhere Produktivität

„Natürlich hatte die Optimierung des Arbeitsplatzes von Herrn Riedl auch etwas mit Produktivitätssteigerung zu tun“, so Christina Beer, Personallei-terin bei Bell-Hermetic, „doch im Vordergrund stand bei dieser Entscheidung, dass der Mitarbeiter seine Fähigkeiten optimal am Arbeitsplatz einbringen kann.“ Allerdings waren hierfür Einrichtungen notwendig, die nur zum Teil auf dem Markt fertig eingekauft werden konnten. Rund 7.000 Euro steckte Bell-Hermetic daher an Eigenentwicklung in den Arbeitsplatz. Hinzu kamen weitere 23.000 Euro an zugekauften Geräten.

Gefördert vom Integrationsamt

Das zuständige Integrationsamt beim Landeswohlfahrtsverband Hessen gewährte dem Betrieb, in dem mehr als sieben Prozent aller Beschäftigten schwerbehinderte Menschen sind, einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der förderungsfähigen Gesamtkosten. Das Amt steuerte jedoch nicht nur Geld zum Projekt bei, sondern auch Knowhow: „Wir hatten mit Regionalmanager Frank Schellenberger und dem Beratenden Ingenieur Wolfgang Holzki engagierte Partner an unserer Seite, die uns konkrete Hinweise für die Arbeitsplatzgestaltung gegeben haben. Das fing an bei dem Not-Aus-Schalter und reichte bis zu einer Liste von Firmen, die für uns interessante Einrichtungen anboten“, erzählt Günter Lindenborn, Leiter der Fertigungskontrolle. So wurden ein elektrisch höhenverstellbarer Arbeitstisch angeschafft und ein spezieller Drehstuhl, der sich dank einer Arretierung bei dem einarmigen Arbeiten nicht ungewollt wegdreht.

Hebehilfe mit Handkraft steuern

Auch eine Lösung für das Heben und Tragen der schweren Kisten wurde gefunden: ein Seillift, der mit nur einer Hand bedient werden kann. Zum Greifen der Kiste umfasst Manfred Riedl nur den am Ende des Seils befindlichen Steuergriff. Sensoren setzen die Handkraft in Steuerbefehle um, mit denen die Last gehoben oder gesenkt wird. Die Lastaufnahme, mit der die Kisten gegriffen werden, zentriert sich beim Aufsetzen auf den Kasten selbst und verriegelt automatisch. Das sonst übliche Positionieren der Lastaufnahme mit der zweiten Hand und das Drücken von Knöpfen sind so nicht nötig.

Die Arbeit geht Manfred Riedl mit der neuen Einrichtung im wahrsten Sinne des Wortes leicht von der Hand: „Heute kann ich meine Aufgaben viel einfacher erledigen. Es ist ein ganz anderer Fluss in der Arbeit, da ich keinen Kollegen mehr um Hilfe bitten muss.“


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